Die evangelische Frauenhilfe Holzwickede hat sich am Mittwochnachmittag nach eineinhalb Jahren wieder getroffen. Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff (rechts) hatte anlässlich des ersten Treffens eine Andacht in der Kirche am Markt gehalten. Über das Treffen freuten sich nicht nur die Frauen im Hintergrund, sondern auch der Vorstand mit (von links) um Christel Heidemann (Kassiererin), Annemarie Hübbe (Vorsitzende), Mathilde Knorre (Beisitzerin) und Evelin Hartwig (Vorsitzende). © Marcel Drawe
Vor dritter Impfung

Impfen oder nicht: Frage stellt sich für Holzwickeder Seniorinnen nicht

Impfen bedeutet, an andere zu denken und Sorge zu tragen für die nächste Generation: Das meinen die Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe Holzwickede. Sie haben sich nach langer Zeit wieder getroffen.

Von heute auf morgen bekam sie keinen Besuch mehr, fielen Treffen mit der Frauenhilfe aus: Für Annemarie Hübbe (85) begann mit der Corona-Pandemie eine Zeit der Einsamkeit. „Es ist stiller geworden“, sagt sie. Am Mittwochnachmittag sitzt sie im Gemeindehaus neben der Kirche am Markt – gemeinsam mit knapp 30 anderen Frauen, denen es in der Pandemie ähnlich erging.

Es ist das erste Treffen der Frauenhilfe Holzwickede seit eineinhalb Jahren. „Wir haben gedacht, es wäre für 14 Tage. Und dann kam immer wieder ein Lockdown“, berichtet Annemarie Hübbe. Die Wiedersehensfreude ist groß und die Freude darüber, der Isolation ein Ende bereiten zu können. Möglich ist das auch wegen der Corona-Impfung.

Soweit sie informiert sei, seien alle Frauen geimpft, berichtet Annemarie Hübbe, die gemeinsam mit Evelin Hartwig den Vorsitz der Frauenhilfe Holzwickede inne hat. „Es ist eine Selbstverständlichkeit.“ Die Frage, ob sie sich vielleicht nicht impfen lassen soll, kam für die 85-Jährige nie auf. Es sei eine Frage der Solidarität – gegenüber der nächsten Generation.

Seniorinnen setzen Hoffnung in die dritte Impfung

Anfang August hatte die Gesundheitsministerkonferenz beschlossen, unter anderem Senioren, die älter sind als 80 Jahre, ein drittes Impfangebot zu machen. Für Annemarie Hübbe steht die Dritt-Impfung gegen Corona Mitte des Monats an. „Ich hoffe, dass das Virus damit mundtot gemacht wird.“

Das Virus habe vor allem den Kontakt zu ihren Kindern und Enkelkindern verändert. Teilweise habe man sich ein Jahr nicht gesehen. „Es gibt ja das Telefon“, sagt Annemarie Hübbe. Was sie vor allem an der Situation störte, war aber nicht die Tatsache, dass sie ihre Familie lange nicht sah. „Es war ein Druck dahinter: Man durfte nicht.“ Gerne hätte sie ihren Geburtstag gefeiert und ihre Kinder eingeladen, berichtet sie. Aber auch die Feier zum „halbrunden Geburtstag“, wie sie ihn nennt, fiel Corona zum Opfer.

»Ich hoffe, dass das Virus damit mundtot gemacht wird.«

Annemarie Hübbe

Als „schrecklich einsam“ beschreiben auch andere Frauen die Corona-Pandemie, die sich am Mittwochnachmittag zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen im Gemeindehaus versammelt haben. Ihr Wunsch: So viele Menschen wie möglich sollen sich impfen lassen, damit die Pandemie bald vorbei ist. Eine Seniorin vergleicht das Gefühl, das sie die vergangenen Monate begleitet hat, mit einem Aufenthalt im Gefängnis, eine andere appelliert an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen und damit auch an die anderen zu denken.

Kein Verständnis für Impfverweigerer

Auch sie können sich in den nächsten Monaten ein drittes Mal impfen lassen. Die Angst, dass die Pandemie wieder an Fahrt aufnehmen könnte, wenn sie sich nicht mehr impfen lassen, ist groß. „Menschen, die die Impfung verweigern, kann ich nicht begreifen“, pflichtet auch Annemarie Hübbe den Frauen der Frauenhilfe bei. Dabei gehe es ihr um diejenigen, die sich aus Überzeugung nicht impfen lassen und nicht diejenigen, die es nicht können.

Das Gefühl von Einsamkeit verbindet die Frauen genauso wie das freudige Gefühl, an diesem Nachmittag wieder gemeinsam zusammensitzen zu können. Um Lichtblicke wie diesen in Zeiten der Pandemie hatte sich der Vorstand der Frauenhilfe Holzwickede auch im vergangenen Jahr bemüht. Zehn Mal hatten die Mitglieder der Frauenhilfe Post bekommen – eine Andacht und ein Anschreiben lagen regelmäßig im Briefkasten. „Dadurch haben wir den Kontakt aufrecht erhalten“, sagt Annemarie Hübbe.

Zum ersten Treffen in Präsenz nach so langer Zeit stand für die Frauenhilfe am Mittwochnachmittag auch eine Andacht in der Kirche mit Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff auf dem Programm. Auch sie nehme wahr, dass sich die Frauen nun freuen, dass wieder Begegnung stattfinden kann. „Man hat gemerkt, dass man einander braucht“, sagt sie rückblickend.

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.