Fühlen sich im Holzwickeder Norden insgesamt wohl: Carina Carthaus (von links) mit ihren beiden Söhnen Leonard und Tom sowie Anna Rübesamen mit Tochter Charlotte auf dem Arm. © Marcel Drawe
Stadtteilcheck

Holzwickedes Norden: Paradies für junge Familien, aber es gibt Probleme

Parkplatz-Ärger, Heroin-Ambulanz, aber der Zusammenhalt stimmt: Zwei junge Mütter berichten von den Vor- und Nachteilen, die das Leben im Holzwickeder Norden bietet. Ein Stadtteilcheck.

Aufgewachsen ist die Holzwickederin Carina Carthaus in der Gemeindemitte. Seit 2017 lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Norden Holzwickedes, konkret an der Friedrich-Ebert-Straße. Dort, so berichtet sie, lässt es sich gerade als junge Familie ziemlich gut leben.

Auf einem Stück Papier hat sie alle Vor- und Nachteile des Alltags in ihrem Wohngebiet zusammengefasst. Darauf stehen zwar mehr Nachteile als Vorteile. Und trotzdem will sie nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Insgesamt fühlt sich ihre Familie im Norden der Gemeinde recht wohl. „Wir sind froh, dass wir leben wie wir leben“, sagt sie.

Die Vorteile liegen aus ihrer Sicht auf der Hand: Vom Norden aus erreicht man nicht nur schnell Holzwickedes grüne Bereiche, man hat es also auch für schöne Wanderrouten nicht weit. Außerdem sei die Anbindung an größere Städte nicht schlecht. Der Dortmunder Flughafen liegt nur wenige hundert Meter von der Haustür der Familie Carthaus entfernt, der Bahnhof ist auch nicht weit.

Der Zusammenhalt unter den Familien ist sehr groß

Was für sie einen großen Teil der Wohnqualität vor Ort ausmacht, ist aber die Zusammensetzung der Nachbarschaft. Im Neubaugebiet Krummer Weg und auch entlang der Friedrich-Ebert-Straße leben viele junge Familien, „auch wenn wir anfangs nicht gedacht hätten, dass es hier mal so dicht bebaut sein würde“, sagt Carina Carthaus.

Leonard und Tom finden, dass die Busanbindung nach Unna besser sein könnte. Dort gehen die beiden zur Schule. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Und doch hat die Nachbarschaft viele Vorteile. Man unterstützt sich untereinander, man achtet gegenseitig auf die Kinder und der Zusammenhalt ist groß. Ein Umfeld, das gerade jungen Familien gut tut, findet Carthaus, die für einen Besuch unserer Redaktion ihre Nachbarin Anna Rübesamen eingeladen hat.

Einen weiteren Vorteil sehen beide bei der Nahversorgung. In unmittelbarer Nähe befindet sich seit mehreren Monaten ein Bäcker, außerdem finden sich an der Wilhelmstraße auch ein Supermarkt und viele weitere Geschäfte. „Die kann man von hier aus auch ganz gut zu Fuß erreichen“, sagt Rübesamen.

Wohnen im Holzwickeder Norden: Es gibt auch mehrere Nachteile

Carthaus und Rübesamen fallen aber auch eine Reihe von Nachteilen ein, wenn sie ans Wohnen im Holzwickeder Norden denken. Unter anderem was die Anbindung des Busverkehrs betrifft, gibt es ihrer Meinung nach Nachholbedarf. Die beiden Söhne von Carthaus gehen in Unna zur Schule, fahren entweder mit dem Zug oder eben mit dem Bus. Von der naheliegenden Bushaltestelle aus fahre nur eine Linie direkt nach Unna.

Ein anderer Kritikpunkt sind fehlende Freizeitangebote für ältere Kinder. Zwar gebe es im Holzwickeder Norden etwa an der Sachsenstraße einen Spielplatz, den die Gemeinde zuletzt aufgewertet hat. Dort ließen aber nicht alle Eltern ihre Kinder alleine hinlaufen, weil sie die Brücke an der Kurzen Straße für zu gefährlich halten. Geht man als Familie gemeinsam dorthin, so Carthaus und Rübesamen, sei es aber eine attraktive Möglichkeit für einen Ausflug.

Was fehle, seien etwa öffentliche Tischtennisplatten oder ein Bolzplatz. Der Bolzplatz an der Montanhydraulikstraße zum Beispiel sei für Kinder fußläufig nicht allzu sicher zu erreichen, weil es an mehreren Kreuzungen und an der Montanhydraulikstraße selbst mehrere Gefahrenstellen gebe.

Immer wieder Ärger mit den Flughafenparkern

Allgemein sei das mit dem Verkehr mitunter eine heikle Sache. Auf der Friedrich-Ebert-Straße selbst würden manche Autofahrer ihrer Wahrnehmung nach zu schnell fahren. Speziell an der Kreuzung Natorper Straße/Oelpfad, kurz vor der Unterführung, gebe es für Fußgänger, die aus dem Wohngebiet kommen wenig Einsicht. „Die Kreuzung ist aus meiner Sicht sehr gefährlich“, sagt Carthaus.

Wenn sie sich für diese Stelle etwas wünschen könnte, würde man dort einen Zebrastreifen einrichten, der am Ende auch den aus dem angrenzenden Gewerbegebiet kommenden Verkehr etwas entschleunigen würde.

Eines der größeren verkehrlichen Probleme im Holzwickeder Norden stellen laut Carthaus und Rübesamen allerdings die Flughafenparker dar, die auf den ausgewiesenen Parkflächen der Friedrich-Ebert-Straße, aber auch auf vielen weiteren Straßen im Norden der Gemeinde ihre Fahrzeuge abstellen.

Mehr Tempo-30-Zonen, mehr Zebrastreifen

Sie blockieren wichtige Parkmöglichkeiten der Anwohner und ihrer Besucher. Für die Anwohner ist das ein großes Ärgernis. Für Carina Carthaus ist es kein Problem, dass der Flughafen eben Lärm verursacht und weitere Begleiterscheinungen mit sich bringt. Die schlechte Parksituation sei aber vermeidbar.

Ihr Fazit in Sachen Verkehr: Mehr Tempo-30-Zonen wären wünschenswert, außerdem auch mehrere Zebrastreifen. Die unerwünschten Parkgäste sollten zudem aus den Wohngebieten ferngehalten werden. Carthaus und Rübesamen sprechen sich etwa für Anwohnerparkausweise aus.

Was den Holzwickeder Norden in den vergangenen Monaten ein Stück weit unattraktiver gemacht habe, ist ihrer Auffassung nach die Diamorphinambulanz. Sie sind nicht die einzigen Anwohner, die diese Auffassung vertreten. Vor allem an der Nordstraße und Wilhelmstraße habe es in der Vergangenheit immer wieder Konflikte zwischen Patienten der Praxis und Anwohnern gegeben.

Durch die an der Wilhelmstraße eröffnete Diamorphinambulanz fühlen sich manche Anwohner gestört. Sie und die Patienten sind in der Vergangenheit durchaus schonmal aneinander geraten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Probleme rund um die Diamorphinambulanz reißen nicht ab

Carthaus stellt klar: „Ich war von Anfang an für die Diamorphinambulanz, weil ich finde, dass es so etwas geben muss“, sagt sie. Menschen mit einem Suchtproblem dürfe man nicht ausgrenzen. Vielmehr solle man ihnen Verständnis entgegen bringen.

Dass die Situation zwischen Praxis und Anwohnern im Holzwickeder Norden allerdings zu einem Problem geworden ist, könne man aber nicht leugnen. Unangenehme Zwischenfälle im Supermarkt, vermeintliche Partys an Bushaltestellen, Betteleien und so weiter: Die Menschen aus dem Umfeld der Praxis seien mitunter sehr auffällig, „auch wenn man natürlich nicht weiß, ob jeder von ihnen ein Patient der Praxis sein muss“. Immer wieder komme es aber vor, dass jemand auf offener Straße ansatzlos anfange zu schreien.

Trotz der Kritik an ihrem Wohnviertel falle ihr Fazit aber eher positiv aus: „Die Vorteile sind aus meiner Sicht gewichtiger“, findet Carthaus.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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