Bürgermeisterin Drossel: „Es gab sicherlich auch den einen oder anderen Holperer“

dzInterview zum Jahreswechsel

Wer die vielen Bauprojekte in der Gemeinde sieht, nimmt wahr: Holzwickede ist im Wandel. Das birgt Herausforderungen, die Ulrike Drossel als Bürgermeisterin zumindest noch fünf Jahre lang bewältigen will, wie sie im Interview verrät.

Holzwickede

, 30.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frau Drossel, ein neues Jahrzehnt bricht an. Was wünschen Sie sich für die Gemeinde in den nächsten zehn Jahren?

Ich wünsche mir eine stabile politische und finanzielle Entwicklung. Innerhalb meines Verwaltungsteams setze ich weiterhin auf eine intensive und gute Zusammenarbeit.

Rein theoretisch könnten Sie in zehn Jahren ihre vierte Amtszeit anstreben. Sie könnten 2030 aber auch schon zehn Jahre Altbürgermeisterin sein, wenn Sie nächstes Jahr nicht wiedergewählt werden. So oder so: Wie stellen Sie sich Holzwickede dann vor?

Wir werden daran arbeiten, unsere Klimaschutzziele zu erfüllen. Mobilität wird ein wichtiges Thema sein. Wir wissen, dass wir als Pendlergemeinde eine hohe Verkehrsbelastung haben. Es wird spannend zu sehen sein, wohin die technische Entwicklung in zehn Jahren führt.

Holzwickede 2030 – dann mit einer Altbürgermeisterin Ulrike Drossel?

Ich möchte gerne die nächste Legislaturperiode mitgestalten, aber danach ist aus Altersgründen Schluss. Das ergibt für mich auch Sinn. Als ich angetreten bin, wusste ich: Netzwerke aufzubauen, Vertrauen schaffen – das geht nur über zwei Amtszeiten.

Wenn Sie auf 2019 zurückblicken: Was hat Sie besonders gefreut?

Straßensanierungskonzept, OGS-Ausbau an den Schulen, Breitbandausbau – es freut mich, dass wir viele gute Entscheidungen für die Zukunft treffen konnten. Wichtig war mir, sich konzeptionell über viele Jahre Gedanken zu machen und entsprechende Projekte anzugehen. Ich denke, das erkennen die Bürger auch an.

Was hat Sie im vergangenen Jahr geärgert?

Es gab sicherlich auch den einen oder anderen Holperer. Im Kulturbereich haben wir viel ausprobiert. Da hat sicher nicht alles funktioniert, wenn ich an die Kleinkunstbühne denke. Da werden wir die Ärmel hochkrempeln und ein Programm entwickeln, das besser bei den Bürgern ankommt. Auch merken wir den Fachkräftemangel in der Verwaltung. Für die Stelle „Kanalbau“ mussten drei Bewerbungsverfahren durchgeführt werden und die Nachbesetzung einer Stelle in der Kämmerei stellte sich ebenfalls schwierig dar.

Jetzt lesen

Aktuell und in den nächsten Jahren wird viel gebaut in Holzwickede – also werden auch viele Flächen versiegelt. Andererseits ist man Teil der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ der Emschergenossenschaft und erarbeitet aktuell ein Klimakonzept – wie will man hier künftig den Spagat zwischen Entwicklung und Nachhaltigkeit schaffen?

Nehmen wir den Wohnpark Emscherquelle und wie hier politisch um fehlende Grünflächen und die verkehrliche Situation gerungen wurde. Ich erwarte weiterhin politische Debatten diesbezüglich und letztlich wird die Politik hier Entscheidungen treffen müssen.

Stichwort Wohnpark: Wohnraum ist knapp und dann wird bekannt, dass eine Doppelhaushälfte mit 130 Quadratmetern Wohnfläche auf dem einstigen Kasernengelände ab 400.000 Euro vermarktet wird. Günstiges Wohnen für die junge Familie sieht anders aus…

Die Kritiker des Projektes werden sich bestätigt sehen. Die Kaufpreise sind anspruchsvoll. Für sozialverträgliches Wohnen müssen wir uns auf die Ideen zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes stützen. Das wollen wir fördern.

Wirtschaftlich wird die Gemeinde erheblich durch Ansiedelungen im Gewerbepark Eco Port getragen. Bebaut ist noch nicht alles, doch vermarktet sind mittlerweile nahezu alle Flächen. Die Ursprungspläne sahen auch Parks und Sportanlagen vor...

Der Ursprungsgedanke war tatsächlich, eine gewisse Aufenthaltsqualität zu schaffen. Zum Beispiel durch ein Eco-Port-Tor. Letztlich sind aber die Wege für Arbeitnehmer und Bürger zu weit. Das hat uns zum Umdenken veranlasst. Blickt man auf den Rhenus-Campus, kann man die Gestaltung durchaus den Unternehmen überlassen.

Abschließend noch ein Blick auf die Kommunalwahl im September 2020: Haben Sie sich eigentlich bereits eine Strategie für den Wahlkampf zurechtgelegt?

Von Strategie möchte ich nicht sprechen, denn jeder hat in Holzwickede meine Arbeit sehen können: Ehrlich und transparent. So möchte ich meinen Weg weiter gehen, kontinuierlich mit meinem Team an begonnenen Projekten weiterarbeiten. Teamarbeit ist mir wichtig und bezieht sich auch auf die Politik. Dafür stehen die Arbeitskreise zum neuen Rat- und Bürgerhaus oder zum Klimaschutzkonzept. Wir stellen uns konzeptionell auf und nehmen dabei Politik und die Bürger mit. Die Holzwickeder haben mich durch die Amtszeit getragen, und deshalb braucht es keine neue Strategie, sondern Mut und Durchhaltevermögen, um das Begonnene fortzuführen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Rathaus Holzwickede
Arbeiten am Rathaus Holzwickede: „Die Denkmalpflege will hier kein Museum errichten“
Hellweger Anzeiger Wettbewerb zu Clara Schumann
Warum ein rührender Brief der Schülerin Theresa Schröter eine Fahrt nach Zwickau beschert