Auf die Menschen zugehen und fragen: So ist Melanie Brunken (r.) mit Familien in Iversheim in Kontakt gekommen, die nun erneut mit wichtigen Spendengütern wie etwa Hochdruckreinigern oder Werkzeug versorgt werden können. © privat/Brunken
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Holzwickederin mobilisiert Hilfsgüter für Flutopfer in der Eifel

Wie generös Menschen und Unternehmen im Kreis Unna sind, hat die Holzwickederin Melanie Brunken erfahren. Sie kann nun schon zum zweiten Mal Sachspenden an Flutopfer in der Eifel übergeben.

Dass sie keine Schaufel würde in die Hand nehmen können, das war Melanie Brunken klar. Die Holzwickederin leidet an einer seltenen Nervenkrankheit, dem Ramsay-Hunt-Syndrom. Aber die gebürtige Schwerterin kann gut organisieren und nachdem weite Teile NRWs Mitte Juli überflutet worden waren, wollte sie helfen.

Wenn sie sich mit ihrem Lebensgefährten Hans-Joachim Redix an diesem Donnerstag auf den Weg in die Eifel macht, wird sie schon zum zweiten Mal Spenden in das kleine Dorf Iversheim bringen, das zu Bad Münstereifel gehört. Im Interview spricht Melanie Brunken über ihre Motivation, die Lage vor Ort und die Spendenbereitschaft der Holzwickeder.

Frau Brunken, wie kam es zu Ihrem Einsatz im kleinen Iversheim mit seinen rund 1400 Bewohnern?

Als ich die ersten Bilder im TV von der Flutkatastrophe gesehen habe, musste ich helfen. Ich habe mich noch nachts an den PC gesetzt und via Facebook den Kontakt über Helfergruppen gesucht. So bin ich da reingekommen und mehr oder weniger zufällig bei Iversheim gelandet. Dann habe ich mich an die Koordinatoren vor Ort gewandt. Dann wurden Kennzeichen angegeben, um auch reinzukommen und gezielt die benötigte Hilfe abgesprochen.

Sie waren am 22. Juli mit einem kleinen Team aus Freunden erstmals vor Ort und haben Sach- und Geldspenden geliefert. Wie lief das ab?

Vor Ort gab es einen Treffpunkt am Dorfhaus, dort wurden Hilfsgüter ausgegeben. Aber manche Betroffene kamen noch gar nicht dazu, dort vorbeizuschauen, mussten auch weite Wege laufen. Wir sind dann durch den Ort und haben konkret gefragt, wer was benötigt. Da waren die Leute schon über Cola oder ein Brötchen dankbar. So sind wir dann auch in Kontakt mit einigen Familien gekommen, die wir konkret unterstützen.

Die Infrastruktur ist auch in Iversheim großflächig zerstört. Mal eben zum Einkaufen – das ist für viele Menschen noch gar nicht möglich. © privat/Brunken © privat/Brunken

Durch Iversheim fließt die Erft, die das Dorf überflutete. Wie stellte sich die Lage zu dem Zeitpunkt dar?

Mauern waren weggerissen, Straßen verdreckt und teils weggespült. Überall lag das, was einst Hab und Gut der Menschen war, herum. Häuser waren mit einem X markiert, für unbewohnbar. Und dann steht ein älteres Paar vor so einem markierten Haus… Eine Frau erzählte wiederum, dass sie sich mit ihrem Baby vor den Fluten auf das Dach des Hauses rettete. Das geht einem alles sehr nahe.

Und doch fahren Sie mit Ihrem Lebensgefährten nun wieder ins Krisengebiet mit einem Transporter voller Spendengüter…

Als wir zuletzt dort waren, haben wir die Menschen konkret gefragt, was sie jetzt brauchen und dann habe ich wieder einen Aufruf gestartet. Aus Holzwickede hat wie beim ersten Mal Andrea Wicke unglaublich viele Menschen aus der Gemeinde mobilisiert. Es gab auch Spenden aus Unna oder Schwerte, aber das meiste kam aus Holzwickede selbst. Wahnsinn.

Was glauben Sie, erwartet Sie nun zwei Wochen nach der Flut vor Ort?

Ich denke, die ganz großen Schuttberge werden weg sein. Auch der Geruch vielleicht. Ausgelaufene Öltanks, tote Tiere, der Müll – Bilder sind das eine, aber der Geruch… Ich stehe mit den Menschen ja im Austausch und muss sagen: Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei, THW haben da alle gut zusammengearbeitet, aber ohne den Einsatz von Landwirten oder Bauunternehmern und ihrer Maschinen vor Ort wäre man lange nicht so weit. Die machen das auf eigene Kosten und viele Menschen vor Ort fühlen sich in dem Punkt von den Regierungsstellen sehr alleine gelassen.

Gut 160 Kilometer liegt Iversheim von Holzwickede entfernt, wo Mitte Juli die Erft zum reißenden Fluss wurde und das Dorf verwüstete. © privat/Brunken © privat/Brunken

Glauben Sie denn, dass Sie nach dem ersten Chaos mit den Familien vor Ort auch mal durchschnaufen können?

Ich hoffe es. Aber es gibt Familien, die haben kein Haus mehr. Andere noch immer keinen Strom. Läden sind genauso zerstört wie in den größeren Nachbarorten die Supermärkte. Außerdem sind die Autos kaputt, die Menschen kommen nicht weg. Da freut man sich über ein Glas mit Pilzen. Herzlichkeit und Dankbarkeit herrschen vor. Und ich freue mich, dass meine Idee so groß wurde und wir den Menschen helfen können.

  • Melanie Brunken ist unter ihrem Klarnamen auf Facebook zu finden, falls Hilfswillige den Kontakt suchen. Hier berichtet sie auch regelmäßig über ihre Spendenaktion für Iversheim.
  • Zudem gibt es eine lokale Spendenaktion: Empfänger ist der Dorfverschönerungsverein Iversheim, Raiffeisenbank Voreifel, IBAN DE35 3706 9627 2303 3620 13, Betreff: „Flutopferhilfe Iversheim“
  • Alternativ sind Spenden auch möglich über eine Aktion des Landes NRW in Kooperation mit diversen Hilfsorganisationen: Empfänger ist hier NRW hilft, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE05 3702 0500 0005 0905 05
Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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