Holzwickeder sollen den Wertstoffhof mehr nutzen – und vor Ort weniger diskutieren

dzMüllentsorgung

Der Wertstoffhof in Holzwickede soll ein neues Preissystem bekommen. In erster Linie soll es fairer werden. Den Mitarbeitern der GWA soll aber auch eine oft geführte Diskussion erspart bleiben.

Holzwickede

, 07.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Müll und seine ordnungsgemäße Entsorgung hat in Holzwickede in den vergangenen Monaten immer wieder Diskussionen ausgelöst. Das Unverständnis für wilde Müllkippen ist bei Bürgern, aber auch bei Gemeinde und GWA groß – und trotzdem kommt es auf dem Gemeindegebiet regelmäßig zu entsprechenden Verstößen.

Dem soll die Einführung des neuen Preissystems der GWA vorbeugen, das ab Januar 2021 gelten soll und mehrere Neuerungen mit sich bringt. Neben der Senkung des Sperrmüllpreises sieht das neue Preissystem auch die Abschaffung der Preisberechnung in Kofferraumgröße vor. Den Kunden soll es attraktiver gemacht werden, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen – indem die Preise fairer werden sollen.

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Laut GWA-Sprecher Andreas Hellmich eine Regel, die schon seit vielen Jahren nicht mehr zeitgemäß ist – und trotzdem derzeit noch Anwendung findet. Wie der Leiter des Holzwickeder Wertstoffhofes, Ralf Thiemann, erläutert, war das in der Vergangenheit einer der großen Streitpunkte zwischen GWA-Mitarbeitern und Kunden: Wir haben damit seit 20 Jahren zu tun“, sagt Thiemann.

„Sie fahren los und haben einen bestimmten Preis im Kopf“

Immer wieder sei es vorgekommen, dass Kunden wegen des Preises diskutieren. Thiemann hat eine Vermutung, wie die gefühlte Ungerechtigkeit zustande kommt, die in den Köpfen der Kunden bei mancher Fahrt zum Wertstoffhof entsteht: „Sie fahren los und haben einen bestimmten Preis im Kopf. Diesen wollen sie dann am Ende auch nur zahlen“, so Thiemann.

Der Kundenkontakt am Wertstoffhof ist momentan wegen der Corona-Bestimmungen ohnehin eingeschränkt. In der Vergangenheit hatten Mirko Blasche (rechts) und seine Kollegen immer wieder mit Kunden zu tun, die über die Preise diskutieren wollten. Am Dienstag hatte der GWA-Mitarbeiter zwar alle Hände voll zu tun, Diskussionen blieben aber aus.

Der Kundenkontakt am Wertstoffhof ist momentan wegen der Corona-Bestimmungen ohnehin eingeschränkt. In der Vergangenheit hatten Mirko Blasche (rechts) und seine Kollegen immer wieder mit Kunden zu tun, die über die Preise diskutieren wollten. Am Dienstag hatte der GWA-Mitarbeiter zwar alle Hände voll zu tun, Diskussionen blieben aber aus. © Udo Hennes

Solche Kunden seien meistens sehr gut informiert, berücksichtigten aber nicht immer jedes Detail: „Im Gespräch stellt sich dann oft heraus, dass sie beim letzten Mal einen anderen Stoff hier her gebracht haben als dieses Mal“, sagt der Leiter des Wertstoffhofes.

Im Regelfall seien die Kunden anschließend einsichtig. Größere – oder gar handgreifliche – Auseinandersetzungen habe es am Holzwickeder Wertstoffhof noch nicht gegeben. Allgemein, so erläutert Thiemann, hielte sich die Zahl der diskutierfreudigen Kunden insgesamt in Grenzen. Dass jemand weniger bezahlen will als er muss, komme lediglich hin und wieder vor.

Im Falle der Preiseinteilung in eine Kofferraumgröße sieht die GWA immerhin einen Punkt, in dem sich die Verbraucher teilweise bestätigt sehen können. Durch den Wandel der Automodelle in den vergangenen Jahrzehnten ist diese Art der Preisberechnung inzwischen unfair geworden. Der Knackpunkt liegt auf der Hand: Eine Kofferraummenge ist nicht gleich eine Kofferraummenge.

Kofferraummenge war über Jahrzehnte ein gängiges Mittel zur Abrechnung

„Bis vor 20 Jahren gab es fast nur Kombis und Limousinen“, sagt Hellmich, die verschiedenen Fahrzeuggrößen hielten sich in Grenzen: „Der SUV war noch gar nicht erfunden.“ Eine Kofferraummenge sei in diesem Zeitraum ein gängiges Mittel gewesen, um bei der Müllentsorgung entsprechende Mengen abzurechnen. Dadurch, dass die Größen des jeweiligen Kofferraums je nach Modell inzwischen stark von einander abweichen, lag die Abrechnung am Wertstoffhof in den vergangenen Jahren durchaus auch im Ermessen der Mitarbeiter.

Wenn bei der Fahrt auf den Wertstoffhof bei den mitgeführten Stoffen Fragen bestehen, dann werfen die GWA-Mitarbeiter um Wertstoffhofleiter Ralf Thiemann (links) einen Blick darauf.

Wenn bei der Fahrt auf den Wertstoffhof bei den mitgeführten Stoffen Fragen bestehen, dann werfen die GWA-Mitarbeiter um Wertstoffhofleiter Ralf Thiemann (links) einen Blick darauf. © Udo Hennes

In einem etwas kuriosen Fall sei ein Mann mit einem Anhänger auf den Hof gefahren, auf dem er maximal 750 Kilogramm führen durfte. Für den Inhalt des prall gefüllten Anhängers wollte er dann eine Kofferraummenge berechnet haben, weil er den Anhänger lediglich beladen hatte, um seinen Kofferraum sauber zu halten.

Mit dem neuen Preissystem sollen diese Diskussionen immerhin ein Ende haben. In Holzwickede werden die meisten Müllsorten wie Grünschnitt und Sperrmüll ab Januar daher nicht mehr durch eine Kofferraumgröße, sondern präziser in der Einheit Kubikmeter berechnet. Auch nach der groben Schätzung des Volumens seien Beschwerden zwar weiterhin möglich, „im absoluten Notfall kommt dann der Zollstock“, so Thiemann.

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Der Wertstoffhof in Holzwickede ist die erste von der GWA betriebene Mülldeponie im Kreis Unna, auf der ab Januar eine neue Epoche eingeläutet werden soll. Mit den Erfahrungen aus der Emscherquellgemeinde will die GWA in der Folge auch die Bedingungen der weiteren Wertstoffhöfe verändern.

Die aktuelle Preisliste, Öffnungszeiten und weitere Informationen zur Nutzung des Wertstoffhofes in der Corona-Zeit finden Interessierte im Internet unter www.gwa-online.de/privathaushalte/wertstoffhoefe/
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