Holzwickeder hegt und pflegt seine Miniaturausgabe einer englischen Rarirät

dzHerbert Gröne steht unter Dampf

Wenn Herbert Gröne Dampf macht, dann ist das in seinem Fall nicht bloß eine Redewendung: Der Holzwickeder besitzt eine fahrbare Dampfmaschine im Miniaturformat – einen Straßendampftraktor.

von Jennifer Freyth

Holzwickede

, 24.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerade mal 1,90 Meter lang, 1,35 hoch und 75 Zentimeter breit ist das historische Gefährt, das seinem großen Original, das bis etwa 1930 gebaut wurde, im Maßstab von 1:3 nachempfunden ist. Doch die Maschine der Marke Foster hat es in sich: Mit stolzen 500 Kilogramm ist sie im Handbetrieb von einer Person allein kaum von der Stelle zu bewegen. Im Kreis Unna und der Region ist sie einzigartig und Herbert Grönes ganzer Stolz.

Lodert das Feuer und bringt es das Wasser so zum Kochen, dass der Dampf die Maschine antreibt, dann fährt der grüne Straßendampftraktor fast wie von selbst. „Das Fahren ist kein Problem“, sagt Herbert Gröne und lächelt verschmitzt. Mit zwei Vor- und Rückwärtsgängen und einer Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal sechs Stundenkilometer brauche es keine großen Fahrkünste.

Holzwickeder hegt und pflegt seine Miniaturausgabe einer englischen Rarirät

Die Dampfmaschine von Herbert Gröne ist auf Hochglanz poliert. Vor die Tür kommt sie nur bei gutem Wetter. „Bei Regen bilden sich gleich Rostflecken“, sagt Gröne. © Marcel Drawe

Die Kunst sei vielmehr, die Maschine fahrbereit zu halten – sprich: das Feuer mit Kohlen so anzuheizen, dass es das Wasser weiter am Kochen hält. Dabei müsse das Verhältnis von Wasser und Feuer stimmen, der richtige Wasserstand sei das A und O, betont Gröne. Nicht zu leer dürfe der Tank sein, aber eben auch nicht zu voll. „Sonst kann sich kein Dampf bilden“, erklärt der Senior. Und den braucht es schließlich, um die Maschine ins Rollen zu bringen.

Schon von klein auf ist der Holzwickeder, wie er selbst sagt, „dampfmäßig ziemlich verrückt“. Mit seinen Kumpels habe er schon in Kindertagen auf Eisenbahnbrücken gewartet, bis eine Dampflok unter ihnen herfuhr. „So im Dampf zu stehen und sich gegenseitig nicht zu sehen – das hatte was“, erinnert er sich. Mit dem ersten Sohn kam dann die erste Modelleisenbahn ins Haus – und dann erst einmal lange nichts. Zu sehr war der Zahntechnikermeister, der zuletzt selbstständig arbeitete, beruflich eingespannt. Doch als sich das Arbeitsleben allmählich dem Ende zuneigte, flammte sie wieder auf, die Leidenschaft für Dampfmaschinen.

Holzwickeder hegt und pflegt seine Miniaturausgabe einer englischen Rarirät

Die Dampfmaschine wurde 1984 vom englischen Hersteller Foster gebaut. © Marcel Drawe

Es war Ende der 1990er Jahre, als Gröne spontan zu einer Veranstaltung rund um Dampfmaschinen ins niederländische Dordrecht fuhr. Wie es der Zufall so wollte, traf der Holzwickeder an einem Stand auf einen Deutschen, mit dem er ins Gespräch kam. Ein Gespräch, das für Gröne mit einem Aufnahmeantrag im erst neu gegründeten Freundeskreis Straßendampf endete. Es war der Anfang eines Hobbys, das bis heute seine Augen strahlen lässt.

Die grüne Foster ist schon die zweite Dampfmaschine von Herbert Gröne. 2004 hatte er sich zunächst ein etwas kleineres Exemplar in Rot angeschafft, das er schließlich ein paar Jahre später durch das grüne Gefährt ersetzte. Doch daran zu kommen, war kein Leichtes. „Solche Maschinen kriegt man nicht im Laden gekauft“, sagt Gröne.

Noch zwei Originale

Dampfmaschinen aus England

Die Miniatur-Dampfmaschine von Herbert Gröne stammt aus dem Hause des englischen Herstellers William Foster. Sie wurde 1984 in England im Maßstab von 1:3 gebaut. Das große Original wurde bis etwa 1930 gefertigt. Heute gibt es noch zwei Maschinen dieses Modells, die in England stehen.

Über Beziehungen sei er stattdessen an die Miniatur gekommen. In England erbaut, wurde der Straßendampftraktor erst nach Spanien weiterverkauft, ehe er auf einer Pallette im Lkw zunächst nach Rheinland-Pfalz rollte. Mit einem Anhänger holte Herbert Gröne dort schließlich sein dampfbetriebenes Schätzchen ab, um fortan mit ihm auf Tour zu gehen.

Mal fährt der Holzwickeder nur kurz ins Dorf, mal nimmt er an Dampfmaschinen-Treffen teil, wovon bereits etliche Plaketten an seinem kleinen Anhänger zeugen. Oder Herbert Gröne ist gebuchter Hingucker bei Veranstaltungen in Industriemuseen und Kommunen, die den Holzwickeder gezielt für einen Besuch anfragen. Hin und wieder erhält er eine kleine Aufwandsentschädigung dafür. Die allerdings deckt mitunter kaum die Spritkosten. Doch darauf kommt es dem Senior auch gar nicht an. Lohn genug seien die bewundernden Blicke – und die interessanten Gespräche. Eines war einmal so angeregt gewesen, dass Gröne glatt vergessen hatte, das Feuer im Auge zu behalten. Fast wäre der Ofen buchstäblich aus gewesen. Doch freilich kennt der Holzwickeder inzwischen so manchen Trick, das Feuer im Handumdrehen wieder zum Lodern zu bringen.

Holzwickeder hegt und pflegt seine Miniaturausgabe einer englischen Rarirät

„Der Ölbehälter ist das Wichtigste an der Maschine“, sagt der Holzwickeder Herbert Gröne. © Freyth

So manchen Kniff, den hat Gröne übrigens längst auch bei der Pflege und Wartung seiner Dampfmaschine drauf. Und was er selbst nicht kann, dafür hat er so manchen Spezialisten in der Hinterhand. „Ich bin mittlerweile gut vernetzt“, erzählt der Holzwickeder von Kontakten quer durch Deutschland. Doch die meisten Arbeiten übernimmt er nach wie vor selbst. Stund‘ um Stund‘ hat er schon in seinem Schuppen seiner dampfenden Leidenschaft gefrönt. Aber nicht nur dort.

Auch im Wohnzimmer dampft es bei Herbert Gröne mitunter gehörig – und zwar aus Stuart-Bausätzen im Mini-Format. Mit viel Fingerspitzengefühl und mindestens genauso viel Geduld hat Gröne die zusammengesetzt. Wie lange er daran gesessen hat, das kann er heute nicht mehr sagen. Nur so viel: Das Ergebnis stimmt. Denn den Schlauch mit Pressluft daran angeschlossen, drehen sich die Walzen, dampfen die Rauchrohe wie bei den großen Vorbildern munter vor sich hin. „Bastelarbeiten waren schon immer meins, da kommt mir mein Beruf hobbymäßig sehr entgegen“, lacht Gröne, von dem schon als Zahntechniker viel Feingefühl gefordert war.

Holzwickeder hegt und pflegt seine Miniaturausgabe einer englischen Rarirät

Herbert Gröne füllt Öl in den Ölbehälter. Ein Muss vor jedem Betriebsantritt. © Marcel Drawe

Draußen hat es sich nun erst einmal ausgedampft. Die Foster-Dampfmaschine hat sich in den Winterschlaf verabschiedet, zu schlecht ist das Wetter in der dunklen Jahreszeit. „Regentropfen hinterlassen gleich Rostflecken“, sagt Gröne. Und die stünden seinem Schätzchen nicht unbedingt gut zu Gesicht. Der Ofen bleibt also erst einmal aus. Doch im nächsten Jahr, da will Herbert Gröne wieder unter Dampf stehen – genau wie seine Maschine.

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