Die Feuerwehr brauchte 40 Minuten, um den Eingeklemmten aus seinem Fahrzeug zu befreien. Bevor die Einsatzkräfte die Straße sperrten, waren einige Gaffer vor Ort. © Neumann
Unfall an der Schwerter Straße

Holzwickeder Ersthelfer appelliert: Lasst das Gaffen sein

Bei dem schweren Unfall am Sonntag gab es auch einige Autofahrer, die teils langsam an der Unfallstelle vorbeifuhren, den Verkehr blockierten, um einen Blick zu erhaschen.

Als Sonntag an der Schwerter Straße in Höhe des Jungholzwegs ein 32-jähriger Holzwickeder mit seinem Wagen verunglückte, zählten der Holzwickeder Fabian Grün und seine Frau zu den ersten Helfern an der Unfallstelle. „Leider gab es auch bei diesem Unfall wieder Gaffer“, beklagt er.

Beruflich ist Fabian Grün viel mit dem Auto unterwegs: „Ich fahre rund 60.000 Kilometer im Jahr.“ Dabei habe er schon etliche Unfälle gesehen, vor allem auf den Autobahnen. Kann er nicht helfen, hält er auch nicht an. „Gerade, wenn auf der entgegenkommenden Autobahnspur Unfälle sind, muss man sich zwingen, nicht hinzugucken“, sagt er. Der Holzwickeder kann die Mischung aus Reiz und Schock verstehen, die zum Gaffen verleitet. Trotzdem: Wer gaffend an einem Unfall vorbeifährt, wird unaufmerksam für seine eigene Verkehrssituation.

Bis Polizei und Feuerwehr am Unfallort eintrafen, warnte die Frau von Fabian Grün andere Verkehrsteilnehmer, während er und ein weiterer Helfer Kontakt zum Unfallopfer aufnahmen. „Ich habe versucht, den Kofferraum freizuräumen, für den Fall, dass die Rettungskräfte durch den Kofferraum zum Verletzten gelangen müssen. Ein weiterer Helfer habe sich unter das Auto gelegt, um mit dem eingeklemmten Holzwickeder zu sprechen.

Erst am späteren Nachmittag konnte die Fahrbahn geräumt werden. © Neumann © Neumann

Schnell waren etwa fünf Helfer an der Unfallstelle versammelt. „Einige weitere Autofahrer haben gefragt, ob sie noch helfen können, das ist ja auch ok“, sagt Grün. Andere seien aber auch einfach langsamer gefahren, um einen Blick auf das Unfallfahrzeug zu erhaschen. Darunter ein besonderes dreister Fahrer, der so langsam fuhr und hinter sich zwei Autos ausbremste, dass ihn einer der Helfer anbrüllen musste, um ihn wieder zur Vernunft zu bekommen. „Ob er denn noch ein Foto machen möchte, hat ein Kollege gefragt. Das hat mein Frau 100 Meter weiter weg noch gehört.“

„Es gibt doch auch Sachen, die will ich gar nicht sehen.“

Ersthelfer Fabian Grün

Fabian Grün war zwölf Jahre bei der Bundeswehr. „Ich bin da vielleicht etwas abgehärtet“, sagt er. Aber so, wie das Auto dort lag, gekippt und mit der Fahrerseite gegen den Baum geschleudert, hätte man von schlimmeren Verletzungen bis hin zum Tod des Fahrers ausgehen können. „Es gibt doch auch Sachen, die will ich gar nicht sehen“, so Grün.

Er habe nicht das erste Mal bei einem Unfall geholfen und sich dabei auch schon selbst in Gefahr gebracht. Hilfe anbieten, fragen, sei immer ok, so der Holzwickeder. Aber Gaffen eben nicht.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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