Ob bei der Ortsumgehung, dem Thema Digitalisierung oder der Diamorphinambulanz: Im Polit-Talk scheiden sich bei den Bürgermeisterkandidaten Holzwickedes die Geister.

Holzwickede

, 11.09.2020, 21:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Gemeinde Holzwickede ist im Wandel. Beim Klimaschutzkonzept haben die Parteien an einem Strang gezogen, im Live-Talk am Freitagabend auf Haus Opherdicke zeigt sich: Bei manchen Themen scheiden sich die Geister. Einig sind sich die vier Kandidaten um das Bürgermeisteramt nicht bei allen Themen und wissen es, sich Contra zu geben.

Der Durchstich am Bahnhof liegt allen Bürgermeisterkandidaten gleichermaßen am Herzen. Hier unterscheiden sich die Wünsche und Ziele kaum. Das Projekt soll geschafft werden. „Einen Plan B gibt es nicht“, sagt CDU-Kandidat Frank Lausmann. Stattdessen glauben alle vier Kandidaten fest daran, den Durchstich realisieren zu können.

Einher geht damit auch der Wunsch, den Bahnhof attraktiver zu gestalten und zu stärken. Das geplante Dach, so die amtierende Bürgermeisterin Ulrike Drossel (BBL), ist dabei auch ein wichtiger Schritt, den Bahnhof aufzuwerten.

Straßenverkehr als Streitpunkt

Sobald der Fokus auf den Straßenverkehr rückt, scheiden sich jedoch die Geister. Während Grünen-Kandidatin Susanne Werbinsky die Lösung einer Ortsumgehung immer noch anzweifelt und ein Gesamtkonzept für Holzwickede fordert, statt nur auf eine große Straße zu bauen, verteidigt Lausmann die Ortsumgehung vehement. „Ich wehre mich gegen die Lösung, Lkw-Verkehr durch die Wohngebiete zu schicken“, sagt der 49-Jährige. Stattdessen wolle man den Verkehr aus der Gemeinde herausführen.

SPD-Kandidat Peter Wehlack und Bürgermeisterin Ulrike Drossel schließen sich eher Werbinsky an. Die Belastung durch Mehrverkehr wäre bereits jetzt zu spüren, Lösungen müssten her. Sie blicken mit Sorge auf die Zukunft und streben ein Gesamtkonzept für die Gemeinde an. Den Verkehr laufen zu lassen, reiche nicht, vielmehr müsse er gelenkt werden durch den gezielten Ausbau bestimmter Straßen, so Werbinsky.

Grüne-Kandidatin Susanne Werbinsky forderte klare Vorschläge von der Führungsspitze. „Da muss eine Bürgermeisterin etwas sagen und Anregungen schaffen.“

Grüne-Kandidatin Susanne Werbinsky forderte klare Vorschläge von der Führungsspitze. „Da muss eine Bürgermeisterin etwas sagen und Anregungen schaffen.“ © Udo Hennes

Bessere Situation für Radfahrer

Für den Radverkehr in Holzwickede haben die Bürgermeisterkandidaten viele Visionen. Werbinsky will die Straßen, allen voran die Hauptstraße, für den Radverkehr interessanter machen. Wehlack zusammen mit dem Kreis Unna daran arbeiten, die Situation zu verbessern, aber Probleme wie an der Massener Straße auch lokal als Gemeinde angehen.

Bürgermeisterin Ulrike Drossel will Radstraßen ausbauen, mahnt aber auch, dass die Gemeinde über eine neue Straßennutzung nachdenken muss, weil sie mit der Radwegeplanung langsam am Ende dessen sei, was Recht und Gesetz zulassen.

Contra gibt hier vor allem CDU-Kandidat Lausmann. Er mahnt, den Autoverkehr nicht zu verteufeln. Die Gemeinde müsste mehr Fördergeld heranschaffen, um Projekte umzusetzen. Nur so ließen sich Visionen umsetzen.

„Einen Plan B gibt es nicht“, forderte CDU-Kandidat Frank Lausmann beim Thema Bahnhofs-Durchstich die Umsetzung.

„Einen Plan B gibt es nicht“, forderte CDU-Kandidat Frank Lausmann beim Thema Bahnhofs-Durchstich die Umsetzung. © Udo Hennes

Zusammenfinden können die Kandidaten allerdings wieder bei der Idee eines Bürgerbusses. Die Ortsteile zu verbinden, Hengsen und Opherdicke besser anzubinden, das wollen sie alle. Auch wenn Lausmann warnt, die Ehrenamtlichen in Holzwickede nicht zu überfordern, ist man sich einig: Den Versuch ist es wert.

Digitalisierung ja, aber in welcher Reihenfolge

Die wohl größten Debatten des Abends drehen sich indes um das Thema Digitalisierung. Während man sich einig ist, dass in Holzwickede nicht nur die Schulen, sondern auch die Verwaltung digitalisiert werden muss, sorgt vor allem die Priorisierung der Projekte für heftige Diskussionen.

„Das Thema hat große Wellen geschlagen“, sagte Bürgermeisterin Ulrike Drossel (BBL) zur möglichen Diamorphinambulanz in der Gemeinde.

„Das Thema hat große Wellen geschlagen“, sagte Bürgermeisterin Ulrike Drossel (BBL) zur möglichen Diamorphinambulanz in der Gemeinde. © Udo Hennes

Vor allem Peter Wehlack ärgert sich darüber, wie diese Projekte in Angriff genommen würden. „Es geht definitiv zu langsam“, sagt der 54-Jährige, der selbst Schulleiter an einer Schule in Kamen ist.

Drossel und Lausmann halten dagegen. „Es kommt das Notwendige vor dem Wünschenswerten“, sagt Lausmann und findet zu dem Thema passende Worte: Das Wohl der Kinder liege allen Parteien am Herzen, nur die Wege dorthin seien unterschiedlich.

Digitalisierung und neue Räume an den Schulen: Für SPD-Kandiat Peter Wehlack geht das momentan zu langsam voran.

Digitalisierung und neue Räume an den Schulen: Für SPD-Kandiat Peter Wehlack geht das momentan zu langsam voran. © Udo Hennes

Grüne-Kandidatin Susanne Werbinsky fordert klare Vorschläge von der Führungsspitze. „Da muss eine Bürgermeisterin etwas sagen und Anregungen schaffen.“ Wehlack empfindet ähnlich, sieht die Steuerung und Fokussierung als Aufgabe der Verwaltungsspitze.

Informationen kamen zu spät

Größtes Thema beim Schwerpunkt Wirtschaft und Wohnen ist die Diamorphinambulanz, die nach Holzwickede kommen soll. Hier wird es noch einmal emotional. SPD, Grüne und CDU werfen Bürgermeisterin Ulrike Drossel vor, zu wenig Fingerspitzengefühl gezeigt zu haben. Lausmann sei „persönlich enttäuscht“ über die fehlende Transparenz seitens der Amtsinhaberin.

Redakteur Christian Greis moderierte zwischen den Kandidaten im Spiegelsaal auf Haus Opherdicke.

Redakteur Christian Greis moderierte zwischen den Kandidaten im Spiegelsaal auf Haus Opherdicke. © Udo Hennes

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Drossel indes gibt zu, falsch reagiert zu haben. „Das Thema hat große Wellen geschlagen“, sagt sie. Die 64-Jährige bemühe sich nun, die Fehler auszubügeln und offene Fragen zu beantworten.

Die anderen Kandidaten bleiben verärgert. Man habe die Informationen so spät erhalten, dass man „keine Zeit mehr gehabt hat zu reagieren“, so Werbinsky. Die späten Informationen würden die Angst der Bürger schüren. Dass man da nun gegenhalten und für Aufklärung sorgen wolle, da hingegen kommen die vier Kandidaten wieder zusammen.

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