Saatkrähen sind laut und machen Dreck. Weil die Rabenvögel aber unter Artenschutz stehen, sind die Möglichkeiten gering, gegen sie vorzugehen. Ein paar Ideen hat die Verwaltung aber noch.

von Jennifer Freyth

Holzwickede

, 21.06.2019, 15:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie haben ein metallisch glänzendes Gefieder, einen unverwechselbaren schlanken Schnabel und sind den Holzwickedern ein Dorn im Auge: Saatkrähen. Denn die Rabenvögel machen mit ihren lauten Krah-Krah-Rufen nicht nur unglaublich viel Lärm, ihr Kot verunreinigt auch das gesamte Umfeld. An Plätzen mit viel Publikumsverkehr ist beides extrem lästig. Doch weil die Tiere unter Artenschutz stehen, sind der Gemeinde bei der Vergrämung die Hände gebunden. Das scheinen die Holzwickeder inzwischen akzeptiert zu haben, denn zuletzt ist es um das leidige Thema ruhiger geworden. Große Beschwerden sind der Umweltbeauftragten Tanja Flormann aktuell nicht bekannt. Erledigt hat sich das Thema für die Verwaltung deshalb aber nicht. Sie will jede noch so kleine Chance nutzen, um Konflikte im Zusammenleben von Mensch und Tier zu entschärfen. Trotz strikter Gesetzesvorgaben – ein paar Möglichkeiten im Kampf gegen Saatkrähen hat Holzwickede noch. Doch der Reihe nach.

Nicht überall ist eine Vergrämung gestattet

Die Saatkrähen sind seit eh und je ein leidiges Thema in der Emschergemeinde. In den vergangenen zehn Jahren gab es etliche Versuche, die tierischen Probleme in den Griff zu bekommen. So war Holzwickede sogar schon Thema bei einer Kleinen Anfrage im Landtag. Außerdem hat Holzwickede 2016 am Saatkrähengipfel teilgenommen – initiiert vom deutlich stärker Krähen geplagten Soest. Außerdem leistet die Gemeinde verstärkt Aufklärungsarbeit, indem sie im Internet sowie in Faltblättern über das Problem informiert; derzeit ist die Verwaltung damit beschäftigt, die Informationen zu überarbeiten.

Holzwickede will Saatkrähen nicht kampflos das Feld überlassen

2011 hat der Bauhof erstmals Nester aus den Bäumen am Markt entnommen. Die Vergrämung an diesem Standort ist nach wie vor genehmigt. © Privat

Zudem hat Holzwickede immer wieder artenschutzrechtliche Ausnahmeregelungen zur Vergrämung beantragt, zunächst auf dem Markt (seit 2011 bis heute), schließlich auch auf dem Spielplatz Emscherpark (seit 2015 bis heute). Einmalig durfte die Gemeinde die Tiere an der Kirchstraße vergrämen (2017). Nachdem es 2018 verstärkt Beschwerden gegeben hatte, beantragte die Verwaltung zusätzlich noch die Vergrämung an der Aloysisusschule, am Trinkwasserbrunnen an der Parkstraße sowie am Treffpunkt Villa. Doch das hat die Untere Naturschutzbehörde mit Hinweis auf die gesetzlichen Vorgaben abgelehnt.

Die Vergrämung am Markt und im Emscherpark hat in diesem Jahr allerdings nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. An beiden Standorten seien noch brütende Saatkrähen zu beobachten, schreibt die Verwaltung in einer Beschlussvorlage, mit der sich der Umweltausschuss am Montag, 24. Juni, in seiner Sitzung beschäftigt. Ohnehin löst die Vergrämung nicht das Krähenproblem, sondern verlagert es lediglich. Werden Nester entnommen, führe diese Auflösung einer Kolonie zur Neuansiedlung mehrerer Splitterkolonien und verstärke letztlich das Saatkrähenvorkommen. In Holzwickede aber sei die Saatkrähenpopulation im Gemeindegebiet auf dem Rückzug. Der Brutbestand in Holzwickede ist laut Unterer Naturschutzbehörde von 2017 auf 2018 um 18 Prozent gesunken (54 Brutpaare). Womöglich haben die Tiere andernorts ein nettes Brutplätzchen gefunden.

Sitzung am 24. Juni

Öffentlicher Umweltausschuss

Der Umweltausschuss kommt am Montag, 24. Juni, zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Beginn ist um 17.30 Uhr in der Mensa des Schulzentrums, Opherdicker Straße 44. Dann ist auch Peter Driesch, Leiter des Fachbereichs Natur und Umwelt, zu Gast.

Dennoch will die Gemeinde in ihren Bemühungen um die Saatkrähen nicht nachlassen. Sie schlägt vor, an den genehmigten Standorten Marktplatz und Spielplatz Emscherpark alte Nester schon im Herbst zu entnehmen. Darüber hinaus könnten jene Flächen, die stark durch Krähenkot verunreinigt sind, während der Brutzeit von Februar bis Juli zusätzlich gesäubert werden. Das sei zwar schon jetzt der Fall. Doch man müsste ausloten, ob der Baubetriebshof noch Kapazitäten hat, um diese Maßnahmen noch mehr zu verstärken, schreibt die Verwaltung in ihrer Vorlage für die Politik.

Holzwickede will Saatkrähen nicht kampflos das Feld überlassen

Das Entnehmen der Nester löst nicht das Krähenproblem, es verlagert es lediglich. © Foto: Bernd Paulitschke

Am Ende dürfte das aber wohl auch eine Frage des Geldes sein, genauso wie die Entnahme der Nester. „Wir müssen jedes Mal den Steiger bestellen und Personal bereitstellen, das sind alles Kosten“, sagt Flormann.

Ungeachtet dessen will die Verwaltung prüfen, ob sie mit der Wiederauflage des Krähengipfels zusammen mit anderen betroffenen Kommunen Druck auf den Gesetzgeber ausüben kann, um der Krähenplage besser Herr werden zu können.

Ist das Ende der Fahnenstange schon erreicht?

Für so viel Einsatz der Gemeindeverwaltung gibt es viel Lob von der CDU, die im Frühjahr ein Konzept zur Eindämmung der Krähenplage gefordert und damit das Thema im nächsten Umweltausschuss angestoßen hatte. „Wir müssen zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass es strenge Vorgaben gibt, denen wir uns beugen müssen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Markowski. In jedem Fall aber will er auf die von der Verwaltung vorgeschlagenen zusätzlichen Maßnahmen setzen. „Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben und sind zuversichtlich, dass man dadurch eine merkliche Verbesserung erzielen kann“, sagt Markowski. Darüber hinaus fordert er, die Nester wirklich bis „kurz vor knapp“ zu entnehmen; das, was möglich ist, auch „absolut auszureizen“. Sprich: bis zum letzten Tag, an dem der Gemeinde eine Vergrämung gestattet wird. „Die Tiere haben ja innerhalb von Stunden neue Nester gebaut“, weiß er.

Auf die Ausführungen von Peter Driesch ist er dennoch gespannt. Der Leiter des Fachbereichs Natur und Umwelt des Kreises ist am Montag zu Gast im Umweltausschuss und wird Stellung zur Sach- und Rechtslage beziehen. „Dann werden wir sehen, ob wir wirklich schon am Ende der Fahnenstange angekommen sind“, so Markowski.

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