Umlage-Schock: Holzwickede bezahlt provisorische KiTa in Bönen fast im Alleingang

dzHiobsbotschaft für die Gemeinde

Für Holzwickede ist es ein Schock. Die Gemeinde muss einen sechsstelligen Mehrbetrag schultern, damit in Bönen KiTa-Plätze geschaffen werden können. Kurios: Bönens eigener Beitrag ist minimal.

Holzwickede

, 19.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Ärger stand Bernd Kasischke ins Gesicht geschrieben. So sehr sogar, dass Torsten Göpfert sich offenbar zu einem klärenden Gespräch veranlasst sah. Unmittelbar nach dem Jugendhilfeausschuss am Montag suchte der Sozialdezernent des Kreises das Vier-Augen-Gespräch mit dem Beigeordneten.

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Kasischke hatte kurz zuvor eine Hiobsbotschaft zur Kenntnis nehmen müssen, die ihn offenbar wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat. Die Emscherquellgemeinde wird im kommenden Jahr nochmal deutlich mehr an den Kreis Unna überweisen müssen, als bislang angenommen. Ein zusätzlicher Betrag in sechsstelliger Höhe steht im Raum, den in der Gemeinde bislang offenbar niemand auf der Rechnung hatte. „Das war doch absehbar, oder nicht?“, fragte der deutlich verärgerte Beigeordnete im Ausschuss. Zumal: „Wir kämpfen gerade schon mit einem Fehlbetrag einer knappen Million.“

Umlage-Schock: Holzwickede bezahlt provisorische KiTa in Bönen fast im Alleingang

Torsten Göpfert, Sozialdezernent des Kreises Unna, suchte direkt nach dem Ausschuss das Gespräch mit dem Holzwickeder Beigeordneten Bernd Kasischke © Udo Hennes

Besagte Hiobsbotschaft versteckte sich in der differenzierten Kreisumlage. Die zahlt die Gemeinde Holzwickede genau wie die Gemeinde Bönen und die Stadt Fröndenberg zusätzlich zur allgemeinen Kreisumlage für die Aufgaben der Jugendhilfe. Vereinfacht gesagt: Der Kreis Unna übernimmt diese Aufgaben für die drei Kommunen und stellt ihnen die Kosten dafür über die differenzierte Kreisumlage in Rechnung.

„Ich weiß, wie belastend schon das für die kommunalen Haushalte ist.“
Torsten Göpfert, Dezernent des Kreises Unna

Schon im Haushaltsentwurf des Kreises für 2020 steigt die Zahllast der drei Kommunen für die differenzierte Kreisumlage um 4,19 Prozent auf dann 21,209 Millionen Euro deutlich an. „Ich weiß, wie belastend schon das für die kommunalen Haushalte ist“, leitete Göpfert am Montag das ein, was Kasischke dann wie der sprichwörtliche Blitz traf. „Da steckt aber noch gar nicht alles drin.“

Hiobsbotschaft: 355.000 Euro zusätzlich für differenzierte Kreisumlage

Ein wenige Minuten zuvor in derselben Ausschusssitzung gefasster, 275.000 Euro schwerer Beschluss für eine vierzügige Kindertageseinrichtung in Bönen zum Beispiel – ein Provisorium, das den Bedarf an fehlenden Betreuungsplätzen in Bönen decken soll, bis der Bau einer zusätzlichen Kindertageseinrichtung unter Dach und Fach ist. Mit weiteren, kleineren Effekten summiert sich die zusätzliche Mehrbelastung auf rund 355.000 Euro, womit die Zahllast für die differenzierte Kreisumlage höchstwahrscheinlich auf dann 21,564 Millionen Euro steigt. Nachkommastellen, die es bei kleinen Haushalten wie in Holzwickede aber in sich haben.

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Schlimmer noch wiegt aber die Tatsache, dass die Gemeinde Holzwickede von allen drei Kommunen die stärkste Last zu tragen hat. Schon nach bisheriger Planung hätte Holzwickede allein für die differenzierte Kreisumlage 2020 rund 7,417 Millionen Euro an den Kreis Unna überweisen müssen – fast 820.000 Euro mehr als noch im laufenden Jahr 2019. Zur Einordnung: Bönen und Fröndenberg häten nach alter Rechnung zusammen nur ein Plus von knapp 33.400 Euro schlucken müssen. Wohl gemerkt: Die neuen 355.000 Euro sind in dieser Rechnung noch gar nicht eingepreist. Holzwickede wird auch hier mit deutlich über 90 Prozent den größten Anteil tragen müssen, obwohl die Gemeinde zum Beispiel mit der Kinderbetreuung in Bönen an sich ja gar nichts zu schaffen hat.

Für den Laien klingt das freilich nach einer schallenden Ungerechtigkeit. Das vermeintliche Ungleichgewicht ist aber systembedingt. Für die Berechnung der Umlage wird nämlich immer auch die Habenseite herangezogen. Die Kämmerer sprechen von den sogenannten Umlagegrundlagen, gemeint sind Steuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen.

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Und diese Zahlen entwickeln sich für die Gemeinde Holzwickede eben deutlich erfreulicher als für andere Kommunen im Kreis Unna. Nach knapp 26,953 Millionen Euro im laufenden auf voraussichtlich 31,503 Millionen Euro im Jahr 2020. Für die Gemeinde Segen und Fluch zugleich; deshalb muss sie nämlich entsprechend große Sprünge bei den Umlagen verkraften.

Kreis Unna verlangt in Summe über 2,7 Millionen Euro mehr

Die bisherige Rechnung von Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke geht von einem Plus von 1,552 Millionen Euro bei der allgemeinen Kreisumlage aus. Die differenzierte Kreisumlage mit den neuen Effekten hinzugerechnet, wird die Gemeinde Holzwickede im kommenden Jahr summa summarum über 2,7 Millionen Euro mehr an den Kreis Unna abführen als im Jahr 2019. Und das ist für Bernd Kasischke und die gesamte Gemeinde im wahrsten Sinne eine Hiobsbotschaft. Denn das konterkariert alle Sparbemühungen in der Emscherquellgemeinde.

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