Holzwickeder Ansichtskarten aus der Kaiserzeit verbergen manche Details, die nur eine Lupe oder der Zoom auf dem Bildschirm sichtbar machen. Ortshistoriker Andreas Heidemann wird dann zum Detektiv.

Holzwickede

, 11.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ferienzeit – Zeit der Ansichtskarten. Noch ist der Kartengruß nicht ganz aus der Mode gekommen. Auch 2019 kann man noch farbenfrohe „Grüße aus Holzwickede“ mit Bildchen von Rathaus, Emscherquellhof und Haus Opherdicke mit der Post verschicken.

Ansichtskarten von Holzwickede bergen einige Geheimnisse

Etwas Nostalgisches haben die Bildpostkarten heute ja schon. Bei Andreas Heidemann haben Ansichtskarten vor allem etwas Historisches. Und das kann auf den zweiten Blick sehr spannend sein. Denn die Karten bergen so manches Geheimnis.

„Es ist spannend, was man da alles herausholen kann, wenn man ins Detail geht“, sagt der Vorsitzende des Historischen Vereins.

Holzwickedes Postgeheimnis – wenn ein Historiker zum Detektiv und Jäger im Internet wird

Feldpost der Soldaten, die in Holzwickede Station gemacht haben, zeigen sehr häufig den Bahnhof. © Historischer Verein Holzwickede

Im Archiv des Vereins lagern unzählige schwarz-weiße, kolorierte, manchmal etwas stockfleckige und meistens nur mit einem knappen Gruß in Sütterlin beschriebene Pappkärtchen: Ansichtskarten, die zu Kaisers Zeiten in Holzwickede in die Post gegeben wurden.

Auffallend viele Feldpostkarten aus den Jahren zwischen 1914 und 1918 sind darunter. Was daran liegt, dass im Ersten Weltkrieg Truppentransporte an die Westfront oft am Bahnhof Holzwickede haltmachten. Die Soldaten schickten dann oft schnell eine Postkarte in die Heimat – die fast immer dasselbe Holzwickeder Motiv hatte, weil sie vermutlich am Bahnhof gekauft wurde.

»Hinter jeder Postkarte steckt ein Fotograf, der den Auftrag hatte, das Motiv möglichst gut abzubilden.«
Andreas Heidemann

„Die Feldpost ist tatsächlich der Grund dafür, warum es heute so viele überlieferte Bahnhofspostkarten aus Holzwickede gibt“, weiß Andreas Heidemann.

Für den Vorsitzenden des Historischen Vereins sind diese gängigen Motive daher fast langweilig, weil sie nichts Unbekanntes über den Ort preisgeben. Richtig spannend wird das Holzwickeder Postgeheimnis, wenn Heidemann eine seltene historische Ansicht erwirbt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Historische Ansichtskarten aus Holzwickede

Der Historische Verein archiviert historische Bildpostkarten aus Holzwickede. Sie sind ein Zeitzeugnis und enthüllen viele unbekannte Details der Ortsgeschichte.
11.08.2019
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Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte 1915© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte 1915© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Stempel Vergrößerung Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Absichtskarte© Historischer Verein Holzwickede
Historischer Verein Holzwickede© Historischer Verein Holzwickede
Ansichtskarte© Historischer Verein Holzwickede

Denn Ansichtskarten sind von unschätzbarem Wert, um der Ortshistorie näher auf den Grund zu gehen. Aus den historischen Bildern von Gebäuden, Straßen und Plätzen Holzwickedes kann Andreas Heidemann zum Beispiel ablesen, wann es wo welche baulichen Veränderungen in der Gemeinde gegeben hat.

Holzwickedes Postgeheimnis – wenn ein Historiker zum Detektiv und Jäger im Internet wird

Dieser Gruß aus Holzwickede ist möglicherweise vor dem Bau des Rathauses gedruckt worden. Denn als wichtiges Gebäude wäre es ansonsten bei einer Mehrbildkarte vermutlich abgebildet worden. © Historischer Verein Holzwickede

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„Hinter jeder Postkarte steckt ein Fotograf, der den Auftrag hatte, das Motiv möglichst gut abzubilden“, sagt Andreas Heidemann. Eben diese Exaktheit können private Fotografien aus der Zeit des Kaiserreichs nicht bieten, außerdem sind sie eher selten zu bekommen.

Andreas Heidemann betrachtet eine Postkarte, die die damalige Sedanstraße um 1900 zeigt. Drei kleine Mädchen sind in der Straßenmitte zu sehen, die offenbar genau in Richtung des Fotografen blicken. „Wahrscheinlich hat der Fotograf sie nicht aufgefordert, sich dort hinzustellen“, vermutet Andreas Heidemann, „die Kinder waren wohl neugierig, was der Mann da macht.“

Holzwickedes Postgeheimnis – wenn ein Historiker zum Detektiv und Jäger im Internet wird

Eine Ansichtskarte von Holzwickede zeigt auch die damalige Zeche Caroline. © Historischer Verein Holzwickede

Solche und ähnliche Alltagsszenen, ob aus der Sedanstraße, Alleestraße, Kaiserstraße oder Hohenzollernstraße, zoomt Andreas Heidemann am Rechner mehrfach vergrößert heran. „Wir sehen heute auf der Karte: Welche Kleidung haben die Kinder getragen, welchen Straßenbelag gab es um 1900 in Holzwickede“, erzählt Heidemann.

Er kommt auch dem auf die Spur, was einmal war und was nicht mehr ist. Auf einer Ansicht ist der alte Hilgenbaum noch mit Blättern abgebildet – Ende des 19. Jahrhunderts brannte er nieder.

»Deswegen bin ich überhaupt erst zum Historischen Verein gekommen.«
Birgit Skupch

Faszinierend ist, wie detektivisch Andreas Heidemann beim Betrachten der Postkarten vorgeht. Das Kriegerdenkmal mit Tannenschonung im Hintergrund? „Das kann ja dichterische Freiheit sein, aber vermutlich ist diese Ansichtskarte vor dem Umsetzen des Denkmals vor das Rathaus entstanden“, schätzt Andreas Heidemann.

Die historischen Aufnahmen sind ein Zeitzeugnis für den Wandel in der Gemeinde. Das fasziniert auch Birgit Skupch. „Deswegen bin ich überhaupt zum Historischen Verein gekommen“, sagt sie. In einer Holzwickeder Facebook-Gruppe wurden öfter alte Ansichten Holzwickedes gepostet. Birgit Skupch wollte mehr über Alt-Holzwickede erfahren.

Heute hilft sie beim fein säuberlichen Archivieren der Ansichtskarten und Fotos, die ein Blatt mit Ort und Datum der Aufnahme sowie der Herkunft des Stückes erhalten.

Zur Sache

Historischer Verein sammelt archivalien

  • Historische Ansichtskarten oder Fotos, Urkunden und andere Dokumente von oder aus Holzwickede nimmt der Historische Verein gern an.
  • Es muss nicht das Original sein, ein digitaler Abzug reicht aus.
  • Der Historische Verein stellt das digitale Archiv seinen Mitgliedern zu Forschungszwecken zur Verfügung.
  • Der Zugang kann bei privatem Interesse beim Verein erfragt werden; bei der Verwendung müssen aber Urheberrechte beachtet werden.
  • Kontakt zum Historischen Verein unter Tel. (0 23 01) 47 41 (Birgit Skupch) oder per E-Mail an info@geschichtswerkstatt-holzwickede.de

Karten, die dem Verein überlassen werden, scannt Andreas Heidemann in hoher Auflösung ein. Eine Feldpost-Kollektion von Dr. Edo-Meino Eden und die Sammlung Dietze von Klaus Krone machen einen bedeutenden Teil des digitalen Postkarten-Archivs des Historischen Vereins aus.

Bei einer Totalen von Holzwickede war der Standort des Fotografen nicht eindeutig. „Die Ansicht habe ich am Bildschirm ausgemessen, um zu klären, von wo das aufgenommen wurde“, verrät Andreas Heidemann. Jetzt ist er sich ziemlich sicher: Es muss wohl auf der Rausinger Straße gewesen sein, dort wo heute der Parkplatz von Wiederholt ist.

Holzwickedes Postgeheimnis – wenn ein Historiker zum Detektiv und Jäger im Internet wird

Am Bildschirm zeigen die vergrößerten Ansichtskarten Andreas Heidemann viele heute verschwundene Details von Holzwickede. © Marcus Land

Bevor Andreas Heidemann zum Detektiv wird, ist er oft Jäger im Internet. Denn für historische Ansichtskarten gibt es wie für Briefmarken einen eigenen Sammlermarkt. Bei Versteigerungen zieht Heidemann oft den Kürzeren, weil nicht selten hohe zweistellige, manchmal dreistellige Beträge geboten werden.

Sein detektivischer Spürsinn spielte ihm einmal allerdings auch einen Streich: Im Internet hatte er eine alte Fotokarte erworben, die vermeintlich die SGV-Wandergruppe vor einem Tor von Haus Opherdicke zeigte.

Als er die Karte zuhause unter die Lupe nahm, konnte er eine solches Tor bei Haus Opherdicke nicht ausmachen. Tatsächlich entzifferte er die beiden Worte in Sütterlin auf der Rückseite der Karte schließlich als den Namen eines der abgebildeten Wandersleute: Hans Obderberke.

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