Neuer Gemeinderat: Hinter blanken Zahlen liegen Freud und Leid eng beisammen

dzKommunalwahl 2020

Sieben Wahlbezirke für die CDU, sechs für die SPD, drei für den Bürgerblock – so ein Ergebnis gab es noch nie in Holzwickede. Dahinter stehen Menschen, die überrascht von ihrem Abschneiden sind – positiv wie negativ.

Holzwickede

, 17.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor sechs Jahren zog Jonas Beckmann als jüngster Bewerber noch knapp in den Rat der Gemeinde ein, setzte sich damals im Wahlbezirk Aloysiusschule mit 31 Prozent knapp gegen Roland Schüttfort durch, der auf 30 Prozent der Stimmen im Wahlbezirk kam.

Bei den Wahlen am Sonntag musste sich der heute 26-Jährige aber klar geschlagen geben. 27 Prozent der Anwohner im Bezirk rund um das Perthes-Haus schenkten Peter Schramm (BBL) das Vertrauen. Bei Beckmann muss man die Nachkommastellen berücksichtigen, um zu sehen, dass er mit 20,07 Prozent fast noch von CDU-Frau Clodt (19,52 Prozent) eingeholt wurde.

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Gemeinderat

Bürgermeister nehmen den letzten Stuhl ein

  • 32 Mitglieder umfasst Holzwickedes neuer Gemeinderat derzeit.
  • Wenn der neue Rat im November seine Arbeit aufnimmt, werden es 33 sein. Einen Platz nehmen die Bürgermeister der jeweiligen Kommunen ein.
  • Der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin sind dabei fraktionslos und nehmen eine neutrale Position ein.
  • Da Peter Wehlack auch für den Gemeinderat kandidierte und über die Reserveliste in den Rat eingezogen ist, würde er bei einer Wahl zum Bürgermeister seinen Sitz für die SPD für einen Nachrücker freimachen. Nach Listenplatz wäre das Jonas Beckmann.

Für den Noch-Ratsherr, der zudem sehr engagiert den SPD-Wahlkampf mitorganisiert hat, ist die Abwahl natürlich eine Enttäuschung. Einige Tage nach dem Wahlsonntag sagt Jonas Beckmann aber auch: „Ich habe mich sechs Jahre eingebracht, nun ist es so. Deswegen ist die Sonne am Montag trotzdem wieder aufgegangen.“

Dass er als Nachrücker auf der Reserveliste noch in den Rat rutschen könnte, sollte sich SPD-Bürgermeisterkandidat Peter Wehlack in der Stichwahl am 27. September gegen Amtsinhaberin Ulrike Drossel (BBL) durchsetzen, ist für ihn momentan kein Thema. „Frau Drossel hat fünf Jahre lang ihre Arbeit gemacht. Aber wir glauben, dass wir den besseren Kandidaten für das Bürgermeisteramt haben und dafür kämpfen wir. Und nicht um irgendwelche Listenplätze“, sagt Beckmann.

Neuer Gemeinderat: Hinter blanken Zahlen liegen Freud und Leid eng beisammen

© Greis

„Ich habe mich sechs Jahre eingebracht, nun ist es so. Deswegen ist die Sonne am Montag trotzdem wieder aufgegangen.“
Jonas Beckmann, SPD

Für den Einzug in den Gemeinderat hat es für die 19-jährige Anna Rahimi von den Grünen zwar auch nicht gereicht, dennoch herrscht bei ihr statt Enttäuschung vor allem Freude. Zwar setzte sich in ihrem Wahlbezirk rund um das Haarstudio Engel letztlich Heike Bartmann-Scherding (SPD) souverän mit 31 Prozent als Direktkandidatin durch. Dahinter folgt aber nur knapp hinter dem gestandenen CDU-Vertreter Jan-Eike Kersting (23 Prozent) die junge Grünen-Vertreterin mit beachtlichen 20 Prozent.

„Das Ergebnis ist für mich überwältigend. Damit hatte ich nicht gerechnet, zumal der Bezirk bei den Wahlen 2014 nicht wirklich ein grüner war“, sagt Rahimi. Ihr Abschneiden ist für sie positives Feedback, sich weiter in der lokalen Politik einzubringen. „Ich muss zwar schauen, wie sich mein Studium entwickelt, aber ich plane in nächster Zeit jedenfalls nicht, mit der Politik aufzuhören“, so die Studierende der Politikwissenschaften.

Neuer Gemeinderat: Hinter blanken Zahlen liegen Freud und Leid eng beisammen

© Krehl

„Das Ergebnis ist für mich überwältigend. Damit hatte ich nicht gerechnet, zumal der Bezirk bei den Wahlen 2014 nicht wirklich ein grüner war.“
Anna Rahimi, Grüne

Auch wenn es nicht für einen Direktsieg gereicht hat, sind die Grünen mit ihren fünf Sitzen im Rat und dem Abschneiden allgemein zufrieden. Knapp 16 Prozent aller Holzwickeder Wählerstimmen waren grün – für den Ortsverband ein Rekordergebnis.

Dass die Zeiten vorbei sind, in denen die SPD eine Sieg-Garantie in den meisten Wahlbezirken hatte, zeigen nicht nur die sieben und drei Direktmandate für CDU und BBL. Es gibt viele Wahlbezirke, in denen die SPD vergleichsweise schwach abschnitt und neben der CDU eben auch Grüne und BBL ihre Stärken beweisen konnten.

So lagen beispielsweise im Bezirk Dudenrothschule mit Manfred Matysik (24 Prozent), Andreas Richwin (25), Barbara Schriek (21) und Friedhelm Klemp (21) die Vertreter von Rot, Schwarz, Orange und Grün fast gleichauf. Die Anwohner dieses Wahlbezirks dürfen sich künftig im Rat repräsentiert wissen: Neben Direktwahlsieger Richwin ist auch das schwarz-orange-grüne Trio über die jeweilige Partei-Liste in den Rat gerutscht.

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