Die Auflagen für die Ausgabe sind so hoch, dass Diamorphin nur in speziellen Ambulanzen zu bekommen ist. In Holzwickede soll der deutschlandweit 13. Standort einer solchen Praxis entstehen. © picture-alliance/ dpa
Diamorphinambulanz

Heroin-Praxis: Anwohnerin will mit pikantem Foto etwas beweisen

Der Unmut über die Diamorphinambulanz im Holzwickeder Norden bleibt groß. Eine Anwohnerin wendet sich nun mit einem Vorfall an die Öffentlichkeit, der sich vor ihrer Haustür abgespielt hat.

„Leider muss ich sagen, dass unsere Wohnqualität dermaßen abgenommen hat, dass wenn es so weiter geht man über einen Hausverkauf nachdenken sollte“, sagt eine Anwohnerin der Nordstraße, die sich kritisch über die Diamorphinambulanz im Holzwickeder Norden äußert und lieber anonym bleiben möchte.

Die Anwohnerin schickt aber vorweg: „Eines ist klar. Den Menschen muss geholfen werden“, sagt sie, will mit ihren Ausführungen ausdrücklich keine Vorurteile schüren. Trotzdem, so findet sie, müsse auch die Sichtweise der Anwohner zur Kenntnis genommen werden.

Sie will mit einem Irrtum aufräumen, den es ihrer Meinung nach in der Diskussion seit Eröffnung der Praxis, die Drogenabhängige mit medizinischem Heroin versorgt, gibt. Anders als Dr. Christian Plattner aus dem Leitungsteam der Praxis immer wieder beteuert hat, handele es sich bei den unangenehmen Zwischenfällen keineswegs um Einzelfälle.

Kein schöner Anblick: Auf der Nordstraße scheint sich eine vermeintliche Patientin der Diamorphinambulanz auf offener Straße zu übergeben. © Privat © Privat

Offensichtlich berauschte Menschen, die die Nordstraße Richtung Bahnhof entlang laufen, fallen immer wieder unangenehm auf. Bisher reichen die Berichte von Betteleien über mutmaßliche Diebstähle bis hin zu Wildpinkeleien.

Einer der Negativ-Höhepunkte aus Sicht der Anwohnerin war ein Vorfall, den sie auf einem Foto festgehalten hat. Eine Frau und ein Mann, die ihrer Auffassung nach ziemlich sicher zum Klientenstamm der Praxis gehören, stehen vor einem Wohnhaus. Der Mann nutzt eine Mauer der Grundstückseinfahrt, um ein Formular auszufüllen. Die Frau hockt am Boden und steckt sich offenbar einen Finger in den Hals.

„Das muss eine Gesellschaft ertragen“

Ihr Vorwurf lautet: Die Versprechen, die seitens der Praxis gegeben wurden, wurden gebrochen. Zuletzt war von mehreren Maßnahmen die Rede, die die Praxis umsetzen wolle, damit sich die Situation vor Ort entschärft.

Aus Sicht der Praxis ist die Situation hingegen unverändert: „Ich weiß ja nie, was die Leute sich vorstellen. Egal in welcher Stadt ich unterwegs bin, sehe ich immer auch Menschen, die etwas anders aussehen als andere. Das muss eine Gesellschaft ertragen können“, findet Martina Harbrink-Schlegel aus der Praxis-Leitung.

Sie arbeite schon länger beispielsweise in einer ähnlichen Praxis in Iserlohn mit Drogenpatienten zusammen. Dort sei die Situation grundsätzlich ähnlich. So angespannt wie in Holzwickede sei das Verhältnis zu den Anwohnern im Märkischen Kreis aber nicht. „Ich gehe also einfach meiner Arbeit nach, helfe den Menschen und sehe das persönlich alles eher entspannt“, sagt sie.

Eine Lösung des Problems gestaltet sich jedenfalls nach mehr als einem halben Jahr des Betriebs schwierig: Die Patienten haben vor Ort inzwischen die Möglichkeiten, nach der Behandlung noch in der Praxis zu verweilen. Festhalten kann ein Arzt seine Patienten gegen ihren Willen allerdings nicht.

Die Kapazitäten zum Verweilen sollen bald aber noch größer werden: Die über der Praxis liegenden Geschäftsräume sind nach Kenntnis dieser Redaktion frei geworden. Wie Harbrink-Schlegel erklärt, gibt es Bestrebungen dort noch weitere Aufenthaltsräume zu schaffen – in der Hoffnung, dass sich die Situation im Holzwickeder Norden dadurch entspannt.

Klar ist: Die Patienten brauchen Hilfe, müssen behandelt werden. Die Berichte der Anwohner häufen sich. Klar ist aber auch: Die Kritiker können sich nicht in jedem Fall sicher sein, dass es sich tatsächlich um einen Patienten der Praxis handelt.

Außerdem gab es in der Vergangenheit auch aus dem Praxis-Team Vorwürfe. Sie unterstellten manchen Kritikern eine grundsätzlich feindselige Einstellung den Patienten gegenüber. So habe sich zum Beispiel ein Anwohner direkt bei der Praxis beschwert und ausschließlich den Kleidungsstil eines vermeintlichen Patienten kritisiert. Der neutrale Beobachter merkt: Der Sachverhalt ist kompliziert. Die Wahrheit ist nicht schwarz oder weiß, sondern eher grau.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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