Zwei Sichtweisen, eine Entscheidung: Anwohnerin muss ein Drittel ihrer Hecke entfernen

dzEinwand eines Bürgers

50 Jahre hat es niemanden gekümmert, nun ist es einem Bürger aufgefallen: An der Böckmannstraße ist eine Hecke zu füllig. Sie muss gekürzt werden. In der Nachbarschaft stößt das auf Unverständnis.

Holzwickede

, 20.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 50 Jahren wächst eine Hainbuchenhecke an der Böckmannstraße ungestört vor sich hin. Sie steht auf dem Grundstück einer 83-jährigen Dame. Seit einigen Jahren kümmert sich in Marcus Weiche ein Nachbar um das Gewächs. „Zwei Mal im Jahr schneide ich die Hecke zurecht. Bislang gab es da nie Probleme“, sagt Weiche.

„Bislang“ endete vor einigen Wochen, als die Nachbarin auf Marcus Weiche zukam und ihm berichtete, dass sie Post von der Gemeinde bekommen habe, mit der Aufforderung, ihre Hecke zurückzuschneiden. „Da hat jemand die Dame bei der Gemeinde angezeigt. Mit der Begründung, dass die Hecke über das Schrammbord ragt“, sagt Weiche.

Schmaler Streifen zwischen Straße und Grundstück muss frei sein

Das sogenannte Schrammbord ist in dem Fall ein etwa bierkastenbreiter Streifen, der Straße und Grundstück trennt. Es ist kein Gehweg, der liegt auf der anderen Straßenseite. Ein Rollstuhl oder Kinderwagen könnten hier gar nicht bewegt werden – ob mit oder ohne Hecke. Das Schrammbord gehört aber zum öffentlichen Verkehrsraum.

„Wir werden da von uns aus nicht tätig. Das ist so lange unproblematisch, bis eben jemand eine Eingabe macht. Dann sind wir verpflichtet, zu handeln“, sagt Torsten Doennges, stellvertretender Fachbereichsleiter für Ordnung, Bürgerservice und Soziales bei der Gemeinde.

Marcus Weiche weiß nicht, wer seine Nachbarin bei der Gemeinde gemeldet hat. Er versteht es aber nicht. „Ich würde es ja verstehen, wenn die Hecke auf die Straße ragt. Lkw oder die Müllabfuhr dadurch behindert oder parkende Autos zerkratzt werden. Das ist aber nicht der Fall.“ Er könne es zwar nur vermuten, aber dass ein Holzwickeder möglicherweise mit dem Rad unterwegs ist und es ganz genau nimmt, regt ihn auf.

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„Wir reden von Natur und Nachhaltigkeit und hier muss ich eine gesunde Hecke verstümmeln“, sagt Weiche. Auflage der Gemeinde ist, gut ein Drittel der Hecke wegzunehmen, damit sie bündig mit der Grundstücksgrenze abschließt. Dafür muss der Holzwickeder fast bis ans Holz zurückschneiden. Seine Befürchtung ist, dass sich die Hecke davon nicht erholt.

„Dann müssen wir sie nächstes Jahr rausnehmen. Und dann? Setzen wir eine Steinmauer? Das kann es ja nicht sein“, sagt Weiche. Torsten Doennges indes glaubt, dass die Hainbuchenhecke den Schnitt verkraftet. „Wäre es eine Konifere sehe das vielleicht anders aus. Aber die Hecke verkraftet das und wird ziemlich sicher wieder ausschlagen“, sagt Doennges. Weiche zweifelt an der botanischen Expertise des Verwaltungsfachmannes.

Alte Hecke im Herbst besser nicht zu stark zurückschneiden

Diverse Gartenbauforen im Internet sehen grundsätzlich kein Problem mit einem massiven Rückschnitt, raten dazu aber eher im Frühjahr. Ältere Hecken sollten indes nicht im Herbst zurückgeschnitten werden. Das wird Marcus Weiche auf Anordnung nun aber tun. „Ich habe ja keine Alternative, aber ich will darauf aufmerksam machen, wie sinnfrei es ist, etwas Gesundes kaputt zu schneiden, nur weil es hier jemand sehr genau nimmt und man in der sogenannten Emscherquellgemeinde nur schwarz oder weiß kennt“, sagt Weiche.

„Wer sich bei uns mit einem Einwand meldet und im Recht ist, den dürfen wir nicht ignorieren. Ich kann Herrn Weiches Argumente verstehen, aber auch für eine 50 Jahre alte Hecke gibt es am Ende kein Gewohnheitsrecht“, sagt Torsten Doennges. Bis Ende des Monats muss die Hecke an der Böckmannstraße nun entsprechend geschnitten werden.

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