Eine Hecke an der Böckmannstraße bewegt die Gemüter. Eine Anwohnerin soll ihre Hecke auf Geheiß der Gemeindeverwaltung beschneiden. Ob das nötig ist oder nicht – darüber gehen die Meinungen auseinander.

Holzwickede

, 21.10.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Aussage von Marcus Weiche durfte die Hainbuchenhecke auf dem Grundstück einer älteren Nachbarin seit Jahrzehnten ungestört wachsen. Weiche pflegt das Gewächs seit Jahren für die 83-jährige Dame.

Dass er die Hecke nun nach einer eingegangenen Beschwerde bei der Gemeinde um ein Drittel kürzen soll, empfindet er als sinnlose Aktion, da die Hecke lediglich über ein schmales Schrammbord wächst, das für ihn keinerlei Nutzen hat.

Heckenschnitt beruht formell auf einem berechtigten Einwand

Dennoch liegt das Schrammbord auf einer öffentlichen Fläche, die rechtlich betrachtet der Allgemeinheit zum Gebrauch zur Verfügung stehen muss und nicht gesondert genutzt werden darf. Der Einwand eines Bürgers ist deshalb berechtigt – ob die Hecke nun über Jahre unbemerkt blieb oder nicht.

Dennoch gehen die Meinungen zum Fall auseinander. Im sozialen Netzwerk Facebook haben Nutzer nach Veröffentlichung des Artikels lebhaft über das Für und Wider diskutiert.

Ingolf Griese: „Da kann doch nicht jeder machen, was man will. Alles im Rahmen des Dürfens.“

Silke Krüger: „Richtig so, da wird Gemeinwesen vereinnahmt. Das weiß doch ein jeder selber. Da ist es egal, wann es anderen auffällt. Das hat da nicht zu wachsen.“

Stefan Goetz: „Wenn es 50 Jahre niemanden gestört hat und auch jetzt nicht behindert und man von einer Veränderung auch keinen Vorteil hat, und es auch so gewünscht und gewollt ist, kann man es auch so lassen wie es ist!“

Simi Mone:Also echt, so eine Erbsenzählerei. Da latscht keiner her. Ist mal wieder typisch deutsch.“

Sibylle Weber: „Jemand macht (unabsichtlich) etwas falsch – aber die anderen sind die Bösen. Man könnte auch sagen: ‚Sorry, hab‘ ich nicht dran gedacht. Ich bringe es in Ordnung.‘ Stattdessen bringt man es in die Zeitung... ist das typisch deutsch?“

Cornelis Schäfer: „Die Hecke ragt ja bis auf die Straße. Klar, dass die zurückgeschnitten werden muss. Und der schmale Gehweg ist auch zugewuchert. Endlich hat es mal jemand zur Sprache gebracht!“

Ursula Preuß: „Bis zur Grundstücksgrenze. Muss eigentlich jeder Gartenbesitzer wissen... Schade nur, dass es so spät aufgefallen ist. Nun wird erst mal nur blattfreies Gehölz zur Straße zeigen.“

Bürger ein Mal im Jahr über das Ortsrecht informieren

Ein Vorschlag, wie man Grundstücksbesitzer künftig in regelmäßigen Abständen auf den richtigen Umgang mit der Problematik aufmerksam macht, kommt vom Holzwickeder Dieter Ewerth. „Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, dass Grundstücksgrenzen eingehalten werden. Auch beim Heckenwuchs. Sowohl auf privaten als auch auf gemeindlichen Grundstücken“, meldete sich Ewerth zu Wochenbeginn bei dieser Redaktion.

In Holzwickede sei das aber an vielen Stellen nicht der Fall und auch schon Thema im Umweltausschuss gewesen. „Die nachbarschaftliche Ansprache ist da oft zwecklos“, sieht es Ewerth als legitim, wenn die Gemeinde auf die Möglichkeit einer offiziellen Eingabe verweist.

„Ich habe der Bürgermeisterin bei Stammtischgesprächen vorgeschlagen, den jährlichen Grundsteuerbescheiden einen Hinweis auf das diesbezügliche Ortsrecht beizufügen“, sagt Ewerth. So könne man die Bürger kostengünstig regelmäßig informieren.

Heckenwuchs im öffentlichen Raum sorgt für Grundsatzdiskussion

Ein Beispiel für Heckenwuchs in den öffentlichen Raum hinein findet sich auch am Kiefernweg. © Marcel Drawe

Beigeordneter will im Fall der Hecke auf Betroffene zugehen

Kontrollen und Einwände

Die Hecke und der öffentliche Raum

  • Jeder Bürger hat die Möglichkeit, bei der Gemeindeverwaltung einen entsprechenden Einwand geltend zu machen, wenn Pflanzen den öffentlichen Raum beeinträchtigen.
  • Sind Sicherheit und Ordnung direkt gefährdet, beispielsweise in Kreuzungsbereichen, greift die Gemeinde auch von sich aus ein. Mitarbeiter des Baubetriebshofes prüfen durch regelmäßige Kontrollfahrten.
  • Auch der öffentliche Teil der Fachausschüsse bietet sich für Bürger an, um auf entsprechende Stellen im Gemeindegebiet hinzuweisen.

Zwar habe Bürgermeisterin Ulrike Drossel den Vorschlag positiv aufgenommen. „Meinen Grundsteuerbescheiden lag aber nichts bei“, stellte Ewerth fest. Auf Nachfrage erinnerte sich Drossel an die Vorschläge des Holzwickeders. „Das haben wir intern auch besprochen. Wir denken momentan aber noch darüber nach, welche zusätzlichen Informationen wir den Bescheiden beifügen können.“

Im Falle der Hainbuchenhecke an der Böckmannstraße will man nochmals auf die Anwohnerin beziehungsweise auf Nachbar Marcus Weise zugehen, um zu einer Lösung zu kommen, die alle Beteiligten zufrieden stellt.

„Ich werde mir das selbst nochmals in Ruhe ansehen und dann werden wir zu einer Entscheidung kommen“, kündigt der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke an. Nach jetzigem Stand ist die Anwohnerin aufgefordert, die Hecke bis Monatsende einzukürzen.

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