Haus Opherdicke: Politik wird nicht ausgesperrt – auch nicht die AfD

dzHaus Opherdicke

Ein „Bürgerdialog“ der AfD auf Haus Opherdicke hat im Februar für politischen Streit gesorgt. Inzwischen ist klar: Die Nutzungsordnung wird geändert – aber nicht in Bezug auf politische Veranstaltungen.

Holzwickede

, 11.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Landtagsfraktion der AfD zu Beginn des Jahres zu einem „Bürgerdialog“ über das Thema Integration ins Bauhaus von Haus Opherdicke einlud, schlug das hohe politische Wellen.

Die Kreistagsfraktion der Grünen äußerte sich verärgert und besorgt darüber, dass die Kreisverwaltung als Hausherr „einer Partei, die rassistische und menschenverachtende Politik macht, unser ,Wohnzimmer‘ Haus Opherdicke zur Verfügung“ stelle. Sie kündigten überdies an, die Nutzungsordnung des Hauses „eingehend überprüfen“ zu wollen.

Einige Monate später ist nun tatsächlich eine Änderung der Nutzungsordnung in Arbeit – allerdings aus anderen Gründen. Die Nutzungsordnung für das „öffentliche Kultur- und Begegnungszentrum Haus Opherdicke“, wie es offiziell heißt, stammt in ihrer Ursprungsfassung aus dem Jahr 1988 und wurde zuletzt 1997 verändert.

„Der Landrat und ich sind uns einig, dass auch demokratische Prozesse und Diskussionen in einem solchen Haus möglich sein müssen.“
Mike-Sebastian Janke, Kreisdirektor

Seitdem hat der Kreis Unna dort als Eigentümer viel investiert und aus dem ursprünglichen Rittergut einen viel beachteten Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Naherholungsort gemacht. Die anstehenden Veränderungen etwa im Bereich der Gastronomie – im September eröffnet das neue Bistro im Haupthaus – sollen in der angepassten Nutzungsordnung ebenfalls Berücksichtigung finden.

Keine Änderung ist hingegen im Bereich der politischen Nutzung geplant, wie Kreisdirektor und Kulturdezernent Mike-Sebastian Janke unserer Redaktion sagte. Der Passus, wonach Haus Opherdicke der Allgemeinheit auch für politische

Zwecke zur Verfügung stehe, soll erhalten bleiben.

„Der Landrat und ich sind uns einig, dass auch demokratische Prozesse und Diskussionen in einem solchen Haus möglich sein müssen“, sagte Janke. Das schließe alle Parteien, die nicht verboten seien, ein und müsse eine Demokratie auch aushalten.

Gegen die AfD-Veranstaltung auf Haus Opherdicke formierte sich im Februar auch Protest vor Ort.

Gegen die AfD-Veranstaltung auf Haus Opherdicke formierte sich im Februar auch Protest vor Ort. © Udo Hennes

Ähnlich wie nun der Kreisdirektor hatten sich zu Jahresbeginn auch Vertreter anderer Parteien aus dem Kreis Unna positioniert. Die meisten äußerten zwar damals gegenüber unserer Redaktion ihr Missfallen über Haus Opherdicke als Kulisse für den Auftritt zweier AfD-Landtagsabgeordneten, den die Rechtspopulisten mit einer Mahnwache auf dem Innenhof verbanden. Daraus eine „Lex AfD“ abzuleiten, hielte er aber falsch, sagte etwa der Kreisvorsitzende Marco Morten Pufke. Denn dann hätten künftig alle Parteien draußen bleiben müssen – und das wollten letztlich auch die Grünen nicht.

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