Ein Hauch von Gotham City: Erstes offizielles Fledermaus-Quartier in Holzwickede

dzNabu-Auszeichnung

Zwar ist es nicht die berühmte Comic-Figur, die am Freitag zum Arnsberger Weg gekommen war. Näher an Fledermäusen kommt in Holzwickede sonst aber kaum jemand heran.

Holzwickede

, 08.11.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fledermäuse sind eher unscheinbare Tiere. Wegen ihrer Größe und weil sie vor allem bei Dunkelheit herumfliegen, nehmen viele Menschen sie im Alltag gar nicht wahr. Dabei leben sie auch in Holzwickede.

Die Fledertiere bewohnen oft Gärten, oder nisten in Häusern. So auch am Arnsberger Weg, wo sich zahlreiche sogenannte Zwergfledermäuse in den Lüftungsschlitzen aller Mehrfamilienhäuser eingenistet haben.

Fledermäuse in vielen Haushalten unerwünscht

In vielen Haushalten sind die Fledertiere eher unerwünschte Gäste. Die meisten Menschen bringen stattdessen Nisthilfen für Vögel an. Fledermäuse hat nicht jeder auf dem Schirm. Für die Firma M&M Hausverwaltungen in Dortmund, die unter anderem die Eigentumswohnungen am Arnsberger Weg verwaltet, sind die geflügelten Hausbewohner kein Problem, wie Verwalterin Bilinda Dersch erklärt.

Dersch und mehrere heimische Nabu-Vertreter, darunter auch Irmgard Devrient und Reinhard Wohlgemuth waren am Freitagnachmittag am Arnsberger Weg zu Gast. Die gesamte Siedlung, stellvertretend aber die Bewohner des Hauses Arnsberger Weg 1, bekam nämlich die Plakette für ein fledermausfreundliches Haus überreicht und auch gleich an die Fassade geschraubt.

Ein Hauch von Gotham City: Erstes offizielles Fledermaus-Quartier in Holzwickede

Bilinda Dersch (2. v. r.) bekam von den Nabu-Vertretern Rudolf Leismann (links), Ursula Ackermann, Reinhard Wohlgemuth (Mitte) und Irmgard Devrient (rechts) eine Plakette für ein fledermausfreundliches Haus überreicht. Sie wird stellvertretend für die umliegenden Mehrfamilienhäuser am Arnsberger Weg 1 angebracht. © Udo Hennes

Zur Auszeichnung kam die Siedlung dabei eher zufällig: „Einer Bewohnerin waren die Fledermäuse aufgefallen“, sagt Devrient. Anschließend habe sie zu ihr und Wohlgemuth Kontakt aufgenommen. Hausverwaltung und Bewohner fassten dann den Entschluss, die Fledermäuse dort langfristig zu dulden.

Außerdem bewarben sie sich für die Verleihung einer entsprechenden Plakette. Und die haben sie am Freitag eben bekommen. Für Rudolf Leismann, Vorsitzender des Nabu Kreisverbandes Unna, eine große Freude.

Denn vielen Haus- und Wohnungseigentümern sind Fledermäuse ein Dorn im Auge. Viele Menschen fühlen sich durch sie belästigt, weil in unmittelbarer Nähe zu den Nestern häufig Schmutz zu finden ist.

Wenig Lust auf Kot auf der Terasse

„Es kommt vor, dass man mal Kot auf der Terasse oder dem Balkon hat. Das lässt sich aber eigentlich ganz leicht beseitigen“, sagt Devrient, die sich gemeinsam mit Wohlgemuth seit 1987 für den Fledermausschutz im Nabu-Landesverband engagiert. Sie kann verstehen, dass das manche Menschen ihre Schwierigkeiten damit haben. Umso mehr freut sie sich, wenn es Anwohner gibt, die überaus tolerant mit den kleinen Flugakrobaten umgehen.

Zum Ortstermin am Arnsberger Weg haben Wohlgemuth und Devrient drei Tiere mitgebracht. Eine Zwergfledermaus, eine Breitflügelfledermaus und eine Rauhautfledermaus.

Wohlgemuth befasst sich seit Jahrzehnten mit den streng geschützten Tieren und beherbergt sie bei sich zuhause. In der Regel kümmert er sich um Fledermäuse mit gesundheitlichen Problemen. Sobald er sie wieder „aufgepäppelt“ hat, entlässt er sie in die Freiheit.

Ein Hauch von Gotham City: Erstes offizielles Fledermaus-Quartier in Holzwickede

Diese Breitflügelfledermaus hat sich in jungem Alter eine Verletzung am rechten Flügel zugezogen. In die Freiheit kann sie deshalb wohl nicht mehr entlassen werden. © Udo Hennes

Schwer verletzte Fledermäuse werden zuhause versorgt

Zwei Fledermäuse, die er mit zum Arnsberger Weg gebracht hat, werden das wohl nicht mehr erleben, wie er befürchtet. Sie haben sich derart schwer an ihren Flügeln verletzt, dass sie noch immer nur kurze Flüge schaffen. „Einmal quer durchs Wohnzimmer“, sagt Wohlgemuth.

Für ihn und Devrient war diese bisher erste Verleihung einer Fledermaus-Plakette in Holzwickede wohl die letzte offizielle Aktion. Aus Altersgründen ziehen sie sich beim Nabu aus der ersten Reihe zurück. Den Fledermäusen bleiben sie aber treu. „Ganz aufhören gibt´s bei mir nicht“, sagt der 79-Jährige. „So lange ich mich noch kümmern kann, mache ich auch weiter.“

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