Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen auch die Jüngsten der Gesellschaft. Was sie bewegt, so scheint es jedenfalls, kommt seit Monaten zu kurz. Es gibt aber auch Verständnis.

Holzwickede

, 03.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass sich Melina seit einigen Wochen wieder mit ihren Freunden treffen kann, ist für sie nach ihrer jüngsten Erfahrung keine Selbstverständlichkeit. Was die Zehnjährige aus Holzwickede seit Februar erlebt, ist eine absolute Ausnahmesituation im Leben eines heranwachsenden Menschen.

Melina redet offenherzig über ein Thema, das für manche Holzwickeder Kinder vielleicht sogar traumatisch gewesen sein dürfte: Die Erlebnisse aus der bisherigen Zeit in der Corona-Krise. Während sie auf einer Holzbank sitzt, schweift ihr Blick langsam von ihren schaukelnden Füßen auf den Ärmel ihres dunkelfarbigen Oberteils.

Freie Gestaltung beim Ferienspaß: Chill & Play mit der evangelischen Jugend

Sie ist am Donnerstag zu einer Ferienspaß-Veranstaltung der evangelischen Jugend Holzwickede gekommen, die unter Corona-Bedingungen stattfinden musste. Desinfektionsspender beim Eingang und die Einhaltung des angemessenen Abstands gehörten dazu.

„Chill & Play“ lautete das Motto des Nachmittags. Den Kindern standen eine Spielekonsole und eine Leinwand zur Verfügung, außerdem auch mehrere Gesellschaftsspiele und Sportgeräte. Die Kinder konnten sich die Zeit selbst einteilen. Eine Veranstaltung, so will man meinen, die zumindest für Melina genau zur richtigen Zeit kommt.

Wegen des Coronavirus sollen in diesem Jahr die meisten Veranstaltungen vom Ferienspaß – wenn möglich – draußen stattfinden. Im evangelischen Jugendheim an der Goethestraße wurde am Donnerstag gezockt.

Wegen des Coronavirus sollen in diesem Jahr die meisten Veranstaltungen vom Ferienspaß – wenn möglich – draußen stattfinden. Im evangelischen Jugendheim an der Goethestraße wurde am Donnerstag gezockt. © Marcel Drawe

Denn die vergangenen Monate waren nicht leicht für sie. Ihre Eltern seien etwas strenger geworden, erzählt sie. „Mein Papa sagt immer, dass ich nicht so viele Sachen anfassen soll.“ Was sie als Strenge auffasst, ist im Umkehrschluss zweifelsfrei als elterliche Fürsorge zu verstehen.

Über die Corona-Pandemie gut informiert

Wann sie das Wort Corona zum ersten Mal gehört hat, weiß sie noch ganz genau: „Ich habe einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer“, sagt sie und reißt ihre Augen weit auf, „darauf gucke ich fast jeden Abend Nachrichten.“ Verständnisprobleme hatte sie trotz ihres Alters kaum: Sie weiß, dass Corona eine Krankheit ist, die Menschen untereinander übertragen.

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Gleich nachdem die Corona-Pandemie Deutschland erreicht hat, habe sie sehr viel darüber gehört und gelesen. Auch in der Schule sei im Unterricht sehr viel über das Thema gesprochen worden. „Etwas zu viel“, findet Melina. Was das alles für sie bedeuten würde, wusste sie – ebenso wie viele Erwachsene – zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht.

Kinder im Corona-Lockdown: „Ich war sehr viel zuhause“

In den folgenden Wochen hat sich ihr Leben schlagartig geändert: In ihre Schule, die Dudenrothschule, durfte sie über mehrere Wochen gar nicht mehr, Verabredungen waren wegen des Lockdowns nicht mehr erlaubt. „Ich war sehr viel zuhause“, erinnert sich die junge Holzwickederin, die vor der Krise immer gerne zur Schule gegangen ist und Freunde getroffen hat.

Ein Erlebnis ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Bis zum Corona-Lockdown habe ihre Schulklasse regelmäßig Ausflüge gemacht, unter anderem auch zu einer anderen Schule. „Da habe ich mich mit einem Mädchen angefreundet“, erzählt Melina und zieht die Mundwinkel nach oben, „die würde ich gerne mal wiedersehen“, sagt sie.

Die Grundschülerin Melina hat eine Veranstaltung der evangelischen Jugend im Rahmen des diesjährigen Ferienspaßes besucht. Beim Kicken mit Noah (10)

Die Grundschülerin Melina hat eine Veranstaltung der evangelischen Jugend im Rahmen des diesjährigen Ferienspaßes besucht. Beim Kicken mit Noah (10) © Carlo Czichowski

Leider weiß sie nur den Namen ihrer Spielkameradin, hat aber keine Kontaktdaten. Wäre Corona nicht gewesen, so glaubt sie, hätten sie sich bestimmt schonmal privat getroffen. In der schulfreien Zeit sei es aber schwierig gewesen, Kontakt zu ihrer neuen Freundin aufzunehmen.

Grundschülerin hat viel Verständnis für den geplatzten Urlaub

Es sollte aber nicht das einzige Vorhaben sein, das Melina durch die Corona-Krise verpasst hat. „Wir wollten dieses Jahr in den Urlaub fliegen“, sagt die Grundschülerin. Weil sie noch nie geflogen ist, hat sie sich darauf sehr gefreut. „Das hat mein Papa mir eigentlich versprochen“, erzählt sie. Dass sie nicht wie geplant in den Urlaub fliegen konnten, kann sie aber vollkommen nachvollziehen.

Die Meinung vieler Experten findet sie logisch: Wenn sich alle an die Hygiene- und Abstandsregeln halten, dann wird die Pandemie schneller vorbei sein, als wenn die Menschen viel Kontakt untereinander haben.

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Sie befindet sich gewissermaßen in einer zwiespältigen Situation, will auf der einen Seite ihre Freunde regelmäßig treffen, beurteilt die Lockerungen trotzdem auch skeptisch.

„Ich hoffe, dass ich dann fliegen kann“

Genauso nüchtern schildert sie ihre Pläne, sobald die Krise endlich vorbei ist: „Ich hoffe, dass ich dann fliegen kann“, sagt sie. Das erste, was sie nach den Sommerferien machen möchte, ist ein Treffen mit jenem Mädchen zu vereinbaren, mit dem sie sich vor der Corona-Zeit so gut verstanden hat – und bis heute noch nicht wiedergesehen hat.

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