Ein Harmonium aus dem 19. Jahrhundert erweitert die Möglichkeiten des Gottesdienstes

dzSpende eines Holzwickeders

Die Orgel in der Holzwickeder Liebfrauenkirche ist optisch und akustisch imposant – manchmal ist weniger aber mehr. Deshalb kommt neuerdings ein Instrument zum Einsatz, das älter ist als die Kirche selbst.

Holzwickede

, 03.09.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im November 1904 wurde die katholische Liebfrauenkirche eingeweiht. Zu dem Zeitpunkt war der aktuelle Neuzugang der Kirche schon einige Jahre in Betrieb: ein Harmonium aus dem Jahr 1898. Was für den Laien aussieht wie ein Klavier, in Klang und Funktionsweise aber auch einer Orgel ähnelt, freut in Liebfrauen vor allem Organist Meinolf Nies.

„Als er das mitbekam, war er natürlich sofort involviert und wollte spielen“, sagt Pfarrer Bernhard Middelanis am Montag in der Kirche. Weil sein Organist im Urlaub weilt, entlockt er dem Instrument ein paar Töne, zieht dafür die Registerstangen, schiebt den Fuß auf ein Pedal und drückt abwechselnd die Tasten.

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Ein Harmonium für die Liebfrauenkirche

Harmonium wird regelmäßig im Gottesdienst gespielt

Zur Sache

So funktioniert das Harmonium

  • Um einem Harmonium Töne zu entlocken, ist Körpereinsatz gefragt: Der Harmonist muss seine Füße und Hände einsetzen. Über zwei Pedale wird Luft durch zwei Schöpfbälge ins Harmonium geblasen.
  • Das Anschlagen einer Taste öffnet im Inneren ein Loch, durch das Luft an Metallzungen entlang entweicht. Die geraten ins Schwingen und erzeugen einen Ton, der beliebig lang gehalten werden kann.
  • Das Harmonium in der Liebfrauenkirche verfügt zudem über vier Register, über die ähnlich einer Orgel verschiedene Tonhöhen eingestellt werden können.

Seit wenigen Wochen kommt das Harmonium dienstags zu Messfeiern um 18 Uhr zum Einsatz. „Hier versammelt sich die Gemeinde meist eng um den Altar oder sitzt auf Stühlen im Chorraum. Dann spielt Herr Nies das Harmonium und muss nicht am anderen Ende des Kirchenschiffes an der Orgel sitzen“, sagt Middelanis. So sei der Organist auch besser in die Messfeier eingebunden.

Neben dem Harmonium beobachtet derweil Yves van Hauwermeiren interessiert, wie sich Pfarrer Middelanis am Harmonium schlägt. Dem gebürtigen Belgier ist es zu verdanken, dass Meinolf Nies nun Klänge ähnlich einer Orgel einem viel handlicheren Instrument entlocken kann.

„Ich habe das Harmonium vor Jahren für 100 Euro in Hagen in einem Laden mit allerlei Kram gekauft. Ich wollte es selbst restaurieren, aber war damals noch berufstätig. Es fehlte die Zeit“, so der 74-Jährige. Der Zustand des Harmoniums war katastrophal – Motten hatten sich im Inneren am Filz gelabt, die Tasten aus Elfenbein waren verfärbt und fehlten mitunter, eine Registerstange war abgebrochen.

Ein Harmonium aus dem 19. Jahrhundert erweitert die Möglichkeiten des Gottesdienstes

Verstaubt, verfärbt, unvollständig: So hat Yves van Hauwermeiren das Harmonium einst in Hagen gekauft. © privat

Schließlich übergab van Hauwermeiren das Harmonium 2011 an einen Spezialisten in Düsseldorf, der es über Wochen aufbereitete. 3000 Euro habe er dafür bezahlt. Im Anschluss schmückte es das Wohnzimmer von Yves van Hauwermeiren und seiner Frau Viktoria. „Sie spielt Klavier, aber das Harmonium konnte sie nicht spielen.“

Als Ehemann Yves ein weiteres, größeres Harmonium geschenkt bekam, sei ihre Ansage klar gewesen: Im Hause van Hauwermeiren ist nur Platz für ein historisches Instrument. So entschied sich der 74-Jährige, ein Harmonium der Liebfrauengemeinde zu spenden – sehr zur Freude von Meinolf Nies.

Ein Harmonium aus dem 19. Jahrhundert erweitert die Möglichkeiten des Gottesdienstes

Ein kleine Plakette weist auf die Spender hin: Viktoria und Yves van Hauwermeiren. © Borys Sarad

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