„Habe mir alles versaut“: Holzwickeder (27) filmt Mitbewohnerin heimlich beim Baden

dzGerichtsprozess

Peinlich berührt saß ein 27-jähriger Holzwickeder am Donnerstag auf der Anklagebank des Amtsgerichts Unna. Er hatte im Bad seiner WG heimlich eine Kamera installiert, um seine Mitbewohnerin zu filmen.

von Sylvia Mönnig

Holzwickede

, 28.11.2019, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine heimlich installierte Kamera im Bad einer WG in Holzwickede kostete einen 27-Jährigen nicht nur Freundschaften. Er stand nun auch wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vor Gericht.

Sie fühlte sich sicher in der Wohnung, die sie sich mit ihrem Lebensgefährten und einem langjährigen Freund teilte. Auf die Idee, dass besagter Freund ihr Vertrauen auf schäbige Weise ausnutzen könne, kam die junge Frau nicht. Doch genau das war im vergangenen Jahr der Fall.

Mitbewohnerin heimlich beim Baden gefilmt

Bei zwei Gelegenheiten zeichnete eine versteckte Videokamera alle intimen Details auf, während sie arglos in der Badewanne lag. Ihr Partner stieß letztlich zufällig auf die beiden Filme, als er etwas auf dem Laptop des Mitbewohners suchte. Der packte noch am gleichen Tag ein, was er am nötigsten brauchte, und zog aus. Die Betroffene erstattete Anzeige gegen den 27-Jährigen.

Peinlich berührt erschien der nun zu seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Unna. Das verborgene Filmen räumte er ein, einen Grund für die Installation der Kamera konnte er nicht benennen. Das könne er bis heute selbst nicht begreifen. Was er damals anrichtete, war ihm allerdings deutlich bewusst.

„Ich habe mir alles selbst versaut“

„Ich habe mir alles selbst versaut“, betonte er und spielte damit auf seine berufliche Zukunft als Beamtenanwärter, den Verlust der Freundschaften und nicht zuletzt auch den Schaden für die junge Frau an.

„Eine Aussprache hat es nie wirklich gegeben“, erklärte er, der nach der Entdeckung vor Scham offenbar den Kopf in den Sand steckte und sogar per Zwangsvollstreckung dazu gebracht werden musste, 1700 Euro Nebenkostennachzahlung zu leisten.

Angeklagter empfindet 1500 Euro Schmerzensgeld als zu wenig

Das zumindest erklärte der Rechtsanwalt der Geschädigten und der Angeklagte stellte das auch nicht in Abrede. Vielmehr gab er an, dass er in Rede stehende 1500 Euro Schmerzensgeld fast als zu wenig empfinde.

Einsicht, Reue und ein leeres Strafregister sorgten letztlich dafür, dass der 27-Jährige eine Chance erhielt, die auch seine beruflichen Perspektiven wahrte. Sein Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Auflage: Er soll 2500 Euro an die Betroffene als Schmerzensgeld und für ihre Anwaltskosten zahlen. Tut er das, wird seine Akte endgültig zugeklappt. Ansonsten gibt es eine neue Verhandlung mit ungewissem Ausgang.

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