Gymnasiasten beteiligen sich an Experiment zum Soja-Anbau

dz1000 Gärten testen Hülsenfrüchte

Für ein riesiges Experiment haben Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums in den vergangenen Monaten verschiedene Sojasorten angebaut, gewässert und nun geerntet.

Holzwickede

, 02.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Monokultur, Tierfutter, Gentechnik – der Sojabohne eilt nicht der beste Ruf voraus. Dennoch sind Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums Teil eines deutschlandweiten Experiments, das ein Ziel verfolgt: Eine natürlich gezüchtete Sojasorte finden, die hierzulande gedeiht und die Hülsenfrucht zu etablieren. Zwar wird Soja in Deutschland angebaut, vornehmlich in einigen Regionen in Süddeutschland, für die Landwirtschaft fällt die Sojabohne hierzulande aber kaum ins Gewicht. Bei einem ersten Experiment vor zwei Jahren wurden den Initiatoren fast 15.000 Proben zugesandt.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung führt die Universität Hohenheim in Kooperation mit einem deutschen Tofu-Produzenten aus Freiburg das Experiment „1000 Gärten“ nun bereits zum zweiten Mal durch. Gartenbesitzer, Kleingartenvereine oder eben Schulen beteiligen sich daran. Biologie-Lehrerin Birgit Pohlschmidt wurde ebenfalls auf das Experiment aufmerksam und meldete ihren Biologie-Leistungskurs noch im alten Schuljahr an. „So etwas haben wir vorher noch nie gemacht, aber ich fand es eine gute Gelegenheit, um mit den Schülern wissenschaftlich zu arbeiten“, sagt Pohlschmidt.

Zwölf Sojabohnen-Sorten im Test

Nach erfolgreicher Online-Anmeldung bekam die Schule zwölf Tüten mit je 50 Sojabohnen zugesandt. Jede Tüte beinhaltete eine Sorte. Ausgesät wurde auf einer kleinen Fläche hinter dem Schulgebäude, das zuvor von Mitarbeitern der Gemeinde bestellt wurde. „Der Boden war so hart, das hätten wir nicht geschafft“, bedankt sich Pohlschmidt für die Hilfe. Neben den verschiedenen Sorten, manche hoch-, andere niedrigwachsend, hängten die Schüler zudem noch einen Daten-Logger in die Nähe der Anbaufläche an einen Baum, der die Temperatur aufzeichnete.

Nach der Aussaat im Mai waren die Temperaturen diesen Sommer ideal für Soja, allein es mangelte an Niederschlag. Für die Schüler bedeutete das auch Arbeit während der Sommerferien. „Wir sind ein relativ großer Kurs. Bei sechs Wochen Ferienzeit war das nicht so ein immenser Aufwand, wenn man ein oder zwei Mal dran war und 20 Minuten zum Gießen investieren musste“, sagt Tom Schütte. Während der Unterrichtszeit wurden abwechselnd zwei Schüler abgestellt, die zu Unterrichtsbeginn oder in den Pausen schnell die Pflanzen wässerten. „Das Projekt ist nicht Teil des Lehrplans. Es gibt auch keine Prüfungen in dem Rahmen“, sagt Birgit Pohlschmidt. Weil die Schüler aber Aussaat, Wachstum und Ernte genau dokumentieren mussten, sei es eine praktische Möglichkeit gewesen, um wissenschaftliches Arbeiten zu üben. Alle gesammelten Daten zu Wuchs, Blatt- und Blütenfarbe, Erntemenge etc. mussten regelmäßig auf einer Internetseite eingetragen werden, die geernteten Bohnen werden zudem an die Uni Hohenheim geschickt.

Gymnasiasten beteiligen sich an Experiment zum Soja-Anbau

Biologie-Lehrerin Birgit Pohlschmidt (3.v.l.) zupfte die Ernte per Hand mit den Schülern ihres Leistungskurses. © UDO HENNES

So sammeln die Initiatoren landesweit Daten, um herauszufinden, welche Sorten unter den hiesigen Bedingungen am besten gedeihen. „Klar, steckt da irgendwo auch ein Unternehmen dahinter, das ein wirtschaftliches Interesse hat“, sagt Pohlschmidt. Die beteiligte Firma würde aber schon seit Jahren natürliches Soja züchten – ohne Gentechnik. Weil die Pflanzen hinter dem Schulgebäude dem einen oder anderen Spaziergänger auffielen, sei sie durchaus darauf angesprochen worden, ob man da gentechnisch veränderte Pflanzen ziehe.

Mit der Thematik hinter dem Anbau – dass Soja vornehmlich importiert wird und man Unmengen als Tierfutter braucht, um daraus wiederum Fleisch für den Konsumenten zu produzieren, haben sich die Schüler auch im Unterricht beschäftigt. „Dabei bietet die Sojabohne als Nahrungsmittel bereits eine gute Alternative für tierisches Eiweiß“, sagt Pohlschmidt. Für die Schüler gab es auch einige wilde Sojabohnen für den Eigenanbau. Pia Bühlmann hat zu Hause bereits geerntet. „Wir machen viel im Garten, meine Großeltern haben einen Acker“, sagt sie. Wie sie die Bohnen nun aber weiterverwerten soll, da müsse sie erst noch recherchieren. „Vielleicht bietet sich ein gemeinsamer Soja-Kochabend für den Kurs an“, schlägt Lehrerin Pohlschmidt vor. In jedem Fall hofft sie, dass die Initiatoren des Experiments mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben – schließlich wolle man schon wissen, wie die Holzwickeder Daten zu bewerten sind.

Zur Webseite des Experiments 1000 Gärten

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