Nachhilfe für verpassten Lernstoff in den Sommerferien? Das will Friedhelm Klemp auf die Beine stellen. Die Idee kommt bei den Grundschulen an. Eine Umsetzung birgt aber Hürden.

Holzwickede

, 19.05.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Niemand müsse ein Bildungsexperte sein, um zu erkennen, dass durch zwischenzeitlich geschlossene Schulen und den momentan eingeschränkten Unterricht insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien in ihrer Entwicklung abgehängt würden.

So formulierte es Friedhelm Klemp in einem ersten Aufruf, der sich an angehende, aktive und ehemalige Pädagogen richtete, um sie für eine ehrenamtliche Sommerschule zu gewinnen. In der, so Klemps Idee, könnten vornehmlich Grundschulkinder in den Ferien die Inhalte aufarbeiten, die durch die wochenlangen Schulschließungen rund um die Osterferien auf der Strecke geblieben sind.

Angehende und ehemalige Pädagogen einsetzen

Positive Rückmeldungen von Menschen mit pädagogischem Hintergrund hat Klemp in der Folge bereits bekommen. Auch er selbst bringt entsprechendes Know-how mit, verbrachte fast sein ganzes Berufsleben als Sozialpädagoge an der Fröndenberger Gesamtschule.

Den Beginn der Sommerferien Ende Juni in Sicht, ist sich der 70-Jährige bewusst, dass die Zeit drängt, soll die Sommerschule nicht nur eine Idee bleiben. Klemp sucht daher nicht nur weiterhin ehrenamtliche Hilfe. Er hofft auch auf die Unterstützung der Gemeinde als Schulträger und der Grundschulen selbst.

Sommerschule

Kontakt für Interessierte

  • Wer Friedhelm Klemp in seiner Idee der Sommerschule unterstützen möchte, kann sich bei ihm melden unter Tel. (02301) 43 28 oder per Email über: friedhelmklemp@gmx.de

Auf Anfrage unserer Redaktion sind die Schulleiterinnen und -leiter durchaus angetan von der Idee. „Wenn die Betreuung durch ehemalige Lehrer geschieht, kann ich mir das durchaus vorstellen“, sagt etwa Claudia Paulo von der Nordschule. Auch Gabi Spieker und Katja Buschsieweke von der Aloysius- und der Dudenrothschule sehen eine „vernünftige“ und „sinnvolle“ Idee.

PGS-Leiter Magnus Krämer geht noch weiter: „Wir arbeiten über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft daran, Familien mit fehlenden Möglichkeiten mit Lernmaterial zu versorgen.“ Als Mitglied im hiesigen Ortsverband der Gewerkschaft strebe man eine Lösung für Unna, Holzwickede und Fröndenberg an.

Klar ist dabei aber: Über das reine Lernmaterial hinaus würde dieses Angebot nicht gehen. Klemps Hoffnung, dass auch aktive Lehrer in den Ferien die Sommerschule unterstützen, sehen die Schulleiter als gering an. „Das möchte ich die Kollegen nicht fragen müssen“, sagt Paulo.

Aus allen vier Einrichtungen heißt es, dass die Lehrer durch Corona bereits die Osterferien durchgearbeitet haben. Und nachdem der Unterricht im rollierenden System wieder angelaufen ist, sei die Arbeitsbelastung nochmals gestiegen.

Nachholbedarf für einzelne Schüler ist gegeben

Einen Bedarf für Schüler sehen aber auch alle vier. Wobei Paulo anmerkt: „Die Frage ist, ob das Angebot die richtigen Kinder erreicht. Und wenn der Tourismus tatsächlich anlaufen sollte, dann hat sich das erledigt.“

Magnus Krämer indes mahnt: „Die Krise trifft ohnehin die Bildungsverlierer. Die Situation ist real. Das haben in der Vergangenheit Studien belegt und das wird auch jetzt die bereits abgehängten Kinder treffen. Was in den vergangenen Wochen an Bildung verloren gegangen ist, ist weg. Das bekommen wir nicht wieder.“

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Auch Gabi Spieker sieht Kinder mit Aufholbedarf, sagt aber auch: „Ich schätze die Situation nicht so ein, dass Stoff nicht aufzuholen wäre. Wir sind gehalten, in dieser Zeit behutsam und auf dem Lernstand anzusetzen, auf dem die Kinder sich befinden.“

Freiwillige Mehrarbeit von aktiven Lehrern ist für Klemp kein Muss für seine Idee. Die Unterstützung der Schulen durch Lernmaterial und Vorarbeit aber schon. Hier zeigen sich alle Einrichtungen kooperativ: Bedarfsabfrage, Material, Infos über den Lernstand einzelner Schüler – das könne man durchaus beisteuern.

Dass Kinder gemeinsam in Gruppen in den Sommerferien Nachhilfe bekommen, wäre mit Blick auf die aktuell gültigen Abstands- und Hygieneregeln unrealistisch. Die Nachhilfe müsste demnach einzeln oder in sehr kleinen Gruppen passieren.

Dass Kinder gemeinsam in Gruppen in den Sommerferien Nachhilfe bekommen, wäre mit Blick auf die aktuell gültigen Abstands- und Hygieneregeln unrealistisch. Die Nachhilfe müsste demnach einzeln oder in sehr kleinen Gruppen passieren. © Udo Hennes

Eine Hürde in der Umsetzung eines kostenlosen Nachhilfe-Angebots sieht Katja Buschsieweke, wenn auch in den Ferien die aktuellen Bestimmungen gelten. In der Vergangenheit haben der Evangelische Kirchenkreis als Träger der Ganztagesbetreuung an Nord-, Dudenroth- und Paul-Gerhardt-Schule sowie die Initiative Ganztag als Träger an der Aloysiusschule bei der Ferienbetreuung kooperiert.

Kinder aus verschiedenen Schulen wurden zusammen an einer Einrichtung betreut. „Nach aktuellem Stand wird das dieses Jahr nicht funktionieren“, so Buschsieweke. Möglicherweise müssten Kinder über Wochen an vier Standorten betreut werden. „Dann bekommen wir personelle Probleme“, so die Schulleiterin.

Verwaltung prüft Räumlichkeiten im Ort

An diesem Maßstab gemessen, wäre auch eine kostenlose Nachhilfe in Gruppen kaum vorstellbar. „Im besten Falle streben wir eine Einzelbetreuung an“, sagt Klemp im Wissen, dass er dafür entsprechend viele freiwillige Helfer bräuchte.

Und wo sollen die Nachhilfe geben? Hier setzt der Pädagoge im Ruhestand auf die Gemeinde. Der Erste Beigeordnete bestätigt eine entsprechende Anfrage: „Wir prüfen, wo wir das umsetzen können. Es müssten öffentliche Räume sein, mit eigenem Zugang und Toiletten. Auch Hausmeister und Reinigungskräfte müssen verfügbar sein“, sagt Bernd Kasischke.

Keine einfache Aufgabe, zumal er Gebäude der Verwaltung ausschließt. Auch die Schulgebäude selbst seien wegen Renovierung und mangels Personal vor Ort nicht erste Option. „Zwei bis drei Räume sind aber denkbar. Ich will mich da aber noch nicht konkret äußern“, so Kasischke.

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