Grünen-Ratsherr: Großprojekte überdenken und neue Lösungen finden

dzVerkehrsentwicklung

Die A40 im Ausbau, eine Umgehungsstraße in der Warteschleife, keine Rücksicht auf aktuelle Entwicklungen bei der Planung von Großprojekten: Ein Grünen-Ratsherr fordert ein Umdenken.

Holzwickede

, 19.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hans-Ulrich Bangert erinnert sich noch gut an die Protestaktionen gegen die L677n vor rund sieben Jahren. Damals wurden die Pläne zur Ortsumgehung Ost konkret, mündeten schließlich trotz Menschenkette, Transparenten und Traktoren-Protest von Landwirten im Planfeststellungsbeschluss durch die Bezirksregierung Arnsberg im Jahr 2017.

Einen Baustart für die L677n verhindern seitdem vier anhängige Klagen von Anliegern vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, die bis heute nicht behandelt wurden.

„Die Entwicklung spielt der Bewegung für den Naturerhalt in die Hände. Das Bewusstsein gegen die geplante Versiegelung und den damit verbundenen Flächenfraß ist gestiegen“, sagt Grünen-Ratsherr und Kreistagsmitglied Hans-Ulrich Bangert und verweist auf Bewegungen wie Fridays for Future.

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Im Herbst 2013 startete das Planfestellungsverfahren zur L677n. Ihren Protest gegen die geplante Straße zeigten Holzwickeder damals vor einer politischen Sitzung zum Thema am Schulzentrum.

Im Herbst 2013 startete das Planfestellungsverfahren zur L677n. Ihren Protest gegen die geplante Straße zeigten Holzwickeder damals vor einer politischen Sitzung zum Thema am Schulzentrum. © Udo Hennes

Die Grünen waren stets gegen den Straßenneubau. Die Wurzeln des Bürgerblocks liegen gar mehr als 30 Jahre zurück in den keimenden Plänen zur L677n. „Auch unter CDU, SPD und FDP finden sich Mitglieder, die die Linien ihrer Fraktionen damals und heute nicht befürworten“, sagt Bangert.

Mit Blick auf die Corona-Krise und ihr offenes Ende führt der Ratsherr auch die finanzielle Belastung der öffentlichen Haushalte als Gegenargument für den Bau der L677n an.

Bangert rechnet mit Be- statt Entlastung

Zumindest in der geplanten Form: Bangert ist bewusst, dass sich die Verkehrsströme durch den A40-Ausbau von der Anschlussstelle Holzwickede zum geplanten Anschluss Oelpfad verschieben werden. „Mit dem ersten Bauabschnitt, dem Anschluss Oelpfad können auch wir Grüne leben“, sagt er. Aber dann? Würde der Verkehr auf die marode und heute schon stark frequentierte Massener Straße geleitet.

Die L677n kennt in der Bürgerschaft nicht nur Gegner, wie dieses Plakat aus dem Herbst 2013 beweist. Auf lokalpolitischer Ebene stehen die Fraktionen von SPD, CDU und FDP hinter dem Bau. BBL und Grüne sind dagegen.

Die L677n kennt in der Bürgerschaft nicht nur Gegner, wie dieses Plakat aus dem Herbst 2013 beweist. Auf lokalpolitischer Ebene stehen die Fraktionen von SPD, CDU und FDP hinter dem Bau. BBL und Grüne sind dagegen. © Udo Hennes

Das Dilemma ist dem Ratsherrn bewusst. Und auch er hat keine Patentlösung. Eine Umgehung parallel zur Massener Straße sei aber der falsche Ansatz: „Als geplant wurde, gab es beispielsweise noch keine Lkw-Maut. Kommt die L677n wird sie zur kostenlosen Verbindung zwischen A1 und A40. Da steigt die Belastung eher noch.“

Trotz der bedingten Einflussnahme als Kommune, müsse man diese Großprojekte kritisch sehen. Den Einwand dürften sich demnach die Befürworter des Projekts in SPD, CDU und FDP zu Herzen nehmen.

„Ich würde mir einen runden Tisch wünschen. Wir müssen alternative Lösungen finden. Viele Entwicklungen sind in den vergangenen Jahren anders gekommen, als es die Verkehrsplanung einst vorgesehen hat und sprechen eine deutliche Sprache zum Abbruch dieser geplanten Ostumgehung“, sagt Hans-Ulrich Bangert.

Eine Idee, die man diskutieren könnte, wäre für ihn eine Öffnung der Natorper Straße hin zur Nordstraße. Und grundsätzlich hegt der Grüne den Wunsch, dass die Schiene beim Güterverkehr an Bedeutung gewinnt.

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