Gewinner der Corona-Krise werden nicht übermütig und setzen auf ihr Kerngeschäft

dzSyro Reisemobile

Mit Beginn der Corona-Pandemie waren sie gefragt wie nie: Reisemobile in allen Größen und Preislagen. Auch ein Holzwickeder Unternehmen profitiert davon. Der Geschäftsführer bleibt bescheiden.

Holzwickede

, 22.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Welt steht Reise-Enthusiasten bei Syro Reisemobile ab 41.000 Euro offen. So viel Geld wird für das günstigste Neufahrzeug im Portfolio des Mehrmarken-Hauses fällig. Nach oben setzt natürlich nur das eigene Budget das Limit. Für ein vollausgestattetes Reisemobil über 3,5 Tonnen wachsen die Preise schnell weit über sechsstellige Beträge hinaus.

Aber ob Camper auf Basis von Fiat- oder Peugeot-Kastenwagen oder Luxuskreuzer auf vier Rädern: Die Corona-Pandemie wirkte in den vergangenen Monaten wie ein Katalysator für einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet: Unabhängigkeit beim Reisen.

„Reduziert man es auf die wirtschaftlichen Aspekte, gab Corona durchaus einen Schub. Sowohl bei den Gebrauchten als auch im Premiumsegment“, sagt Syro-Geschäftsführer Robert Becker. Eine Anfrage dieser Redaktion zum Hype in der Branche im Sommer lehnte er noch freundlich ab – zu viel zu tun im Moment.

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Von klein bis groß: Reisemobile in Holzwickede

Reisen mit dem Wohnmobil: Das hat durch die Einschränkungen während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Davon profitieren auch Händler wie Syro in Holzwickede. Das Mehrmarken-Haus führt Modelle für alle Ansprüche und in allen Preiskategorien.
22.11.2020
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Reisemobile, die auch abseits befestigter Wege vorankommen, sind nicht günstig, stehen in der Gunst der Kunden aber weit oben.© Marcel Drawe
Bei Syro bietet die Mindestausstattung der vertretenen Hersteller immer auch eine Nasszelle mit Toilette. Hier unterscheiden sich die Campingbusse etwa von Modellen der Ursprungshersteller, die dies meist nicht bieten.© Marcel Drawe
Um große Reisemobile über 3,5 Tonnen fahren zu dürfen, braucht es einen Zusatz im Führerschein. Den gibt es nach einem entsprechenden Fahrkurs für einen niedrigen vierstelligen Betrag.© Marcel Drawe
Campingbusse auf der Basis von Kastenwagen bieten zwei Personen ausreichend Platz.© Marcel Drawe
Wer bei kleineren Reisemobilen mit der Familie unterwegs ist, muss nicht nur das Raumangebot bedenken. Mit Gepäck ist man auch schnell über der magischen Grenze von 3,5 Tonnen.© Marcel Drawe
Zahlreiche Firmen haben sich auf das mobile Reisen spezialisiert und bieten für diverse Anwendungen ein Lösung – etwa eine Mini-Garage für Fahrräder oder Motorroller.© Marcel Drawe
Platz ist in der kleinsten Kiste: Diese BMW Isetta dient aber nur als Ausstellungsstück im Syro-Verkaufsraum.© Marcel Drawe

Mittlerweile hat sich das Geschäft vorerst beruhigt, an einem Donnerstagmorgen im November schlendert ein Pärchen durch die Ausstellungsräume an der Gottlieb-Daimler-Straße 1. Becker rechnet für 2020 mit einem Netto-Umsatz von rund 13 Millionen Euro. Ein gutes Jahr, das er seinem Haus aber nicht alleine Corona zuschreibt.

„Der Trend geht ja dahin, dass auch der Kfz-Händler von nebenan Wohnmobile anbietet. Oder ich bekomme anderswo noch allerlei Zubehör. Wir konzentrieren uns hier ähnlich wie ein reines Autohaus auf den Kern: den Verkauf von Wohn- und Reisemobilen.“

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Fokus bei Syro liegt rein auf dem Verkauf von Reisemobilen

Den Boom, ausgelöst durch die Corona-Reisebeschränkungen der vergangenen Monate, will er deshalb auch nicht mit Nebenprodukten oder Vermietungen ausnutzen. „Wenn einer viel macht, kann er das nicht alles auf einem hohen Niveau machen. Wir sind ein Familienunternehmen, das nicht auf immer mehr und größer abzielt. Ich mache das seit über 40 Jahren und habe die Einstellung, dass man sowieso nur ein Schnitzel am Tag essen kann“, sagt Becker und lacht.

„Wir sind ein Familienunternehmen, das nicht auf immer mehr und größer abzielt.“
Syro-Chef Robert Becker

Den Syro-Standort so zu führen, sei deswegen in der näheren Umgebung auch ein Alleinstellungsmerkmal. „Die meisten Kunden haben wir im Umkreis von 80 Kilometern. Die machen 75 Prozent des Umsatzes aus. Manche begleiten wir seit Jahren, da kommen mittlerweile schon die Kinder zu uns“, sagt Becker.

Ob nun die junge Familie oder der Freiberufler: Ein Trend bei der Nachfrage gehe aktuell klar in Richtung kompakter Camper, die auf Familienvans oder Kastenwagen basieren. „Da gibt es viele Leute, die den Pkw abschaffen und den Camper als Dienst- oder Alltagswagen nutzen“, weiß Robert Becker.

Marina und Möhnesee locken für den Wochenendtrip

Und insbesondere in diesen Zeiten führt der Weg nicht zwingend wochenlang durch Deutschland oder Europa, sofern es die Reiseverfügungen zulassen. „Auf den Stellplätzen an der Marina in Rünthe oder am Möhnesee finden Sie sehr viele Dortmunder, Unnaer oder Soester Kennzeichen an den Wochenenden. Bevor den Leuten zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, nutzen sie die freie Zeit für einen Ausflug.“

Sitzgruppe mit Tisch, Küchenblock, Nasszelle, Bett, Stauraum – das auch vergleichsweise kleine Camper. Je nach Hersteller und Sonderwünschen klettern aber auch hier die Preise schnell in die Höhe.

Sitzgruppe mit Tisch, Küchenblock, Nasszelle, Bett, Stauraum – das auch vergleichsweise kleine Camper. Je nach Hersteller und Sonderwünschen klettern aber auch hier die Preise schnell in die Höhe. © Marcel Drawe

Syro Reisemobile

Mit Fantasienamen in den Eco Port gezogen

  • 2014 ist Robert Becker mit seinem Unternehmen in den Eco Port gezogen und hat das einstige Smart Center bezogen. Zuvor war Syro in Dortmund und Unna ansässig.
  • Der Firmenname entstammt der Fantasie der Firmengründer, die sich ursprünglich auf den Ausbau von Reisemobilen spezialisiert hatten.
  • Robert Becker hat einst unter den Gründern gearbeitet, später die Namensrechte übernommen und sein eigenes Geschäft aufgebaut.
  • Die Expertise für Innenausbauten ist geblieben, heute konzentriert sich Syro in Holzwickede hauptsächlich auf den Verkauf.

Und klar weiß auch der Fachmann, dass 40.000 oder 50.000 Euro für die meisten Menschen viel Geld sind. „Es gibt aber das Klientel, das neu kauft; im Jahr 20.000 Kilometer fährt und den Camper nach vier Jahren wieder abgibt. Der Wertverlust ist dabei oft vielfach geringer als bei einem Pkw.“

Die zehnköpfige Belegschaft bei Syro wird sich wohl auch im kommenden Jahr darauf verlassen können, dass der Trend zum individuellen Reisen nicht abflacht. Der Stamm treuer Kunden gibt zudem wirtschaftliche Sicherheit.

Wie sich die Corona-Pandemie auch entwickeln mag: Robert Becker sieht im Camping eine sichere Reisemöglichkeit, die bei etwaigen Beschränkungen bedacht werden sollte: „Sicherheit geht immer vor. Aber wenn Campingplätze schließen müssen, ist das nicht zu Ende gedacht. Wohnmobile stehen auf Abstand, jeder ist für sich. Man muss auf den Plätzen nur die Entsorgungsstellen offen lassen, wer Küche, Dusche, Toilette an Bord hat, ist im Grunde autark.“

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