Der verletzte 32-Jährige aus Holzwickede ist am Sonntag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden. An der Unfallstelle kümmerten sich mehrere Ersthelfer um den Verletzten, bis Feuerwehr und Rettungsdienst eintrafen. © Neumann
Meinung

Gaffer, lasst es: Wer nicht helfen kann, soll weiterfahren!

Nachdem am Sonntag ein 32-jähriger Holzwickeder schwer verunglückt war, gab es viele Ersthelfer, aber auch ein paar Unbelehrbare, die einfach nur gucken wollten. Das geht gar nicht.

Vor einigen Jahren fuhr ich einen betagten Kleinwagen, der mitten auf der Autobahn den Geist aufgab. Motorschaden. Binnen weniger Minuten brannte der vordere Teil lichterloh. Ich hatte die Rauchentwicklung zum Glück im Rückspiegel gesehen, konnte das Auto so rechtzeitig auf dem Seitenstreifen abstellen – und ohne Verbrennungen verlassen. Dann breitete sich das Feuer aus.

Unglaublich dankbar war ich in diesem Moment über die Hilfsbereitschaft eines Mannes, in dessen sicher geparktes Auto ich mich setzen durfte. Während mein Helfer die komplette Unfallabwicklung managte – mich anschließend sogar nach Hause brachte.

In den wenigen Minuten, bevor die Feuerwehr eintraf, beobachtete ich mehrere Autos, die in der entgegenkommenden Fahrtrichtung hielten. Wenn deren Fahrer helfen wollten, hätten sie sich selbst und andere in Gefahr gebracht. Wenn sie nur gucken oder ein Foto schießen wollten, ist das einfach ein Unding.

Mann muss nicht alles sehen

Über mindestens vier Fahrspuren und Mittelstreifen hinweg war von der anderen Seite der Autobahn wohl kaum zu sehen, ob noch jemand im brennenden Pkw sitzt. Schlimmstenfalls hätten die Gaffer die Bergung schwer verletzter Personen beobachtet – oder sogar fotografiert. Dass muss wirklich nicht sein.

Ähnliches erlebten jetzt die Ersthelfer beim schweren Unfall in Hengsen. Und nur allzu verständlich ist es für mich, dass sich einer von ihnen jetzt öffentlich gegen Gaffer ausspricht. Mit seinem vollen Namen. Das erfordert Mut.

Ja, auch wir Journalisten müssen unser Handeln an Unfallstellen immer wieder hinterfragen. Auf was es dabei ankommt, lernen wir in unserer Ausbildung. Und dennoch verhalten wir uns nicht immer korrekt.

Aber: Aus Fehlern kann man lernen. Das gilt auch für alle, die am Wochenende in Hengsen gegafft haben. Mein Respekt gilt den Ersthelfern – in Holzwickede und überall dort, wo Menschen verunglücken. Alle Neugierigen sollten beim nächsten Mal einfach vorbeifahren. Auch wenn es schwerfällt.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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