Der Fundus wächst und wird bald ausgedünnt: Ein Blick ins Fundbüro der Gemeinde zeigt, dass demnächst eine Versteigerung ins Haus steht.

Holzwickede

, 16.09.2019, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Arbeitsaufwand hält sich für Patrik Büttner, Gemeindemitarbeiter im Bereich Bürgerdienste und Einwohnerwesen, in Grenzen: Aufs Jahr gerechnet landet pro Woche im Schnitt ein Fundstück im Bürgerbüro an der Allee, schätzt Büttner. Mittlerweile ist das Sortiment an gefundenen und abgegebenen Gegenständen aber so groß, dass die Gemeinde noch dieses Jahr eine Versteigerung plant.

Die letzte Fundsachenversteigerung ist mittlerweile schon drei Jahre her. Noch dieses Jahr sollen deshalb gelagerte Gegenstände an den Mann oder die Frau gebracht werden. „Das wird wohl gegen Jahresende passieren“, sagt Torsten Doennges, stellvertretender Fachbereichsleiter Ordnung, Bürgerservice und Soziales.

Die Zeiten des Auktionshammers sind vorbei

Wenn die Gemeinde versteigert, bleibt der Hammer aber stumm. Heutzutage werden Fundsachen meist nur noch digital versteigert. „Eine Versteigerung vor Ort, auf dem Baubetriebshof zum Beispiel – da wäre der Aufwand einfach unverhältnismäßig“, sagt Doennges.

Stattdessen arbeiten viele Kommunen mit einem externen Anbieter zusammen. Dessen recht nüchtern wirkende Plattform listet behördliche Auktionen deutschlandweit auf. So läuft aktuell in der Kreisstadt Unna eine entsprechende Auktion. Ein Blick ins Angebot zeigt Produkte, die Bieter auch in Holzwickede erwarten dürfen: Jede Menge Fahrräder und Handys.

Der Gabentisch im Holzwickeder Fundbüro ist reich gedeckt

Smartphones in allen Variationen und oft in schadlosem Zustand lagern im Fundbüro. © Marcel Drawe

„Fahrräder, Schlüssel, Handys und Schmuck werden meist bei uns abgegeben“, sagt Patrik Büttner. Schlüssel gehen natürlich nicht in die Versteigerung, sondern werden nach einer Frist vernichtet, wenn sich kein Eigentümer meldet. Der Umgang mit Fundsachen ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Ganze 20 Paragrafen befassen sich damit.

Zur Sache

BGB regelt Umgang mit Fundsachen

  • Paragraf 965 im Bürgerlichen Gesetzbuch regelt die Anzeigepflicht eines Finders.
  • Wer eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, hat dem Verlierer oder dem Eigentümer oder einem sonstigen Empfangsberechtigten unverzüglich Anzeige zu machen.
  • Kennt der Finder die Empfangsberechtigten nicht oder ist ihm ihr Aufenthalt unbekannt, so hat er den Fund und die Umstände, welche für die Ermittlung der Empfangsberechtigten erheblich sein können, unverzüglich der zuständigen Behörde anzuzeigen. Ist die Sache nicht mehr als zehn Euro wert, so bedarf es der Anzeige nicht.
  • Im Holzwickder Bürgerbüro kann man sich während der Öffnungszeiten oder unter Tel. (0 23 01) 91 52 22 zu Fundsachen informieren. Aufgelistet sind Fundsachen auch unter www.holzwickede.de

Fundsachen auf Gemeindegebiet werden in der Regel im Bürgerbüro an der Allee 4 abgegeben. Handelt es sich um persönliche Dokumente wie Führerschein oder Ausweis, wird der Besitzer informiert. Auch bei Gegenständen, die eine Zuordnung zum möglichen Besitzer aufweisen, versucht Patrik Büttner die Eigentümer zu erreichen.

Ist das nicht möglich, werden die Gegenstände für sechs Monate eingelagert. Das sieht die gesetzliche Frist vor. Im Anschluss wird der Finder zum Eigentümer – es sei denn, er verzichtet bei Anzeige der Fundsache auf dieses Recht. „Bei Fahrrädern funktioniert das oft nicht, denn die werden meist vom Baubetriebshof eingesammelt“, sagt Torsten Doennges.

Der Gabentisch im Holzwickeder Fundbüro ist reich gedeckt

Fundbüro Gemeinde Holzwickede, Torsten Doennges © Marcel Drawe

„Die abgetragene Jacke oder der vergessene Turnbeutel – das ersteigert natürlich niemand“
Torsten Doennges, stellvertretender Fachbereichsleiter

Wer etwas verloren hat, kann über die Internetseite der Gemeinde ein Portal aufrufen, das aktuell gelagerte Gegenstände mit Fundort auflistet. „Dabei verzichten wir bewusst auf Fotos, da uns etwaige Eigentümer schon glaubhaft die Fundsachen beschreiben müssen“, sagt Doennges.

Kommt es zur Versteigerung, dann werden alle Artikel mit Foto auf der Versteigerungsplattform eingestellt. Mit 50 bis 60 Gegenständen rechnen Patrik Büttner und Torsten Doennges für die nächsten Auktion. Der Bestand im Gemeindebüro spiegelt dabei immer auch ein bisschen den technischen Fortschritt wider: Die meisten Handys sind heutzutage natürlich Smartphones bekannter Marken. Auch Flugdrohnen und Akkus für E-Bikes gehören erst seit wenigen Jahren zum Sortiment.

„Manchmal fragt man sich schon, warum die Menschen die Dinge nicht vermissen“, sagt Torsten Büttner und blickt dabei auf einen einzelnen Akku fürs elektrisch angetriebene Rad – ohne Rad. Auch das Sortiment funktionstüchtiger und meist schadloser Smartphones verwundert. So billig seien die schließlich nicht, als dass man die Option nicht wahrnehmen sollte, mal beim Fundbüro nachzuhorchen.

Der Gabentisch im Holzwickeder Fundbüro ist reich gedeckt

Die gemeine Flugdrohne gehört erst seit wenigen Jahren zur Standard-Fundsache. © Marcel Drawe

Manche Gegenstände eignen sich wiederum nicht zur Versteigerung: „Die abgetragene Jacke oder der vergessene Turnbeutel – das ersteigert natürlich niemand“, weiß Torsten Doennges.

Einen festen Termin für die anstehende Versteigerung gibt es noch nicht. Aber es gibt klare Regeln hierfür. Steht der Auktionsbeginn, informiert die Gemeinde über den Starttermin. Vorab haben alle Interessenten sechs Wochen Zeit, sich die Gegenstände auf der Auktionsplattform anzusehen und sich gegebenenfalls zu registrieren. Mit Auktionsbeginn bleiben dann zehn Tage, um zu bieten.

„Wir peilen die Auktion gegen Jahresende an. Die Adventszeit ist vielleicht die passende Gelegenheit, um günstig ein Geschenk zu ersteigern“, sagt Doennges. Der Erlös aus den Versteigerungen landet am Ende in der Gemeindekasse.

Spende

Räder für Flüchtlinge

Hin und wieder verschenkt die Gemeinde auch Fahrräder an Holzwickeder Flüchtlinge. Hier macht Fachbereichsleiter Torsten Doennges klar: „Das geht, weil die Ankunftszahlen mittlerweile überschaubar sind. Auch gibt es nur ein Mal ein Rad. Geht es kaputt oder verloren, dann gibt es natürlich kein Neues.“
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