Ermöglicht in seinem Geschäft eine digitale Kontaktverfolgung mithilfe der sogenannten Luca-App: der Holzwickeder Apotheker Christian van Bremen. Bisher reagierten seine Kunden auf das Angebot aber eher verhalten. © Marcel Drawe
Coronavirus

Für Erfolg mit der Luca-App „muss es noch einiges an Aufklärung geben“

Die sogenannte Luca-App soll bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie in Holzwickede ein wichtiger Bestandteil werden. Ein örtlicher Apotheker berichtet von seiner bisherigen Erfahrung mit der App.

„Ich würde sagen, es ist noch nicht bei den Menschen angekommen“, sagt Christian van Bremen, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Holzwickede über die sogenannte Luca-App. Der Apotheker bietet in seinem Laden mithilfe der App seit mehreren Wochen eine digitale Kontaktverfolgung an.

Sein bisheriges Fazit fällt zahlentechnisch eher ernüchternd aus: „Wir hatten eine eher geringe Nachfrage“, berichtet van Bremen. Nach seiner Kenntnis haben bislang lediglich zwei Kunden per Luca-App in der Rathaus-Apotheke „eingecheckt“.

Das Procedere der App ist ziemlich leicht erklärt: Wenn man sich irgendwo aufhält, loggt man sich vor Ort auf einem digitalen Endgerät ein. „Luca erkennt dann, dass ein Kunde etwa von 12 bis 12.05 Uhr in der Rathaus-Apotheke unterwegs war. Wenn jemand positiv auf das Coronavirus getestet wurde und zur selben Zeit da war, kann das Gesundheitsamt die Daten abgleichen“, erläutert van Bremen. Das Gesundheitsamt könne dann die möglichen Kontaktpersonen des Corona-Infizierten informieren.

Nur das Gesundheitsamt kann die Daten der Luca-App entschlüsseln

Mit datenschutzrechtlichen Bestimmungen hat van Bremen als Unternehmer kaum etwas zu tun: „Die Daten habe ich als Apotheker nicht. Die liegen verschlüsselt auf dem Luca-Server. Die Daten kann nur das Gesundheitsamt entschlüsseln.“

Der selbstständige Apotheker ordnet aber ein: Sein Geschäft gehöre insgesamt nicht gerade zu den prädestiniertesten Anlaufstellen, an denen die App am meisten Sinn ergibt. Van Bremen ist Mitglied des Gewerbevereins Aktivkreis Holzwickede (AKH), der seit knapp zwei Wochen geschlossen für die Verwendung wirbt. Einige der anderen AKH-Vertreter, so vermutet van Bremen, könnten sich von der Luca App etwas mehr versprechen, insbesondere wo es mehr Besuchsverkehr gibt. Dennoch ist van Bremen der Überzeugung, dass die App auch in seiner Apotheke grundsätzlich sinnvoll ist.

Die geringe Nachfrage in der Rathaus-Apotheke zeige ihm aber, dass die App bisher nicht allzu bekannt sein dürfte: „Wenn das funktionieren soll, dann muss noch einiges an Werbung oder Aufklärung erfolgen“, sagt van Bremen. Die App könne in Zukunft vor allem für Friseurbetriebe oder Lokale, zudem auch auf Veranstaltungen besonders gefragt sein.

Dafür bräuchte es aber gegebenenfalls noch Zeit – und die entsprechende Infektionslage. Wenn Lockerungen zum Beispiel bald ein Bier im Biergarten zuließen, sei die Luca-App eine Möglichkeit der schnellen Kontaktverfolgung, um Infektionsketten zu durchbrechen.

In der Rathaus-Apotheke in Holzwickede können Kunden mit dem Smartphone einen QR-Code einscannen und gewissermaßen digital einchecken. Sie lassen auf diese Weise – in verschlüsselter Form – ihre Daten speichern, die ausschließlich vom Gesundheitsamt entschlüsselt werden können sollen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

„Ich denke, dass sie dann auch an Attraktivität zunimmt, wenn man dann überhaupt wieder irgendwo hin darf und die Menschen einen größeren Nutzen darin sehen. Momentan haben ja nur die Geschäfte auf, die in der gesamten Zeit der Pandemie offen waren.“

„Vorbereitende Maßnahme“: Die Luca-App wird im Bürgerbüro angeboten

Ähnlich sieht das die Gemeindeverwaltung, die ebenfalls verstärkt auf die Luca-App setzen möchte: „Wir sehen die jetzige Installation und Etablierung der App als vorbereitende Maßnahme für eine Zeit, in der die Betreiber unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen können“, sagt Torsten Doennges, stellvertretender Leiter des Holzwickeder Ordnungsamtes. „Denn dann wird insbesondere die zuverlässige und schnelle Kontaktnachverfolgung Schlüssel eines erfolgreichen Infektionsschutzes sein“, ist er sich sicher.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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