Frau will in Holzwickede Miete eintreiben und fühlt sich bedroht

dzGerichtsprozess

Wenn es um Geld geht, hört die Freundschaft bekanntlich oft auf. Wie rau es bei einem Versuch, die Miete einzutreiben, in Holzwickede zuging, ist unklar. Das Geschehen wurde aber ein Fall fürs Gericht.

von Sylvia Mönnig

Holzwickede

, 24.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stoß mit schmerzhaftem Sturz als Folge, angespuckt und eine Todesdrohung: Der Versuch, offene Mieten anzumahnen, soll für eine 65-Jährige in Holzwickede äußerst übel geendet sein. Vor dem Amtsgericht Unna stand es nun Aussage gegen Aussage.

Im Auftrag des Besitzers des Holzwickeder Grundstücks, auf dem sich mehrere Werkstätten befinden, wurde die 65-Jährige am späten Mittag des 24. März aktiv: Sie stattete einem Werkstatt-Betreiber einen Besuch ab, um nach unbezahlten Mieten zu fragen. Das soll dem gar nicht gepasst haben. Laut Anklage spuckte er der Frau ins Gesicht und schubste sie so heftig, dass sie fiel und sich eine Prellung zuzog. Auch, so der Vorwurf, drohte der 37-Jährige: „Ich mache dich kalt.“

Erster Prozess kurios gescheitert

Nun befasste sich der Unnaer Strafrichter mit dem Fall, bei dem es konkret um die Vorwürfe der tätlichen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung ging. Nicht zum ersten Mal: Bereits Ende August sollte die Sache verhandelt werden und scheiterte aus skurrilem Grund. Während der Vernehmung der 65-Jährigen stand die, als der Verteidiger Fragen stellte, plötzlich auf und verschwand. Ohne ihren Anwalt wollte sie nichts sagen. Das Verfahren musste daraufhin ausgesetzt werden und die Zeugin 100 Euro Ordnungsgeld zahlen.

Zweite Verhandlung, diesmal mit Anwalt

Nun also der zweite Anlauf: Erneut bestritt der Angeklagte, in irgendeiner Form gespuckt, geschubst oder gedroht zu haben. So etwas sei nicht vorgefallen. Das mutmaßliche Opfer, diesmal in Begleitung eines Rechtsanwalts und ohne Fluchtinstinkt, bekräftigte die Vorwürfe indes. Und Zweifel, dass es sich um den Angeklagten handelte, hatte die 65-Jährige auch nicht: „Er war das auf jeden Fall.“ Auch betonte sie, die die Pharmaindustrie eigentlich verteufelt und auf Kräuter schwört, nach dem Vorfall überall Schmerzen gehabt und sogar eine Paracetamol genommen zu haben.

Zeugin erscheint glaubwürdig

Sicherlich, es gab einige Widersprüche in ihrer Aussage – beispielsweise, was die Kleidung des Angeklagten am Tattag betraf oder gegen wen sich die Drohung im Einzelnen richtete. Der Vertreter der Anklage brachte es jedoch auf den Punkt: „Ich habe nicht den Eindruck, dass uns die Geschädigte hier etwas Falsches erzählt.“ Und auch der Richter verhehlte seine Überzeugung nicht: „Ich habe nicht den Eindruck, dass uns die Frau hier etwas vorspielt.“ Er regte an, das Verfahren gegen 500 Euro zugunsten der 65-Jährigen einzustellen. Dem stimmte der Angeklagte nach einem langen Gespräch mit seinem Anwalt zu.

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