Förderverein zum Erhalt der Kellerkopfdenkmals steht vor einer ungewissen Zukunft

Kaum aktive Mitglieder

Das ausgefallene Friedensfest zu Pfingsten könnte nur ein Vorzeichen für die schwierige Zukunft des Fördervereins sein. Den Kellerkopf-Unterstützern fehlt eine aktive Nachwuchsgeneration.

Holzwickede

, 26.06.2019 / Lesedauer: 4 min
Förderverein zum Erhalt der Kellerkopfdenkmals steht vor einer ungewissen Zukunft

Die Schmierereien am Kellerkopfdenkmal verschandeln den Ort seit geraumer Zeit. Wie es mit dem Förderverein, der das Denkmal pflegt, weitergeht, ist aktuell offen. © Udo Hennes

Dass das Kellerkopfdenkmal in Hengsen junge Leute nicht interessiert, kann man nicht sagen. Es ist durchaus ein Anziehungspunkt, wenn auch nicht im gewünschten Sinne. So ist es erst gut drei Wochen her, dass eine Gruppe Jugendlicher vor Ort zu laut feierte. Die Polizei im Kreis Unna bestätigt auf Nachfrage einen Einsatz am Mittwoch, 6. Juni. „Da wurde uns gegen 20 Uhr eine Horde junger Leute gemeldet, die grölen und laut Musik hören“, so der zuständige Polizeisprecher. Daraufhin seien Kollegen vor Ort gewesen, um die Party aufzulösen – nicht zum ersten Mal in der Vergangenheit.

Gerufen wurden die Beamten von Anwohner Harald Vidrik. 2003 haben er und seine Frau die ehemalige Gaststätte Pampus gekauft und über die Jahre in Eigenregie saniert. Vidrik ärgert sich über die Zustände am Denkmal. Auch Mertins Argumente aus der Vergangenheit, dass man die Schmierereien am Denkmal wegen des empfindlichen Gesteins nicht entfernen könne, hält er für vorgeschoben. „Dann könnte man andere Denkmäler auch nicht von Schmierereien befreien.“ Als Anwohner erlebe er die direkten Einflüsse, die die Vernachlässigung mit sich bringt. „Wir müssen immer wieder die Polizei rufen“, sagt Vidrik und bezieht sich auf Feiern von Jugendlichen am Denkmal.

Alter macht sich im Förderverein bemerkbar

Dem Erhalt und der Pflege des Denkmals hat sich seit mehr als 40 Jahren der Förderverein des 130er-Denkmals verschrieben. Nur beschränkt sich dieses Engagement momentan auf ein Mindestmaß. Das hat Gründe. Zum einen werden die Mitglieder immer älter. Steht ein Termin wie das Friedensfest an Pfingsten an, wird es schwierig, genügend Helfer zu finden. Deshalb fiel das Friedensfest erstmals seit 1978 dieses Jahr aus. „Fakt ist, dass alle älter werden. Der Zustand des Vereins momentan ist aber nicht zufriedenstellend“, sagt Hengsens Ortsvorsteher Friedrich-Wilhelm Schmidt, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört.

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Direkter wird Kellerkopf-Anwohner Harald Vidrik: Der Verein hat über 200 Mitglieder und keiner kümmert sich“, sagt Vidrik wohlwissend, dass in Friedhelm Brune zumindest ein Vereinsmitglied regelmäßig am Kellerkopf kleineren Pflegearbeiten nachkommt. „Meist schaue ich einmal im Monat, fege Laub, sammele Papier und Flaschen ein“, sagt Brune. Für seinen Dienst bekommt er vom Verein eine kleine Entschädigung. Unrat finde er bei jedem Besuch. Dass der vom Verein maximal monatlich durch Brune entfernt wird, ist für Vidrik zu wenig. „Von Pflege und Erhalt kann aktuell keine Rede sein“, sagt er.

Nicht-Vereinsmitglied Vidrik spricht davon, dass immer mehr Mitglieder dem Verein den Rücken kehren würden – und das liege in erster Linie am Verhalten des Vorsitzenden Hartmut Mertin, der selbst kaum mit anpacke und die Arbeit der Helfer mitunter abschätzig kommentiere. Vidrik würde sich wünschen, dass der Verein wieder aktiver wird. Er sagt aber auch: „Wenn Herr Mertin nicht zurücktritt, passiert da gar nichts mehr.“

Vorsitzender würde Generationenwechsel gerne einleiten

Für den Vereinsvorsitzenden wäre das an sich kein Problem: „Ich würde den Vorsitz gerne abgeben, wenn sich ein jüngerer Nachfolger finden würde. Das habe ich alles schon angeboten“, sagt Hartmut Mertin, der auf Vidriks Vorwürfe nur bedingt eingehen möchte. „Ich habe keine Lust auf Streit mit einem Meckerkopf. Als Nicht-Mitglied kann ich mich immer leicht hinstellen und kritisieren“, sagt Mertin. Auch Vidrik stehe es frei, dem Verein beizutreten. „Dann kann er auch was bewegen“, sagt Mertin. Wer mit beiden spricht, merkt schnell: Harald Vidrik und Hartmut Mertin halten wenig voneinander.

Kellerkopfdenkmal

Erinnerung und Mahnmal an kriegerische Zeiten

Das Kellerkopfdenkmal in Hengsen wurde zwischen 1926 und 1929 errichtet und erinnert an gefallene Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Ehemalige des 1. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 130 finanzierten das Denkmal einst und würdigten so ihre in Frankreich gefallenen Kameraden. Der Soldat mit dem Gewehr bei Fuß ist dabei Ausdruck des damaligen Zeitgeistes und darf heute durchaus kritisch vor diesem Hintergrund betrachtet werden. Umso unsinniger sind die bekannten Schmierereien mit Bezug auf Stalingrad und den Zweiten Weltkrieg zu werten. Laut dem Vorsitzenden Hartmut Mertin können die Graffiti nicht ohne Weiteres entfernt werden, da der poröse Tuffstein empfindlich auf Chemikalien reagiere.

Dass der Verein vor schwierigen Zeiten steht und einen Generationenwechsel vollziehen muss, sieht auch der langjährige Vorsitzende. „Mehr als 30 Jahre lang konnten wir schöne Friedensfeste feiern, haben sich die Leute eingebracht. Aber das sei bei der nachfolgenden Generation nicht mehr so. Arbeit, Familie, Hobbys - die Motivation fehlt“, sagt Mertin. So habe er vor dem letztlich ausgefallenen Friedensfest 70 potenzielle Helfer angeschrieben. „Da kommt nicht mal mehr eine Antwort.“

Im Februar wurde Mertin als Vorsitzender des Vereins bestätigt. Außer ihm besteht der Vorstand noch aus einem Schriftführer und einem Kassierer. Für Mertin ist klar, dass sich die Zukunft des Vereins in den kommenden beiden Jahren entscheidet. „Aussagen wie von Herrn Vidrik bringen uns dabei nicht weiter. Wir müssen daran arbeiten, die Mitglieder wieder zu aktivieren“, sagt Mertin. In einem ersten Schritt soll es wieder einen regelmäßigen Stammtisch geben. Im September vor 90 Jahren wurde das Denkmal übrigens eingeweiht. Eine Veranstaltung wird es dann laut Hartmut Mertin nicht geben.

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