Seit Monaten zieht sich der Streit um die Flüchtlingsunterkunft an der Bahnhofstraße schon hin. Die Gemeinde möchte nicht auf den Kosten vermeintlicher Baumängel sitzen bleiben – und droht mit rechtlichen Konsequenzen.

Holzwickede

, 25.10.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Jahre sind die Flüchtlingsunterkünfte an der Bahnhofstraße alt. Der Zustand der Holzbauten, die im Zuge der großen Flüchtlingsströme von 2015 und 2016 für rund eine Million Euro gebaut wurden, ist äußerst schlecht. Der Knackpunkt: In rund der Hälfte der insgesamt 20 Wohneinheiten gibt es ein Problem mit Feuchtigkeit. Böden quollen auf. Schimmel bildete sich.

Für alle Beteiligten ist klar: Solche Zustände sind den Bewohnern nicht zuzumuten. Problematisch ist allerdings die Schuldfrage: Seit Bekanntwerden des Schadens rund ein Jahr nach dem Bezug der Häuser läuft ein außergerichtlicher Streit zwischen der Gemeinde und der zuständigen Baufirma M.P. Bud. Am 14. Juni ist eine Frist ausgelaufen, in der die Baufirma aufgefordert wurde die Mängel zu beheben. Nicht die erste Frist, die die Gemeinde der Firma gesetzt hat.

DIE KONSTRUKTION

HOLZ AUF STAHLTRÄGERN

Der Aufbau der Unterkünfte besteht aus Stahlträgern, auf die wiederum Holzbalken montiert wurden. Zwischen den Stahlträgern liegen zementgebundene Faserplatten. Über einer Dämmschicht und unter Grobspanplatten – als letzte Schicht unter dem Linoleumboden – wurde wiederum eine Folie eingebracht. Die sorgt laut Gutachter dafür, dass Feuchtigkeit, beispielsweise durch Kondensation in den Eingangsbereichen, nicht entweichen kann.

Reihenweise Fristen abgelaufen

Eine Antwort auf das Schreiben hatte die Verwaltung aber schon im Vorfeld nicht erwartet. Wie Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch im Juni ankündigte, plante man selber tätig werden zu wollen. Das ist auch geschehen. Zumindest im Groben hat die Gemeinde einen Teil der Mängel selbst beseitigt. Die dabei entstandenen Kosten möchte sie der Baufirma in Rechnung stellen.

Ansonsten pocht die Gemeinde weiterhin darauf, dass die Firma noch die gesamten Mängel beseitigt. Wie Holzwickedes Erster Beigeordneter Bernd Kasischke erklärte, ist das allerdings nach wie vor nicht abzusehen. Und so geht der Zwist um die verkorksten Gebäude in eine neue Runde.

Feuchtigkeit in Flüchtlingshäusern: Dann sieht sich die Gemeinde gezwungen, zu klagen

In einer der Wohneinheiten wurde der Boden geöffnet, um den Schaden gutachterlich aufzunehmen. Laut Gutachter sammelt sich durch die gelbe Folie das Wasser in den Böden. © Greis

Baufirma sieht Fehler ein, weigert sich aber, Mängel zu beheben

Zur Erinnerung: Die zuständige Baufirma sieht zwar einen Fehler beim Bau der Unterkünfte ein, weigert sich aber den Mangel so zu beheben, wie es ein Gutachten, das im Auftrag der Gemeinde erstellt wurde, vorsieht.

Während der Streit immer neue Wellen schlägt, bereitet sich die Gemeinde daher insgeheim auf einen möglichen Rechtsstreit vor, sollte sich an der Haltung von M.P. Bud nichts ändern. Wie Kasischke klar machte, schreckt die Gemeinde vor rechtlichen Schritten nicht zurück. Dass sich der Zwist schon so lange hinzieht, ist für ihn kaum noch hinnehmbar: „Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Wenn ich einen Schaden feststelle, dann möchte ich auch etwas dagegen unternehmen.“

Warum die Gemeinde mit Blick auf die Dauer des Streits noch nicht vor Gericht gezogen ist, beantwortete Kasischke mit taktischen Beweggründen. Bevor die Gemeinde über eine Klage nachdenken würde, müssten noch einige Dinge geklärt werden.

„Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Wenn ich einen Schaden feststelle, dann möchte ich auch etwas dagegen unternehmen.“
BERND KASISCHKE, ERSTER BEIGEORDNETER DER GEMEINDE

Vollständige Summe wird nicht verraten

Im nichtöffentlichen Teil des vergangenen Bauauschusses stand das Thema dann erneut auf der politischen Tagesordnung. Dort diskutierten die Fraktionen über das Problem. Über die Summe, die für eine vollständige Herrichtung der Flüchtlingsunterkünfte nötig wäre, wollte Kasischke auf Nachfrage unserer Redaktion keine Angaben machen.

Das habe ebenfalls taktische Gründe, falls der Streit tatsächlich in einem Gerichtsverfahren gipfeln könnte. Sollte sich im Zuge dessen nämlich herausstellen, dass besagte Summe noch nach oben hin korrigiert werden müsse, könnte das möglicherweise gegen die Gemeinde verwendet werden. Kasischke beteuerte, in dieser Sache im Interesse der Gemeinde zu handeln.

Kasischke weist Vorwürfe von sich

Von einem Vorwurf der Verschleierung des Schadensausmaßes möchte er nichts wissen: „Das ist vollkommener Unsinn. Irgendwann stehen all diese Zahlen in einem Jahresbericht. Und spätestens dann muss ich die Hose sowieso runterlassen“, betont er.

„Irgendwann stehen all diese Zahlen in einem Jahresbericht. Und spätestens dann muss ich die Hose sowieso runterlassen.“
Bernd Kasischke, Erster Beigeordneter der Gemeinde

Kasischke hofft, dass die Firma doch noch einknickt und die Mängel beseitigt. Für ihn geht es in dieser Sache um Gerechtigkeit. Wobei der Beigeordnete auch weiß: „Recht zu haben, heißt nicht automatisch auch Recht zu bekommen.“ Der Streit droht also in die Verlängerung der Verlängerung zu gehen.

„Es kamen mehrere dutzend Menschen im Monat“

Ein grundsätzliches Problem des Baus war sicherlich die Tatsache, dass die Gemeinde vor drei Jahren nicht auf die überaus hohe Zahl der Asylanträge vorbereitet war. „Es kamen mehrere dutzend Menschen im Monat“, sagt der Beigeordnete. Um nicht auf noch weitere Sporthallen oder ähnliches als Unterkunft zurückgreifen zu müssen, habe sich die Gemeinde damals auf diese Übergangslösung geeinigt.

Das sei auch der Grund dafür, weshalb die Verwaltung kein Interesse daran hat, allzu viel Geld in die Holzhäuser zu stecken. Sie seien nicht für die Ewigkeit bestimmt. Dass sie langfristig dort stehen bleiben würden, sei eben nicht zu erwarten.

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