Ein Landesprojekt wird in Holzwickede konkret: Ein eigenes Konzept soll den Austausch sozialer Akteure verbessern und so Lücken beim Jugendschutz schließen. An der Hauptstraße könnte ein Baustein dafür bald sichtbar werden.

Holzwickede

, 04.06.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Jugendamt im Kreis Unna, die Gemeinde, Schulen, Kindertagesstätten, Vereine, Ärzte, Jobcenter, das Kommunale Integrationszentrum – viele Akteure, viele Ansprechpartner, viele Angebote. Geht es um das Kindeswohl ist es für Eltern nicht immer einfach, die Übersicht zu behalten. Unter den beteiligten Akteuren wiederum fehlt mitunter die Vernetzung, um im Zweifelsfall eine schnellen Austausch untereinander zu gewährleisten.

Hier setzt ein Modellprojekt der NRW-Landesregierung an, das nun auch in Holzwickede Fahrt aufnehmen soll. In Zusammenarbeit mit dem Kreis Unna sind Verwaltung, Politik und soziale Akteure gefordert, ein Konzept zu erarbeiten, um beim Jugendschutz Lücken in der Präventionskette zu schließen. Das Kreisjugendamt, zuständig für Holzwickede, Fröndenberg und Bönen, verantwortet dabei das Konzept für die drei Kommunen, das aktuell bereits auf einer 37-seitigen Grundlage beruht und in den kommenden Monaten auf die Holzwickeder Bedürfnisse angepasst werden soll.

Die Lücken in der Präventionsarbeit hat Katja Schuon, Leiterin des Fachbereichs Familie und Jugend beim Kreis, bereits ausgemacht: „Bestehende Angebote werden aktuell nicht genutzt, wir brauchen eine bessere Versorgungsstruktur zum Aufbau frühkindlicher Bindung, müssen die Ärzte besser einbinden, belastete Jugendliche im Übergang von Schule in den Beruf mehr unterstützen.“

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Eine Arbeitsgruppe soll nun erörtern, welchen Schwerpunkt die Gemeinde hier zunächst setzen will. In Fröndenberg ist man hier einen Schritt weiter, eine entsprechende Gruppe hat hier bereits den Schwerpunkt auf die Zeit zwischen Geburt und Betreuung in den Kindertagesstätten gesetzt. Eine Maßnahme, die demnächst in Holzwickede umgesetzt werden soll, würde zumindest dafür sprechen, auch in der Emscherquellgemeinde ähnlich vorzugehen: Im Sommer soll ein Familienbüro eingerichtet werden.

Eine halbe Stelle für jedes Familienbüro

Aktuell ist das für Holzwickede, Fröndenberg und Bönen in Unna verortet. Fachkraft Ulrike Schulze-Altcappenberg hat hier ihren Sitz. Eltern kommen mit ihr meist nach der Geburt durch den Neugeborenenbesuchsdienst in Kontakt. Da Schulze-Altcappenberg im Sommer in den Ruhestand wechselt, wird ihr volle Stelle künftig um eine halbe aufgestockt, um jeweils mit halber Stelle die Familienbüros in den drei Orten zu bedienen. „Zusätzlich können auch Kräfte der psychologische Beratungsstelle oder anderer Institutionen hier vertreten sein“, sagt Katja Schuon.

KONZEPT

15.000 Euro für die Ausstattung der Familienbüros

Der Kreis Unna stockt das Familienbüro effektiv um eine halbe Stelle auf. Der ausscheidenden Fachkraft Ulrike Schulze-Altcappenberg sollen ab Sommer drei Fachkräfte mit je einer halben Stelle nachfolgen. Für die zusätzliche halbe Stelle sind in diesem Jahr 21.750 Euro (6 Monate) im Kreishaushalt eingestellt; zudem 15.000 Euro für die Ausstattung aller drei Büros in Fröndenberg, Bönen und Holzwickede.

Grundsätzlich sollen die Familienbüros ein niedrigschwelliges Angebot sein, um frühzeitig beraten und helfen zu können. „Man muss nicht sofort an Kindeswohlgefährdung denken. Wir wollen mit den Büros eine positive Einstellung gegenüber den Hilfsangeboten fördern“, sagt Schuon. Im Familienbüro müsse niemand befürchten, dass das Jugendamt einschreitet. „Was mache ich, wenn das Kind viel weint, ständig Fernsehen schauen will – auch um solche Fragen geht es“, sagt Schuon. Zudem können die Kräfte vor Ort auf weitere Angebote und Stellen verweisen, um Eltern zu unterstützen.

Für Holzwickede sind hier aktuell die ehemaligen Räume des HSC-Points an der Hauptstraße 28 im Gespräch. Eine Lösung wie in Kamen, wo das Familienbüro in der Villa FIB aufging, ist für den Treffpunkt Villa als kreiseigene Einrichtung indes nicht möglich. „Das wurde geprüft, aber das Gebäude ist nicht barrierefrei zugänglich“, sagt Holzwickedes Erster Beigeordneter Bernd Kasischke.

Familienbüro wird der nächste Baustein für besseren Jugendschutz

Der HSC hat seine Geschäftsstelle an der Hauptstraße 28 zugunsten neuer Räume an der Hauptstraße 47 aufgegeben. Hier könnte demnächst das Holzwickeder Familienbüro einziehen. © Greis

Weitere Bausteine nach einem Familienbüro könnten in Zukunft eine verstärkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei politischen Entscheidungen sein. Auch ein datenbasiertes Präventions- und Gesundheitsmanagament wäre eine Maßnahme. „Wir brauchen einfach verlässliche Zahlen zu Kindern und Familien, die Unterstützung brauchen“, sagt Schuons Kollegin Monika Thünker.

Arbeitsgruppe soll Schwerpunkte setzen

Nachdem die beiden Vertreterinnen des Kreises am Montagabend im Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung die Ausgangslage für Holzwickede mit bestehenden Angeboten und Lücken in der Präventionskette dargelegt haben, sieht Schuon nun die Gemeindeverwaltung am Zug. „Wir haben den Aufschlag gemacht“, sagt Schuon. Nun sei es an der Verwaltung zu überlegen, welche Akteure in einer Arbeitsgruppe ihre Schwerpunkte und Ideen einbringen sollen. Schuon wolle diesbezüglich nochmals den Kontakt zum Ersten Beigeordneten suchen, um das weitere Vorgehen zu klären. Kasischke machte indes klar, dass Konzept und Umsetzung zwingend notwendig seien, da man nur so den gesetzlichen Anforderungen an den Kinder- und Jugendschutz nachkomme.

Ob sich in puncto Arbeitsgruppe über die Sommerpause noch etwas tut, ist offen. Der nächste Ausschuss für Familie und Jugend tagt erst wieder im Oktober.

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