Falscher Testkäufer zettelt Zaziki-Streit im Supermarkt an

dzGerichtsverhandlung

Angeblich war das Zaziki abgelaufen: Das wollte ein Testkäufer einem Holzwickeder Supermarkt nicht durchgehen lassen. Das Problem dabei: Der Mann war weder Testkäufer noch das Zaziki abgelaufen.

von Jana Peuckert, Christian Greis

Holzwickede

, 14.01.2020, 10:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gleich zweimal an einem Tag hatte der Angeklagte im vergangenen Sommer im Rewe-Markt an der Stehfenstraße die Aufmerksamkeit auf sich gezogen und landete deshalb zu Wochenbeginn wegen Hausfriedensbruch vor dem Unnaer Amtsgericht.

Hier bestritt der 39-jährige Hagener zunächst die Vorwürfe als gar nicht wahr. Am Tag der Tat sei er als Testkäufer in dem Supermarkt unterwegs gewesen. Er habe die Angestellten auf abgelaufenes Zaziki aufmerksam gemacht, was den Mitarbeitern nicht gepasst habe. Daraufhin hätte er ein Hausverbot erteilt bekommen und den Laden verlassen sollen. Was er auch getan habe. So schilderte es der Angeklagte vor Gericht.

Und weiter: Da ihn zwei Mitarbeiter verfolgt hätten, habe er sogar zunächst seinen Roller auf dem Parkplatz stehen gelassen. Erst nach etwa 20 Minuten sei er zum Markt zurückgekehrt, um sein Gefährt zu holen. Laut Anklageschrift hatte der Mann das Geschäft trotz Hausverbotes erneut betreten und Ärger gemacht.

Mehrere Vorstrafen wecken kein Vertrauen beim Richter

Er beteuerte indes: Es habe kein zweites Mal gegeben. Und auch bei seinem ersten Besuch habe er keinen Hausfriedensbruch begangen, weil das Hausverbot da ja erst ausgesprochen worden sei, erklärte der 39-Jährige.

Mit Vorstrafen wegen Betrugs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Diebstahls und mit einigen Monat Hafterfahrung hatte der Angeklagte keinen leichten Stand. Der Richter hegte Zweifel an der Aussage des 39-Jährigen, weshalb es keinen Freispruch gab.

Der Vorsitzende stellte stattdessen eine Verfahrenseinstellung in den Raum. Mit dessen Annahme würde der Angeklagte eingestehen, dass etwas an dem Vorwurf dran war. „Eine Einstellung ist der Freispruch zweiter Klasse. Da sage ich nicht nein“, zeigte sich der Verteidiger des Angeklagten im Namen seines Mandanten mit der Lösung einverstanden. Als Auflage muss der Frührentner mit einem monatlichen Einkommen von 400 Euro nun 360 Euro Geldbuße zahlen.

Zaziki gehörte zum reduzierten Warenangebot

Beim betroffenen Rewe-Markt erinnert sich ein Mitarbeiter an den Vorfall. Auf Nachfrage der Redaktion versichert man hier, dass das Zaziki definitiv nicht abgelaufen war. Es wurde nach Vorschrift im Bereich für reduzierte Waren angeboten, die einige Tage vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegen. „Der stand dann im Gang und hat Alarm gemacht, wir würden eine Straftat begehen“, erinnert sich der Mitarbeiter. Also habe man ihn des Marktes verwiesen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gedenktag für Holocaust-Opfer
Holzwickeder Recherche-Gruppe zu NS-Opfern setzt Zeichen gegen Rassismus und Vergessen
Hellweger Anzeiger Treffpunkt Villa
Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung
Hellweger Anzeiger Bezahlbarer Wohnraum
Flüchtlingshäuser an der Bahnhofstraße abreißen – dafür mehr zentrumsnahe Wohnungen