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Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz schwört Holzwickeder auf Europa-Wahl ein

Jahresempfang der SPD

Er brauchte ein paar Minuten, um warm zu werden, dann legte der Bundestagsabgeordnete Martin Schulz am Samstag in Holzwickede ein emotionales Plädoyer für die EU hin - und warnte vor dem Zerfall.

Holzwickede

, 18.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz schwört Holzwickeder auf Europa-Wahl ein

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Schulz warnte vor dem Zerfall der EU, wenn nationalistische Kräfte an Macht gewinnen. © Borys Sarad

Fünf Jahre lang war Martin Schulz Präsident des Europäischen Parlaments, saß zuvor bereits seit 1994 für die SPD im Abgeordnetenhaus mit Sitz in Straßburg. Nach dem Wechsel in die Bundespolitik und dem katastrophalen Ausgang der Bundestagswahl 2017 ist Schulz nur noch Bundestagsabgeordneter. Wichtige Funktionen in der SPD hat er nicht mehr.

Für Schulz bedeutet das aber auch: Er hat Zeit für Europa. Die müsste er sich nicht nehmen, die Wahlen am 26. Mai haben keinerlei Einfluss auf seine politische Karriere. Martin Schulz ist auf Tour, weil es ihm ernst ist mit Europa. Das wird beim Jahresempfang der SPD im Forum des Schulzentrums deutlich.

Martin Schulz sieht drei große Gefahren für Europa

Bei den anstehenden Wahlen gehe es nicht allein um die Zusammensetzung des künftigen EU-Parlaments. „Es geht darum, ob nationalistische Parteien stärker werden, oder diejenigen die Oberhand behalten, die für den europäischen Gedanken stehen - für wirtschaftliche, kulturelle und soziale Zusammenarbeit.“

Schulz nannte am Samstagmorgen drei große Gefahren für die EU: Eine USA, die unter Trump nach dem Prinzip handele: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Einen staatsgelenkten Turbokapitalismus wie ihn Xi Jinpings China forciert. Und die populistischen und nationalistischen Kräfte, die sich innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten formiert haben. „Kommen die an die Macht, wird Europa abgewickelt und zerschlagen“, warnte Schulz.

Nach seiner Logik können die Weltmächte USA und China der EU nur gefährlich werden, wenn die dritte Gefahr an Macht gewinnt. Schulz erinnerte an die beiden Hälften des vergangenen Jahrhunderts. „Wollen wir die Wiederholung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts? Wir müssen für die zweite Hälfte kämpfen!“ Diese Hälfte brachte 70 Jahre Frieden und Wohlstand. „Was hat mein Leben geprägt? Mehr! Ich hatte immer mehr. Mehr Demokratie, mehr soziale Sicherheit, mehr Freiheit, mehr Einkommen, mehr Rechte, mehr Informationen. Wir hatten immer mehr. Und jetzt denkt daran, was eure Eltern und Großeltern hatten“, sagte Schulz.

„Das ist die Rhetorik Goebbels und das hat schon mal ein Republik zerstört.“
Martin Schulz, SPD-Bundestagsabgeordneter

Und er teilte eine Beobachtung aus dem Bundestag mit seinen knapp 200 Gästen, die vor der Wahl wachrütteln sollte: „Spricht die AFD, egal wer, kommen in jeder Rede drei Begriffe vor, die sind darauf geschult: Migrant, linksgrün-versifft, Lügenpresse. Und jetzt ersetzt das durch eine Religionsgemeinschaft, Bolschewismus und Systempresse. Das ist die Rhetorik Goebbels und das hat schon mal eine Republik zerstört.“ Schulz‘ Rede war packend: Als er nach rund 45 Minuten eilig zum nächsten Termin aufbrach, verabschiedete ihn das Publikum klatschend und stehend.

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