Kita-Standort, Rathausumbau, Gemeindewerke – 2018 ist einiges passiert. Viel hat funktioniert, manches lief schleppend. Im Interview blickt Bürgermeisterin Ulrike Drossel zurück und voraus.

Holzwickede

, 28.12.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frau Drossel, welche Entwicklung in der Gemeinde hat Sie im vergangenen Jahr besonders gefreut?

Es hat mich gefreut, dass wir Veränderungen in der Verwaltung vorgenommen und viele Projekte abschließen konnten. Insgesamt wurde in den vergangenen drei Jahren der komplette Verwaltungsvorstand und bis auf einen Fachbereich auch die Fachbereichsleitung neu besetzt. Wir hatten die Chance, ein neues Team aufzustellen, um zielorientiert zu arbeiten. Und es darf auch gelacht werden.

Von welcher Entscheidung versprechen Sie sich für die Bürger in Zukunft einen Mehrgewinn?

Gut funktioniert hat zusammen mit der Politik die Gründung der Gemeindewerke. Wenn Strom, Gas und Wasser künftig aus einer Hand kommen, profitieren die Bürger. Wir bekommen Spielraum für die Vermarktung unserer eigenen Produkte. Die Bürger sollen das durch günstige Konditionen und guten Service merken. Das gilt auch für die interkommunale Abfallbewirtschaftung zusammen mit Bönen und Kamen als Anstalt des öffentlichen Rechts sind wir nicht Mehrwertsteuerpflichtig und können das direkt an die Kunden weitergeben.

Weniger gut lief die Entscheidungsfindung zum Kindergarten in der Gemeindemitte. Hat es Sie überrascht, wie gespalten die Meinungen der Holzwickeder dazu sind?

Nachdem der Ratsbeschluss zum Platz von Louviers durch drei Parteien gekippt wurde, stand für alle Beteiligten über den Sommer zunächst viel Arbeit durch den neuen Bebauungsplan an. Als dann Bürger und Umweltschützer in die Diskussion eingestiegen sind, wurde es sehr schwer. Am Ende zählen aber die politischen Mehrheiten. Das muss man deutlich sagen und die Stimme der Bürgermeisterin ist nur eine von 41 im Rat.

Hätten Sie als Bürgermeisterin präsenter sein, die Thematik moderieren müssen?

Es ist meine Aufgabe, Probleme anzugehen. Aber mir war immer klar, dass das Grundstück auf den Platz von Louviers auch von der Größe her gepasst hätte. Und das kommt nicht von mir sondern von den zuständigen Architekten.

Hadern Sie jetzt noch mit dem Standort auf der Grünfläche im Emscherpark?

Meine persönliche und auch die Meinung der Verwaltung: Der Platz von Louviers wäre schon wegen der verkehrlichen Anbindung der bessere Standort gewesen. Ich sage aber klar: Ich bin froh, dass wir einen Standort gefunden haben.

„Es ist eine Win-win-Situation, wenn wir Projekte gemeinsam entwickeln“

Bürgermeisterin Ulrike Drossel bedauert das politische Gezerre rund um den künftigen Kita-Standort, sieht aber auch viele gute Projekte in der Gemeinde. © Borys P. Sarad www.borys-sarad.d

Zeigt die Diskussion zur Kita, dass es vor allem alteingesessenen Holzwickedern schwerfällt, wenn sich das Gemeindebild wandelt?

Grundsätzlich sind die Holzwickeder Veränderungen gegenüber sehr wohl aufgeschlossen. Das merken wir an kulturellen Angeboten, aber auch an baulichen Veränderungen, zum Beispiel an der Allee, durch den Rathausumbau, den Mehrgenerationenspielplatz, die Multisportanlage. Das wird ja positiv angenommen.

Abseits des Kita-Standortes: Was war die größte Herausforderung im Jahr 2018?

Das Rat- und Bürgerhaus ist und wird eine Herausforderung, für die wir mit dem Rat, dem Architekturbüro aber auch mit der Bürgerschaft intensiv in die Planungen gegangen sind.

Die bisherigen Planungen, die Finanzierung – damit geht man bislang in der Verwaltung sehr transparent um. Das brachte Ihnen Lob durch die Politik ein. Eine Blaupause für künftige Projekte?

Ja. Das Projekt wird auch von der Bürgerschaft gut aufgenommen. Es ist eine Win-win-Situation, wenn wir Projekte gemeinsam entwickeln.

„Es ist eine Win-win-Situation, wenn wir Projekte gemeinsam entwickeln“

Der Bürgersaal im umgebauten Rathaus soll ein Anlaufpunkt für alle Holzwickeder werden. © RENDERBAR für Bez+Kock Architekt

Welche Schwerpunkte legen Sie des Weiteren auf das kommende Jahr?

Die Digitalisierung ist für die Gemeinde und die Schulen das Thema. Wir wollen in der Verwaltung unseren Online-Service ausbauen. Ummeldungen könnten dann zum Beispiel online erfolgen. Zudem müssen wir die Schulen entsprechend mit Geräten ausstatten.

Wie garantieren Sie den nötigen Service?

Die Gemeinde hat ihre eigenen IT-Mitarbeiter. Im Sommer kommt hier noch eine weitere Ausbildungsstelle hinzu. Die Schulen werden über externe Dienstleister betreut. Und die Schultafel wird es auch in Zukunft noch geben.

Worauf kann sich der gemeine Holzwickeder konkret freuen?

Durch das Kulturentwicklungskonzept werden schon 2019 erste Neuerungen greifen. Wir wollen die Vereine einbinden, die Rahmenbedingungen setzen und wünschen uns, dass sich die Aktiven auch einbringen.

Und der Emscherquellhof wird 2019 tatsächlich für die Öffentlichkeit geöffnet?

Auch hier wird sich im Rahmen des Kulturkonzeptes einiges tun. In 2019 dürfen wir mit Aktivitäten rechnen.

„Es ist eine Win-win-Situation, wenn wir Projekte gemeinsam entwickeln“

Zuletzt wurde der Eingang zum Emscherradweg an der Schäferkampstraße ausgebessert. 2019 soll geplant werden, wie der Weg von hier aus angenehmer gen Gemeindemitte verlaufen kann. © UDO HENNES

Die Emschergenossenschaft hat kürzlich angedeutet, dass sich beim Emscherradweg etwas tut...

Wir waren im Sommer mit einem Planungsbüro und der Emschergenossenschaft vor Ort. Im ersten Halbjahr werden wir dem Kreis Unna die neuen Pläne vorlegen, damit wir die Verkehrsführung ab Schäferkampstraße zur Gemeindemitte und zum Quellhof verbessern können.

Bei den genannten Zielen kann sich die Gemeinde aktiv einbringen. Welchen Einfluss hat man indes beim A40-Umbau oder dem lange gewünschten Durchstich unterhalb der Bahngleise?

Der Durchstich liegt mir langfristig sehr am Herzen, um mehr Parkraum und kürzere Wege für Pendler und Fußgänger zu schaffen. Aber die Bahn hat rund 300 eigene Gesellschaften, die miteinander arbeiten müssen. Das ist schwer und wir können nur immer wieder Gespräche führen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Der A40-Ausbau wird sicher eine Herausforderung für Holzwickede, die wir kaum beeinflussen können.

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