Es tut sich seit vergangenem Jahr viel rund um die Kinderbetreuung in Holzwickede. Zwei Kitas sind im Bau, eine weitere wird folgen. Nur die Umsetzung, die dauert länger, als es der Bedarf erfordert.

Holzwickede

, 25.06.2020, 19:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für August und zum Start ins neue Kindergartenjahr war eigentlich die Eröffnung der Awo-Kita „Sonnenschein“ am Emscherpark vorgesehen. Unter der Woche teilte Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch im Fachausschuss jedoch mit: Die Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) als Bauträger rechnet mit Verzögerungen. Details und einen neuen Eröffnungstermin nannte man von Verwaltungsseite nicht.

Auf Anfrage dieser Redaktion geht UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer ins Detail. Er bestätigt, dass man den anvisierten Eröffnungstermin nicht wird halten können. Ein Bezug im September sei aber angestrebt. „Uns fehlt der Strom. Den Anschluss legt die Westnetz. Wir haben ihn rechtzeitig beantragt, aber erst ab Mitte Juli ist der Anschluss absehbar“, sagt Fischer. Laut UKBS habe Westnetz bei der Bearbeitung von Aufträgen mit Einschränkungen durch das Coronavirus zu kämpfen.

Westnetz weist die Schuld an der Verzögerung von sich

Das wiederum weist man auf Anfrage dieser Redaktion beim Versorger zurück. „Mit Corona hat das nichts zu tun“, sagt Westnetz-Sprecherin Maren Frisch. Vielmehr seien die erforderlichen Anträge erst am 6. Juni beim Versorger eingegangen. Die übliche Bearbeitungszeit liege dann bei 14 bis 20 Tagen.

Problematisch ist laut Westnetz zudem, dass die Überprüfung auf Kampfmittelfreiheit am Versorger vorbei ans zuständige Amt geleitet wurde und noch kein abgestimmter Trassenplan zwischen Versorgern und Gemeinde vorliege. So fehle die Grundlage für Planung und Bauausführung. „Wir werden uns natürlich bemühen, so schnell wie möglich mit dem Bauherren den Kontakt zu suchen“, sagt Frisch. Die Verzögerung auf Corona zu schieben, sei aber kein Argument.

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Das Thema Strom auf der Baustelle ist dabei sowieso ein heikles: Schon nach der Einrichtung der Baustelle im Vorjahr kam es zu Vandalismusschäden, wird die Baustelle bereits mit Kameras überwacht.

Laut Fischer hat man damit bis heute zu kämpfen: „Es kommt immer wieder vor dass die gelegten Leitungen für den Baustellenstrom gestohlen werden.“ Mittlerweile habe man sogar eine Security-Firma beauftragt, deren Mitarbeiter in den Abendstunden auf Streife gehen.

Der Kita-Bau am Emscherpark wird kurz vor der Fertigstellung durch einen Wachschutz überwacht, über die Wochenenden sogar durchgängig.

Der Kita-Bau am Emscherpark wird kurz vor der Fertigstellung durch einen Wachschutz überwacht, über die Wochenenden sogar durchgängig. © Greis

Verzögerungen beim Kita-Bau lösen eine Kettenreaktion aus

Die Verzögerung bei der Fertigstellung der Kita „Sonnenschein“ löst in jedem Fall eine Kettenreaktion aus. Die Awo-Kinder, die hier betreut werden, sind im U3-Bereich momentan in den Containern an der Rausinger Halle untergebracht, die älteren Kinder wiederum in der einstigen Schule an der Opherdicker Dorfstraße.

„Nach der ursprünglichen Diskussion um den richtigen Standort ist das natürlich ärgerlich“, sagt Sebastian Laaser, Sprecher für die Awo Ruhr-Lippe-Ems. Es bleibt keine andere Wahl: Das neue Kindergartenjahr starten die vier Awo-Gruppen vorerst in den bisherigen Übergangslösungen.

Sicher ist auch, dass die Modulbauten an der Rausinger Halle nach dem Auszug der Awo weiter für die Kinderbetreuung genutzt werden. Am Mittwoch hat sich im Jugendhilfeausschuss des Kreises der Evangelische Kirchenkreis Unna als Träger eines Neubaus im Wohnpark Emscherquelle gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Über das Kreisjugendamt ist angestrebt, dass hier in rund anderthalb Jahren ein Neubau eröffnet.

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Bis es so weit ist, verpflichtet sich der Evangelische Kirchenkreis aber die Modulbauten weiterzuführen. Dadurch können weitere 30 Betreuungsplätze belegt werden. „Wir müssen jetzt mit dem Kreisjugendamt klären, wie wir das bewerkstelligen“, sagt Kindergartenwerk-Geschäftsführer Hermann Schiefer.

Was wiederum den geplanten Neubau angeht, muss die Wilma Immobilien als Entwickler des Wohngebietes einbezogen werden. „Mit Erteilung des Baurechts braucht es in der Regel ein Jahr bis zur Fertigstellung“, so Schiefer.

Die Kita-Modulbauten an der Rausinger Halle bleiben vorerst. Nach der Awo wird hier demnächst der Evangelische Kirchenkreis Unna die Trägerschaft übernehmen.

Die Kita-Modulbauten an der Rausinger Halle bleiben vorerst. Nach der Awo wird hier demnächst der Evangelische Kirchenkreis Unna die Trägerschaft übernehmen. © Marcel Drawe

Weitere Kita-Kapazitäten entstehen zudem in Opherdicke, wo ebenfalls der Kirchenkreis als Träger in den Neubau an der Unnaer Straße ziehen wird. Auch hier baut die UKBS, sieht sich momentan im angestrebten Zeitplan. Für Schiefer ist momentan ein Bezug zu Jahresbeginn realistisch. Die neue Kita „Schatzkiste“ ersetzt dann den bisherigen Standort an der Schwerter Straße und bietet zudem 15 zusätzliche Betreuungsplätze.

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Dass der Kirchenkreis unter der Woche den Zuschlag für einen weiteren Standort in der Gemeinde bekommen hat, war für Hermann Schiefer durchaus überraschend – spricht die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses doch eigentlich gegen das gewichtige Kriterium der Trägervielfalt. „Der Zuschlag freut uns natürlich, wir haben nicht zwingend damit gerechnet“, sagt Schiefer.

Neben dem katholisch geprägten Kindergarten Liebfrauen und den dann vier Standorten des Evangelischen Kirchenkreises Unna haben somit fünf von neun Betreuungsstätten in Holzwickede einen kirchlichen Bezug. „Wir arbeiten vor einem evangelischen Hintergrund“, sagt Schiefer. Im Aufnahmeraster würden aber Kriterien wie Alter der Kinder oder Berufstätigkeit der Eltern weit vor der Konfession stehen. „Das spielt eine Rolle, aber nur eine untergeordnete“, so Schiefer.

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