Nach schwacher Getreideernte: Bauer Eickel blickt skeptisch auf seine Maisfelder

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Die heimischen Landwirte klagen über eine durchwachsene Getreideernte. Direkte Auswirkungen auf die Brot- oder Nudelpreise dürfte der regenarme Sommer aber nicht haben.

Holzwickede

, 04.09.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mangel an Regentagen beherrschte auch in diesem Sommer wieder die Diskussionen der heimischen Landwirte. Getreide-Bauer und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes, Wilhelm Eickel, aus Holzwickede ist noch „mit einem blauen Auge davon gekommen“.

Der Landwirt runzelt die Stirn, wenn er an die diesjährige Getreideernte zurückdenkt: „Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger“, sagt er. Der Bauer aus Hengsen baut auf seinen Feldern neben Mais und Weizen auch Raps und Gerste an. Zudem blühten bis vor kurzem auch einige Blühstreifen am Feldesrand. In diesem Jahr allerdings nur mäßig erfolgreich.

„Gerste und Weizen waren eher durchschnittlich. Damit kann ich noch zufrieden sein. Beim Raps zum Beispiel war es deutlich schlimmer. Der Ertrag lag ungefähr zwischen 30 und 50 Prozent“, schätzt Eickel.

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Sechs Prozent mehr Ertrag als 2018

  • Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag 2019 bei Getreide (ohne Körnermais) in Westfalen-Lippe auf circa 7,4 Tonnen pro Hektar
  • Die Ernte liegt damit etwa sechs Prozent über dem dürrebedingt schlechten Ergebnis von 2018 und etwa vier Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2013 bis 2018.

Was die Landwirte spätestens seit dem vergangenen Sommer immer häufiger predigen, sind keine wehleidigen Klagen, sondern ist mitunter ein Bangen um die Existenz: „Wir brauchen dringend Regen. Noch ist die Situation halbwegs in Ordnung“, sagt Eickel.

Und die Betonung liegt dabei eindeutig auf dem Wort „noch“: Denn werden die nächsten Sommer ähnlich heiß und trocken, sieht Eickel regelrecht schwarz. „Die Leute denken immer: Wenn es jetzt einen Tag regnet, ist alles in Ordnung. Das, was da runter kommt, ist aber nicht der Rede Wert“, erzählt er.

Dass der Bauer aus Hengsen am Abend vor dem Bett kniet und für Niederschläge betet, kommt zwar nicht vor, die Situation wird aber zunehmend prekär. Skeptisch blickt er auch auf die bevorstehende Maisernte. „Da wird es auch weniger sein, das sieht man schon“, vermutet er.

Keine Sorgen für Verbraucher

Die Verbraucher müssen sich aus seiner Sicht nicht allzu große Sorgen machen: Dass die Preise steigen, hält er für unwahrscheinlich. „Das fängt alles der Weltmarkt auf.“ In die Röhre schauen dann die Erzeuger, die ihre Produkte zu den üblichen Preisen auf den Markt bringen müssen.

Das ist für die Verbraucher sicherlich beruhigend, für die Landwirte teilweise aber katastrophal. Für so manchen Bauern könnte es je nach Entwicklung des Klimas in den nächsten Jahren durchaus eng werden.

Doch nicht nur der Mangel an Niederschlägen ist ausschlaggebend für die Ernte: In der gesamten Region hängt der Erfolg auf dem Feld vor allem von der Beschaffenheit des Bodens ab. Wie Eickel verrät, sind die Felder in Holzwickede oft lehmig. Richtung Münsterland wird es zunehmend sandiger. „Der Lehmboden speichert das Wasser deutlich besser.“ Das senke das Risiko für eine Missernte. „Wir haben noch einmal Glück gehabt“, betont Eickel.

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Hans Heinrich Wortmann, hatte in diesem Sommer auf seinem Hof in Kamen schwerwiegendere Probleme. Die Kartoffelernte wurde im Juni gar dramatisch: „Alle haben über die Dürre von 2018 geredet. In diesem Sommer war es mindestens genauso trocken, wenn nicht sogar trockener“, sagt er.

Künstliche Bewässerung für Kartoffelfelder

Kurz vor der Ernte musste er auf eine künstliche Bewässerung seiner Kartoffelpflanzen zurückgreifen: „Es war kaum Wasser im Unterboden. Geregnet hat es auch nicht. Da habe ich spontan eine Regenmaschine gekauft und die Pflanzen beregnet, damit sie nicht wegsterben.“

Etwas besser als im Vorjahr sah es bei den Karotten aus: „2018 waren die so lang und dünn, dass sie nicht in die Verpackungen der Supermärkte reingepasst haben. Das sollte dieses Jahr gerade eben passen“, denkt Wortmann.

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