In den Hochzeiten lebten einst gut 1600 Briten in Holzwickede – in Dortmund stationierte Soldaten und ihre Familien. Rund 50 Kinder dieser Soldaten kommen zum Schützenfest für ein Wiedersehen zusammen.

Holzwickede

, 05.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Colin Slaven wurde zwar in England geboren, die meiste Zeit seiner Kindheit und Jugend verbrachte er aber in Deutschland: Sein Vater war 25 Jahre lang Soldat der britischen Armee und an mehreren Standorten im Land stationiert. Dessen letzte Station war Dortmund und so verbrachte der junge Colin den Großteil seiner Jugend in Holzwickede. Seit den 1970er- und bis in die frühen 1990er-Jahre lebten hier bis zu 1600 Briten in der sogenannten Engländer-Siedlung rund um den Frankfurter Weg.

Als Jugendlicher war für ihn das Schützenfest natürlich ein fester Termin im Jahr. „Da wussten auch wir Engländer, dass man sich den Dienstag besser freinimmt“, sagt Colin Slaven. Die Partynacht im Schützenzelt war denn auch der Auftakt für ihn und knapp 50 Briten beim Wiedersehen, die teils mit ihren Partnerinnen in die alte Heimat reisten. „Viele werden das nicht kennen, aber ich mag die Musik, war früher oft auf Mallorca“, sagt Slaven im Gespräch mit der Redaktion vor der Party.

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„Vor zehn Jahren haben wir uns schon mal in Holzwickede mit 15 bis 20 Mann getroffen. Die meisten Leute, die jetzt kommen, haben sich seit den 80ern aber nicht gesehen. Ich werde meinen besten Freund von damals zum ersten Mal wieder treffen“, sagt Colin Slaven. Seit gut einem Jahr organisiere man sich über die Sozialen Medien im Internet. „Ohne Facebook wäre das mit so vielen Leuten gar nicht möglich.“

Mit seiner Partnerin reiste Slaven zuletzt durch Italien, war in London und weilt seit knapp einer Woche in der Gemeinde. Vor Ort hat er organisatorisch den Hut auf und kann nur loben: „Das ist eine super Gemeinschaft hier. Alle sind so nett zu uns. Jens Reckermann reserviert uns am Samstagabend das Vivo. Gisela Zickler vom Schützenverein hat uns genügend Karten für die Partynacht gesichert und der Schulleiter der Europaschule in Wambel öffnet extra für uns die Türen der Schule“, zählt Slaven auf. Die britischen Kinder besuchten einst die Cornwall-Militärschule in Dortmund, heute die Europaschule.

Zunächst waren jugendliche Deutsche und Engländer noch Rivalen

Colin Slaven kann sich aber auch gut daran erinnern, dass die Anfangszeit in Holzwickede kein Zuckerschlecken war – weder für ihn als Elfjährigen noch für andere britische Kinder. „Mitte der 80er-Jahre gab es noch eine richtige Rivalität zwischen Deutschen und Engländern. Da gab es richtige Gangs und auch Klopperei“, sagt der heute 46-Jährige, dessen Geschwister Angie und David in Deutschland geboren wurden. „Wir haben gut Deutsch gesprochen, konnten für die anderen Kinder übersetzen“, sagt Slaven.

Während die Eltern-Generation mit den Eingeborenen über den Deutsch-Britischen-Club in Kontakt kam, passierte das beim Nachwuchs in der Freizeit vor allem im Jugendtreff Pfiffikus, heute als Treffpunkt Villa bekannt – und beim Fußball. Von der C-Jugend an spielte Colin Slaven bis in den Seniorenbereich für den einstigen Holzwickeder SV. „Auch da musste ich anfangs immer übersetzen. Plötzlich spielten viele Engländer im Verein. Nicht nur beim HSV, auch bei der SG“, sagt der begeisterte Fußballer, der auch heute noch zwei Mal in der Woche die Fußballschuhe schnürt.

Eltern und Geschwister von Colin Slaven sind geblieben

Das macht er aber weder in Deutschland noch in England: Nach einer Lehre zum Industriekaufmann bei Wiederholt zog es Slaven in die USA: „Ich hatte immer Freunde in den USA, war mit 21 im Urlaub dort – und blieb der Liebe wegen.“ Heute wohnt der Vater dreier Kinder an der Südostküste in Charleston, South Carolina. Deutschland verliert er dennoch nicht aus dem Blick: Ein Mal im Jahr ist er zu Gast. Seine Eltern, die Mama ist übrigens Deutsche, wohnen noch immer in Holzwickede, ebenso Schwester Angie. Bruder David lebt in Unna.

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