Für Holzwickeder war es eine angenehme Möglichkeit, ihren Schrott zu entsorgen. Für Elisabeth und Klaus Dahl eine lohnende Art, Spenden für den guten Zweck zu generieren. Nun stellt das Ehepaar das Sammeln ein.

Holzwickede

, 13.08.2019 / Lesedauer: 4 min

Mehr als 500.000 Euro haben Elisabeth und Klaus Dahl in 53 Jahren durch verschiedene Aktionen für den guten Zweck gesammelt. Darunter waren Hilfsprojekte in Vietnam, Indien, Brasilien und nicht zuletzt in vielen Ländern Afrikas.

Einen großen Teil davon haben die Dahls alleine durch das Sammeln und Verkaufen von Schrott in den vergangenen sieben Jahren generiert. „21.000 Euro habe ich alleine im Vorjahr an Kolping International überwiesen“, sagt Klaus Dahl. Fuhren mit bis zu 600 Kilogramm Schrott auf dem Hänger hat der 73-Jährige mitunter drei Mal am Tag zum Schrotthandel Hittmeyer an die Schäferkampstraße gefahren.

„Wir haben alle Erlöse eins zu eins überwiesen. Sprit, Reifen, TÜV - alle Nebenkosten haben wir in all den Jahren immer aus der eigenen Tasche bezahlt“, sagt Elisabeth Dahl. Nun schließt am Donnerstag der Schrotthändler sein Geschäft und damit schließen auch die beiden Holzwickeder ihren Anhänger.

Nach sieben Jahren geben die Dahls das Schrottsammeln für den guten Zweck auf

Bernd Habelmann (r.) war einer der langjährigen Helfer, die Klaus Dahl während seiner regelmäßigen Sammeltermine an der Kirchstraße unterstützten. © Borys Sarad

Wenn Klaus Dahl zusammen mit Roland Koepe und Bernd Habelmann nicht zwei Mal im Jahr gegenüber der Kirche an der Kirchstraße stand, um Schrott entgegenzunehmen, stand der Hänger immer offen am Wohnhaus in der Hohenleuchtestraße.

Wer Bedarf hatte, konnte seinen Schrott hier ohne Anmeldung entsorgen. Nach Absprache machte Klaus Dahl auch Hausbesuche und holte Kupfer, Kabel, Leichtmetall und Co. auch ab. Weil der Stammhändler nun schließt, würde der Transport künftig zu aufwendig. „Der nächste Händler ist in Königsborn. Das drei Mal am Tag zu fahren, dabei immer auf das zulässige Gewicht zu achten - das ist problematisch. Ich bin jetzt 73, der Zeitpunkt ist gekommen, das Sammeln zu beenden“, sagt Klaus Dahl.

Der Aufwand für das Schrottsammeln wird zu hoch

Seine Frau spricht von einem Fingerzeig des Schicksals - zumal sie befürchtet, dass die ehrenamtliche Arbeit künftig mit hohen bürokratischen Hürden verbunden sein könnte. Ab 2021 werden auch Kirchen steuerrechtlich wie Unternehmen behandelt, müssen Umsatzsteuer abführen. Weil die Dahls an den katholischen Sozialverband Kolping International spenden, könnte es sein, dass Mehrarbeit am Schreibtisch wartet - die Freigrenze von 17.500 Euro wurde zuletzt leicht übertroffen. In zig Ordnern hält Elisabeth Dahl zwar genau fest, was an Spenden gesammelt wurde, aber: „Den zusätzlichen Aufwand würde ich mir nicht antun wollen.“

Schrott ist nicht gleich Schrott

Das sind Kupfer, Kabel und Co. wert

Was bekommt man eigentlich für ein Kilo Schrott? Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Klaus Dahl kennt die aktuellen Preise natürlich genau und klärt auf (jeweils Preis pro Kilogramm):
  • Zinn: 8 Euro
  • Kupfer: 4 bis 4,80 Euro
  • Messing: 2,30 bis 2,80 Euro
  • Elektrokabel: 1 bis 1,20 Euro
  • Edelstahl: 50 bis 70 Cent
  • Leichtmetall: 40 bis 50 Cent
  • Verhüttung (beispielsweise Motoren): 20 bis 25 Cent
  • Restschrott: circa 12 Cent

Im Zusammenhang mit dem Schrottsammeln wurde Klaus Dahl häufig mit einem Projekt in Burundi in Verbindung gebracht, das den Bauern vor die Anschaffung von Ziegen ermöglicht. „Das habe ich anfangs für Kolping immer als Verwendungszweck angegeben“, sagt Elisabeth Dahl. Später gab es den Hinweis von Kolping, die Spenden für die „ländliche Entwicklung in Afrika“ auszuweisen. So konnte das Geld für verschiedene Projekte genutzt werden.

Selbst waren die Dahl nie in einem der hilfsbedürftigen Länder. „Über den Aktionskreis Pater Beda hatte ich mal das Angebot, mit nach Brasilien zu fliegen“, sagt Klaus Dahl. Er lehnte ab. „Wenn ich das Elend gesehen hätte, wäre ich gar nicht mehr in den Schlaf gekommen und hätte nur noch geschafft.“

Hoher Besuch von Kolping International

Stattdessen wurden die beiden stets über Kolping International auf dem Laufenden gehalten. Dieses Jahr feierten die beiden Goldene Hochzeit - da kündigte sich gar der Generalpräses von Kolping International, Ottmar Dillenburg, an. Der war dann zwar krank, stand aber vier Wochen nach der Feier vor der Tür. „Versprochen ist versprochen, sagte er“, so Elisabeth Dahl und machte sich selbst ein Bild vom umtriebigen Ehepaar.

Schon als Schreiner bei Hoesch hat sich Klaus Dahl einst bemüht, alte Dachrinnen und Co. für den guten Zweck verwerten zu dürfen. Auch Werkzeug und Maschinen aus einer Hoesch-Lehrwerkstatt landeten dank Dahl per Container in Brasilien, um jungen Menschen hier nach der Ausbildung eine Starthilfe zu geben. „Als einziger Schwarzer unter Roten im Betriebsrat habe ich immer im christlichen Sinne gehandelt - und als ich mit 59 den Bundesverdienstorden bekommen habe, war ich bei Hoesch eh gut gelitten“, sagt Dahl und lacht.

Die Dahls waren in vielen gemeinnützigen Bereichen stets umtriebig

Vier Jungkolpinggruppen hat er einst geleitet; gehörte mit seiner Frau zu den Mit-Initatoren des Zeltlagers vor 40 Jahren; auch Politiker wie Peer Steinbrück oder Jürgen Rüttgers schrieben sie an, um Geld für gemeinnützige Projekte zu bekommen; zu christlichen Festen steuerte das Ehepaar zahlreiche Bastelarbeiten bei.

Überhaupt Holzarbeiten: 30 Jahre lang hatte Klaus Dahl einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt, verkaufte Krippen, Puppenhäuser, Deko-Artikel oder seine bekannten Vogelhäuschen - in einem Jahr hat er davon auch mal 140 gebaut. War malerischer Feinschliff gefragt, war seine Frau zur Stelle. Die Erlöse waren immer für den guten Zweck bestimmt.

Nach sieben Jahren geben die Dahls das Schrottsammeln für den guten Zweck auf

Noch ist der Anhänger vor Dahls Wohnhaus offen - für viele Holzwickeder ein einfacher Weg, um Schrott abzugeben. Am Donnerstag wird Klaus Dahl letztmals eine Fuhre Schrott zum Händler bringen. Danach bleibt der Hänger zu. © Greis

Eine letzte dicke Fuhre Schrott ergab sich für Klaus Dahl, als im Juni vier Gartenlauben in der Kleingartenanlage am Oelpfad durch einen Brand zerstört wurden. „Da hat einer angefragt und dann dachte sich auch der Rest, dass man so zumindest noch was Gutes tut“, sagt Klaus Dahl. Fast 2,5 Tonnen Material kamen dadurch zusammen. Für das Jahr 2018 hat der 73-Jährige insgesamt 85 Tonnen an Schrott notiert. „Wenn man drei Mal am Tag gefahren ist, war die Dusche nötig. Es ist eben so: Schrott stinkt“, sagt Dahl, der zudem den Schrott auch immer vorsortieren musste.

Mehr als ein halbes Jahrhundert haben sich der Schreiner und die ehemalige Beamtin bei der Dortmunder Postbank in den Dienst der guten Sache gestellt. Mit 73 und 70 Jahren wollen sich die Dahls nun mehr Zeit für sich nehmen: „Jetzt nehme ich meine Frau an die Hand, wir packen die Taschen, laden vielleicht Freunde ein und dann hauen wir auch mal ein paar Tage ab ins Sauerland“, sagt Klaus Dahl. Wer das Ehepaar kennt, dürfte ihnen das von Herzen gönnen.

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