Vorwurf des Vertrauensbruchs: Emotionen zwischen Anwohnern und Bauverein kochen hoch

dzGescheitertes Bebauungskonzept

Ob das Gespräch die Wogen geglättet hat? Schwer zu sagen. Bei einem emotionalen Gespräch mit Anwohnern hat der Holzwickeder Bauverein deutlich gemacht, dass an der Bahnhofstraße nicht gebaut wird.

Holzwickede

, 14.08.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neuen Wohnraum zwischen Bahnhofstraße und Montanhydraulikstadion wird es nicht geben. Das ist die Essenz eines Zusammentreffens zwischen Anwohnern und Vertretern des Bauvereins unter der Woche. Mittlerin zwischen den Seiten: Bürgermeisterin Ulrike Drossel. Nachdem zwei Familien nach das Gespräch mit ihr suchten, habe sie ein Termin zusammen mit dem Bauverein angeboten.

Im Hof zwischen der Bahnhofstraße 59 und 61 kam es unter Einhaltung der Coronaregeln an diesem Mittwoch nun dazu. Ob Anwohner, Bauverein oder Bürgermeisterin: Alle Beteiligten sprachen im Nachgang von „emotionalen“ 45 Minuten.

„Man fragt uns, warum wir im Vorfeld nicht auf den Bauverein zugekommen seien. Wie denn, wenn wir von den Plänen aus der Presse erfahren?“, fragt etwa Mieterin Jennifer Verbic, die seit 2012 vor Ort wohnt.

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Den Mietern sei klar, das Holzwickede bezahlbaren Wohnraum braucht; sie kritisieren aber, wie man mit ihnen umgegangen sei. „Da heißt es, wir Anwohner würden Geschichten verbreiten. Herr Böcker (Vorstand Bauverein, Anm. d. Red.) benimmt sich unmenschlich, das erschüttert mich bis ins Mark. Mir wurde der Mund verboten. Da ist kein Vertrauen mehr“, so Verbic.

Vorwurf des Vertrauensbruchs trifft Bauverein hart

Dass Mieter jenen Vertrauensbruch anführten, lässt Wilfried Brinkmann nicht kalt. „Mich hat der Abend getroffen. Ich bin 20 Jahre ehrenamtliches Mitglied im Aufsichtsrat. Dass von Vertrauensbruch gesprochen wurde, ist ernüchternd. Die Emotionalität muss raus, alle müssen sich auf die Fakten konzentrieren“, sagt Brinkmann.

Die sahen so aus: Im Mai wurde im Planungs- und Bauausschuss öffentlich die Aufstellung eines Bebauungsplans behandelt. Eine Entscheidung darüber wurde durch die Fraktionen dereinst verschoben.

In den öffentlich einsehbaren Plänen hierzu waren bis zu sieben Mehrfamilienhäuser aufgeführt, die sich in der Theorie auf ein Grundstück des Bauvereins sowie auf noch zu erwerbende private wie gemeindliche Flächen erstreckten. Erwähnt wurden aber auch hohe Hürden für eine Umsetzung – etwa beim Lärmschutz. „Es war eine Vision, mehr nicht“, wie Brinkmann sagt.

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Den Aufschrei unter Mietern und Kleingärtnern an der Montanyhdraulikstraße sah der Verein nicht kommen. Aus der Gemeindeverwaltung hieß es schnell: Die eigene Fläche stehe nicht zum Verkauf, Kleingärten vor Ort müssen nicht weichen.

Eine etwaige Bebauung nur auf der Fläche des Bauvereins, sollte im folgenden Bauausschuss behandelt werden, wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Nun machten die Vertreter der Baugenossenschaft klar, dass die Pläne nicht weiterverfolgt werden.

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Neuer Wohnraum weiterhin genossenschaftlicher Auftrag

„Selbst für ein einzelnes Gebäude würde es vonseiten des Kreises keine Genehmigung geben“, so Brinkmann. Sollten sich hier in Zukunft die planungsrechtlichen Parameter ändern, macht er aber klar: „Dann könnten wir eine Bebauung neu prüfen.“ Da das vorerst kein Thema sei, werde man nun zwei andere Flächen im Gemeindegebiet auf eine Bebauung prüfen.

„Die Gemüter waren erhitzt. Ich musste zwei Mal darauf verweisen, sachlich zu bleiben. Ich stufe das Gespräch aber als erfolgreich ein, weil der Bauverein klar gemacht hat, dass das Projekt in seiner ursprünglichen Form ad acta gelegt ist“, so Bürgermeisterin Drossel.

Brinkmann zweifelt, ob die Fronten geklärt sind. „Wir haben seit 2003 keine Mieten erhöht. Ist etwas kaputt, wird es repariert. Bei Umzug wird in der Regel das Bad erneuert. Wir sind eine Genossenschaft und nicht die LEG. Eine gewisse Reflexion würde ich mir da wünschen.“

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