Berufsverkehr, Schulbusse, Eltern-Taxis: Vor Schulbeginn herrscht entlang der Opherdicker Straße morgens viel Betrieb. So angespannt wie an anderer Stelle im Kreis Unna ist die Verkehrssituation aber nicht – aus zwei Gründen.

Holzwickede

, 11.11.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass die Polizei eine gesonderte Aktion am Schulzentrum starten müsste, weil Eltern-Taxis eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer wären, davon ist man in Holzwickede weit entfernt. An anderer Stelle im Kreis, zum Beispiel am Unnaer Schulzentrum Nord, sieht die Polizei eher Handlungsbedarf, kontrollierte beispielsweise im Frühjahr das elterliche Bring-Verhalten.

Dennoch ist die Opherdicker Straße vor allem morgens ein sensibler Bereich, wenn innerhalb weniger Minuten hunderte Schüler per Bus, auf dem Rad, zu Fuß – oder eben von den Eltern im Auto gen Clara-Schumann-Gymnasium und Josef-Reding-Hauptschule strömen.

Bevor um 7.55 Uhr die ersten Schulstunden beginnen, kann es schon mal zu „unübersichtlichen Situationen“ kommen, wie JRS-Leiter Klaus Helmig regelmäßig beobachtet – insbesondere auch an Tagen, wenn auch noch die Müllabfuhr in dem Bereich unterwegs ist.

20 Minuten Trubel vor Unterrichtsbeginn

„Morgens haben wir hier eben immer 20 Minuten Rush Hour“, sagt Helmig. Ein Auge auf den Verkehr am Morgen zu haben – das ist dann wiederum auch Aufgabe der Holzwickeder Bezirksbeamten Matthias Müller und Thomas Kulinski.

20 angespannte Minuten: Eltern-Taxis bestimmen morgens am Schulzentrum das Bild

Die Bezirksbeamten Thomas Kulinski, Matthias Müller und JRS-Leiter Klaus Helmig (v.l.) unterhalten sich vor der ersten Unterrichtsstunde mit Schülern über die Verkehrssituation vor Ort. © Greis

Die Verkehrssicherung vor Ort gehört zu ihren Aufgabenbereichen. Beim Besuch vor Ort zu Wochenbeginn stellt sich die Lage gegen 8 Uhr entspannt dar. Matthias Müller weist eine junge Autofahrer auf einen defekten Scheinwerfer hin, ansonsten zeigen anscheinend schon die gelben Signaljacken der beiden Polizisten ihre Wirkung.

Schnell kommen sie mit Schülern ins Gespräch. „Du warst schon... ich meine, Sie waren schon bei mir im Unterricht“, sprudelt es aus einem Schüler mit Blick auf Thomas Kulinski heraus. Infostunden, Fußgängerführerschein, Radfahrausbildung für Kinder – auch das gehört zum Job von Kulinski und Müller.

Jetzt lesen

Schwerpunkte für Verkehrssicherung an den Grundschulen

„Wenn Beschwerden kommen, schauen wir uns die Situation vor Ort an“, sagt Kulinski. Ihre Schwerpunkte sehen sie in Holzwickede aber weniger am Schulzentrum denn an den vier Grundschulen. Eltern werden hier auch regelmäßig über das richtige Verhalten beim Bringen und Holen des Nachwuchses informiert.

An der Dudenrothschule sind Eltern beispielsweise angehalten, nicht in die Zufahrtsstraße Im Hof zu fahren, um die Kinder abzusetzen oder abzuholen, obwohl das per se nicht verboten ist. „Wenn da zwei Autos gleichzeitig reinfahren, ist das schon unglücklich“, sagt Thomas Kulinski.

Zu unübersichtlich sei die Wegeführung hier, auch gibt es keinen Gehweg auf den letzten Metern zur Schule – weil viele Kinder hier auch zu Fuß oder per Rad ankommen, sollen Eltern hier nicht bis vor den Schuleingang fahren.

20 angespannte Minuten: Eltern-Taxis bestimmen morgens am Schulzentrum das Bild

Wer das morgendliche Treiben am Schulzentrum beobachtet, stellt schnell fest, was eine Statistik des Kraftfahrzeugbundesamtes belegt: Mittlerweile nehmen SUVs einen Anteil von rund 20 Prozent bei den Neuzulassungen ein. © Greis

Das Eltern-Taxi widerspricht dem Zeitgeist

JRS-Leiter Klaus Helmig würde sich allgemein wünschen, dass weniger Eltern-Taxis unterwegs sind, der Schulweg nach Möglichkeit zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt wird.

Jetzt lesen

20 angespannte Minuten: Eltern-Taxis bestimmen morgens am Schulzentrum das Bild

© Udo Hennes

„Es braucht gar keine eigene Hol- und Bringzone. So günstig gelöst ist das eigentlich sonst nirgends im Kreis.“
Bezirksbeamter Matthias Müller

Er findet es durchaus paradox, dass einerseits die Fridays-for-Future-Bewegung zum Schutz des Klimas in aller Munde ist – ein Blick auf den Parkplatz am Morgen aber reicht, um zu sehen, dass das elterliche SUV zu den beliebten Transportmitteln gehört. Helmig selbst fährt konsequent aus Sölde mit dem Rad zur Arbeit.

Parkplatz und Autos am Straßenrand regulieren den Verkehr

Aus Eltern-Sicht angenehm sind natürlich die verkehrlichen Gegebenheiten an der Opherdicker Straße: „Durch den Parkplatz an der Hilgenbaumhalle kann hier jeder sein U fahren. Es braucht gar keine eigene Hol- und Bringzone. So günstig gelöst ist das eigentlich sonst nirgends im Kreis“, sagt Matthias Müller.

Auch die parkenden Autos entlang der Opherdicker Straße werten die beiden Bezirksbeamten positiv: „Das sind natürliche Geschwindigkeitsbegrenzer“, sagt Thomas Kulinski. So sei sichergestellt, dass sich Autofahrer an Tempo 30 halten. Zwei Gründe, die dafür sorgen, dass die Verkehrssituation am Morgen zwar angespannt aber keineswegs chaotisch ist.

20 angespannte Minuten: Eltern-Taxis bestimmen morgens am Schulzentrum das Bild

Der Schulbus steht als Transportmittel heutzutage in Konkurrenz zum elterlichen Bringen und Holen mit dem Privatwagen. © Greis

Kinder und Jugendliche kommen aus den Seitenstraßen

Am Schulzentrum aufs Tempo zu achten, das ist zwingend nötig: Zwar befindet sich auf Höhe der Münchner Allee eine Ampelanlage für Fußgänger. Die Beobachtung vor Ort zeigt aber, dass Schüler oft anderweitig die Straße queren.

„Die Kinder laufen teils vom Bahnhof durchs Wohngebiet und kommen durch die Seitenstraßen“, sagt Klaus Helmig. Auch wenn der Schulbus aus Richtung Massener Straße an der nördlichen Seite der Opherdicke Straße hält, ist Aufmerksamkeit gefragt, weil Schülergruppen dann durchaus vor und hinter dem Bus über die Straße huschen.

Nachmittags sei die Verkehrssituation durch unterschiedliche Zeiten beim Schulschluss wiederum weniger dramatisch, würden sich die Abholdienste der Eltern dann entsprechend entzerren.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bahnhof Holzwickede
Unerwarteter Zug: Neues Bahnhofsdach soll schon 2020 eine Gestalt annehmen
Hellweger Anzeiger Digitalisierung
(K)ein großer Wurf: Warum Schulen für die Digitalisierung einen langen Atem brauchen
Hellweger Anzeiger Winterdienst
Bereit für den Winter: Baubetriebshof Holzwickede hat tonnenweise Salz auf Lager
Meistgelesen