Mit dem Umbau des Rathauses fällt derzeit die öffentliche Toilette vor Ort weg. Das wird freitags zum Problem, wenn Markttag ist. Die Ausweichlösung der Gemeinde reicht anscheinend nicht aus.

Holzwickede

, 14.06.2019, 15:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Freitag ist Markttag in Holzwickede. Fisch- und Wursthändler bieten ihre Waren an. Frisches Obst und Gemüse wird feilgeboten. Natürlich ist auch ein Verkaufswagen für Backwaren vor Ort und zentral auf dem Marktplatz haben Textilhändler ihre Verkaufsstände aufgeschlagen. Bei gutem Wetter herrscht reger Betrieb. An der Kaffeequelle von Susanne Marklein gibt es heißen Kaffee und duftende Waffeln – da steht man schon mal Schlange.

Das kann Marktgängern und auch den Händlern aktuell auch passieren, wenn Mutter Natur sich meldet. Bevor das Rathaus für den anstehenden Umbau leergeräumt wurde, konnte man hier auf Toilette gehen. Das geht nicht mehr. Das Wasser ist längst abgestellt. Um dennoch eine öffentliche Toilette während der Bauzeit zu bieten, hat die Gemeindeverwaltung eine Vereinbarung mit der Bäckerei Grobe an der Parkstraße geschlossen. Marktbeschicker und -besucher dürfen die Toilette in der Filiale kostenfrei nutzen.

Rechtsgrundlage

Voraussetzungen für gemischte Toiletten

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) listen auf, wie Sanitärräume beschaffen sein müssen. In Betrieben mit bis zu neun Beschäftigten kann auf getrennt eingerichtete Toiletten-, Wasch- und Umkleideräume für weibliche und männliche Beschäftigte verzichtet werden, wenn eine zeitlich getrennte Nutzung sichergestellt ist. Das trifft auf die Grobe-Filiale zu. Die gleichzeitige Nutzung der Toilette durch Angestellte und Gäste schließen die ASR zumindest nirgends explizit aus.

Das Problem hierbei: Dieser eine barrierefreie Toilettenraum reicht freitags anscheinend nicht aus, um den Andrang zu bewältigen. „Das ist so. Die Situation ist momentan nicht zufriedenstellend“, sagt Obst- und Gemüsehändler Frank Tesch aus Wetter. Zum einen sei der Weg zu weit und meist müsse man sich anstellen und warten, bis die Toilette frei ist. „Ich kann mich als Händler aber nicht ewig anstellen und meinen Stand verlassen“, sagt Tesch, der mit einer Mitarbeiterin seinen Verkaufsstand zu zweit betreut. Wie Tesch argumentieren auch andere Händler, etwa Gabriele Schmidt vom Fischhändler Meisfeld: „Früher ist man schnell ins Rathaus. So wie jetzt, ist es für uns nicht einfach, auf Toilette zu gehen“, sagt sie.

Die Politik war selbst von der Problematik betroffen

Auch die Lokalpolitik hat das Problem im Vorfeld der Europawahlen selbst erfahren, als man auf dem Marktplatz mit eigenen Ständen vertreten war. „Natürlich kamen auch die Händler mit dem Problem auf uns zu. So wie es jetzt ist, haben wir eine unmögliche Lösung“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Manfred Matysik. Seine Fraktion will im zuständigen Ausschuss einen Antrag stellen, der die Verwaltung beauftragt, Alternativen zu prüfen.

„Die Rathaustoilette wird schmerzlich vermisst. Die Toilette in der Bäckerei ist völlig unzureichend“, sagt Matysik. Direkt äußern dürfen sich die Mitarbeiterinnen ohne Rücksprache mit der Firmenleitung nicht, bestätigen beim Besuch vor Ort aber, dass die Toilette während der Marktzeiten deutlich häufiger genutzt wird als an anderen Wochentagen. Entsprechend hoch sei der Reinigungsaufwand. Hin und wieder beobachtet die Belegschaft auch, wie sich der eine oder andere im nahegelegenen Emscherpark in die Büsche verdrückt.

Eine öffentliche Ausweich-Toilette reicht an Markttagen für die Notdurft nicht aus

Beim Streetfoodmarkt am Donnerstagabend konnten die Besucher einen Toilettenwagen (im Hintergrund) nutzen. Das ist beim Wochenmarkt nicht möglich. © Marcel Drawe

„Das muss ja nun nicht sein. Bis das Rathaus fertig ist, braucht es eine bessere Lösung. Das gilt ja auch, wenn der Markt wegen anderer Veranstaltungen mal auf den Platz von Louviers ausweicht. Da ist die Situation ja noch schlechter“, sagt Matysik. Mit Blick auf die anstehenden Bauarbeiten im und ums Rathaus und den Arbeitern vor Ort denkt er an einen Toilettenwagen, den dann auch Martbesucher und -beschicker nutzen könnten. Bei Veranstaltungen wie dem Streetfoodmarkt am Donnerstag komme ja schließlich auch ein Toilettenwagen zum Einsatz.

Verwaltung ist um eine schnelle Lösung bemüht

Der Erste Beigeordnete der Gemeinde denkt indes zunächst an andere Lösungen: „Ich persönlich höre zum ersten Mal von der Problematik, aber wir werden uns in der kommenden Woche darum kümmern“, sagt Bernd Kasischke. Eine schnelle Lösung sieht er in Gesprächen mit der Bäckerei, um zu klären, ob sich die Toilettennutznug optimieren lasse. Auch sei denkbar weitere Gewerbetreibende nahe des Marktplatzes zu fragen, ob sie ihre Toiletten nicht zumindest für die Händler zur Verfügung stellen.

Könnte man nicht die Toiletten im nahegelegenen Bürgerbüro nutzen? „Das ist leider ausgeschlossen, weil die erstens nicht barrierefrei sind und zweitens an Lagerräumen mit sensiblen Daten vorbeiführen“, sagt Kasischke. In Ausnahmefällen können hier maximal Bürger in Begleitung die sanitären Anlagen nutzen. Wie die Situation verbessert wird, ist Manfred Matysik letztlich egal: „Wir sind für alle Lösungen offen, aber das Problem für die Besucher und vor allem die Händler muss gelöst werden.“

Auch der Schützenverein richtet sich auf die Notdurft-Situation ein

Auch für die Schützen hat der Rathausumbau beim anstehenden Schützenfest vom 5. bis 8. Juli Folgen: Bei Totenehrung, Zapfenstreich und Aufstellung für den Umzug konnten die Schützen in der Vergangenheit mal eben die Toiletten in der Wasserversorgung am Markt aufsuchen. Aber auch die wird zum Schützenfest leer sein, weil sie dem Rathaus-Anbau weichen muss. Die Abläufe hat der BSV deshalb angepasst: Für den Zapfenstreich am Samstag um 23 Uhr treffen sich alle Schützen am Festzelt. Hier stehen sanitäre Anlagen zur Verfügung. Bei der Totenehrung am selben Tag um 20 Uhr gibt es indes keine offizielle Möglichkeit für einen Toilettengang.

Zu Gast in Aplerbeck

Auflauf mit den fünf Fahnen

Die BSV-Schützen sind am Sonntag zu Gast beim Schützenfest in Aplerbeck. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Festzelt an der Schwerter Straße. Gisela Zickler erinnert daran, dass die einzelnen Kompanien mit ihren Fahnen erscheinen.

Den Startpunkt für den Umzug am Sonntag um 14 Uhr haben die Schützen indes ganz neu gewählt: Der startet direkt vom Platz von Louviers und führt dann Richtung katholischer Kirche durch die Gemeinde. Auf einen Wagen mit Traktor verzichtet der BSV dieses Jahr. „Das war ein Wunsch des Königspaares“, sagt Gisela Zickler aus dem Vorstand. König Andreas Gawlowski und seine Königin Jennifer Krauß wollen lieber laufen und nah am „Volk“ sein. „So sparen wir uns einige Ordner und auch den TÜV für den Wagen“, sagt Zickler.

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