Mit dem Weggang von Dr. Barbara Risse fehlt in Holzwickede ein Hausarzt. Die anderen Ärzte können die Situation derzeit noch bewältigen. Die meisten sind jedoch schon am Anschlag.

Holzwickede

, 09.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Seit diesem Jahr gibt es in Holzwickede eine Hausärztin weniger. Dr. Barbara Risse verließ Ende vergangenen Jahres die Gemeinde. Sie führte bis dahin eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Barbara Hegemann an der Allee 9.

Barbara Risse leitet nun ihre eigene Praxis in Lippstadt. „Ich wollte zurück zur Familie“, so Risse über ihren Umzug in den Kreis Soest. Sie hat dort eine Hausarztpraxis übernommen.

Zu dem Weggang ihrer Partnerin wollte sich Barbara Hegemann unserer Redaktion gegenüber nicht äußern und auch nicht zu einer mögliche Nachfolge von Dr. Risse.

KVWL unterstützt Ärzte

Die Gemeinde kann in diesem Fall nicht viel mehr tun, als „die Ohren und die Augen offenhalten“, was Wirtschaftsförderer Stefan Thiel auch tun will. Er werde auch bei der Wirtschaftsförderung des Kreises Unna nachfragen, ob es Interessenten gebe. Anfragen werde er an Dr. Hegemann weiterleiten. Verantwortlich für eine mögliche neue Praxis-Partnerschaft wäre Hegemann letztlich aber selbst.

Ansprechpartner für Ärzte ist die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Vertragsärzte in Westfalen-Lippe haben laut Pressesprecherin Vanessa Pudlo die Möglichkeit, sich von der KVWL-Praxisberatung individuell informieren und beraten zu lassen. Überdies gibt es eine sogenannte KV Börse, die gemeinsam von der KV Westfalen-Lippe und der KV Nordrhein betrieben wird. Sie bietet die Möglichkeit, eine Online-Anzeige unter anderem zur Praxisabgabe oder Praxissuche zu schalten. Überdies gibt es einmal jährlich einen Praxisbörsentag, um den Austausch zwischen Praxisabgebern und Praxisgründern zu unterstützen. Er findet im Jahr 2019 am 30. März statt. Im Jahr 2018 konnten mehr als 500 Gäste und 400 eingereichte Suche- und Biete-Inserate verzeichnet werden.

„Ich wollte zurück zur Familie.“
Dr. Barbara Risse

Die KVWL hat die Versorgung von Ärzten in Westfalen-Lippe im Blick. Laut Pudlo wird Holzwickede zusammen mit Fröndenberg, Bönen und Unna, zum MB Unna gezählt. Der hausärztliche Versorgungsgrad im MB Unna beträgt derzeit 104,5 Prozent (Stand: November 2018). „Die hausärztliche Versorgung im MB Unna ist damit im Moment statistisch gesehen stabil“, so Pudlo.

Stabil ist er auch in Holzwickede, fangen doch die übrigen Hausärzte den Weggang Risses auf. „Ich spüre den Weggang von Frau Dr. Risse, aber es lässt sich bewältigen“, sagt Frank Robben. Die Hausärzte hätten sich frühzeitig getroffen, um zu beraten und es sei eine Tatsache, dass sich die Situation bewältigen lässt. Bis auf ihn und einen weiteren Hausarzt seien jedoch alle bereits am Anschlag.

Notfälle gehen vor

Die Patienten von Dr. Risse finden in Holzwickede also in jedem Fall einen Arzt – vor allem Notfälle werden in der Regel bevorzugt behandelt. So heißt es etwa auf der Internetseite von Dr. Barbara Hegemann, dass akut Erkrankte selbstverständlich zeitnah versorgt würden. Wer keinen Arzt finden sollte, kann sich auch an die KVWL wenden. Gemeinsam mit der Ärztekammer bietet sie eine individuelle Patientenberatung an. Der Service ist unter der Telefonnummer (02 51) 9 29 90 00 täglich erreichbar. Ratsuchende können sich auch zusätzlich im Internet informieren über die Webseite www.patientenberatung-wl.de.

Mit dem Weggang von Dr. Risse verteilen sich die Patienten auf die übrigen Hausärzte in Holzwickede. Dass diese mehr Sprechstunden anbieten, ist jedoch nicht möglich – dafür haben sie keine Zeit. Wie Klaus Diecks, Pressesprecher bei der Ärztekammer Dortmund, erklärt, geht nicht alles, was Arbeitszeit ist, auch in die Sprechstunde. Selbstständige Ärzte seien unter anderem auch für Verwaltung, Abrechnungen und Qualitätssicherung zuständig. Manche Praxen bieten zudem Hausbesuche an und in Gemeinschaftspraxen sind die Organisationsmodelle wieder anders. Das komme auf die Fachrichtung an. Diecks verweist zudem auf eine Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

Laut Zi arbeiten Praxisinhaber im Durchschnitt 51,5 Wochenstunden. Davon widmen sie ihren gesetzlich versicherten Patienten 35,8 Wochenstunden. Es wäre keine Lösung, wenn ein Arzt zu viele Patienten aufnehme und diesen nicht mehr gerecht werden könne, so Diecks.

Dies sieht auch ein ansässiger Arzt aus dem Kreis Unna so, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er weist zudem auf Plausibilitätsprüfungen seitens der Krankenkasse/Kassenärztlichen Vereinigung hin. „Je nach Spezialisierung des Arztes kann man davon ausgehen, dass bei circa 1300 bis 1400 Patienten pro Quartal diese Zeiten ausgeschöpft sind. „Sollten Patientenzahlen und damit Gesamtzeiten überschritten werden, wird den Ärzten Implausibiltität und eine Abrechnungsauffälligkeit unterstellt, aufwendige Prüfungen sind die Folge.“

Aufgrund der bereits jetzt schon bestehenden weit überdurchschnittlichen wöchentlichen Gesamtarbeitszeit – die bei Hausärzten zwischen 53 und 55 Stunden betrage – und den Plausibilitätsprüfungen könnten Ärzte ihre Gesamtpatientenzahl nicht steigern – insbesondere dann nicht, wenn die Qualität der medizinischen Behandlung aufrechterhalten werden soll.

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