Eine gute Party beendet die Ära der Phumabar in Holzwickede

dzKneipe schließt

Die Phumabar öffnete am Wochenende zum letzten Mal ihre Türen. Der Abschied fällt dem Wirtspaar nach zwölf Jahren nicht leicht, aber es ist ein Abschied aus persönlichen Gründen.

von Lena Zschirpe

Holzwickede

, 29.12.2019, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kneipensterben in Holzwickede war in diesem Jahr besonders spürbar: Nachdem der „Dorfkrug“ im Sommer zum öffentlichen Abverkauf des Gaststätten-Inventars eingeladen hatte, öffnete am Wochenende auch die Phumabar im Ortskern mit einer großen Abschiedsparty zum letzten Mal. Mangelnde Kundschaft ist dabei nicht der Grund für den Abgang.

„Wir haben einen dreijährigen Sohn“, erklärt Markus Jorissen, der die Phumabar mit seiner Partnerin Phuc Wan On führte. „Und der soll nicht so aufwachsen, dass Mama und Papa jeden Abend zum Arbeiten in die Kneipe fahren.“ Außerdem sei es zunehmend schwieriger geworden, passendes Personal zu finden. Denn neben dem Wirtspaar gehören immer auch Aushilfen zum Betrieb.

Idee: Eine Gaststätte für alle Generationen

Jorissen und Wan On haben schon immer in der Gastronomie gearbeitet, aber eigentlich eine Ausbildung zum Lehrer beziehungsweise als Bankkauffrau gemacht. Mit der Phumabar haben sie ihren ganz eigenen Ort erschaffen. Deswegen leitet sich der Name auch von den Vornamen des Paares ab. „Wir wollten hier unsere Ideen umsetzen und diesem Ort eine ganz besondere Note geben“, sagte Jorissen. Es sollte eine Kneipe weder nur für junge noch für ältere Leute sein. „Jeder, der sich hier wohlfühlt, durfte herkommen. So ein Angebot gab es damals nicht in Holzwickede.“ Und die Leute kamen: Das Publikum reichte regelmäßig von Menschen zwischen 16 und 86 Jahren.

Auch zur letzten Party waren die Leute in der gemütlichen Kneipe völlig unterschiedlich. Einige Gäste kamen schon früh, um den Beginn der Abschiedsparty nicht zu verpassen.

Geschenke an die Wirte

Zum „Feierabend“, wie Jorissen es nannte, wurde es in der Kneipe richtig voll, vor 20 Uhr herrschte schon Sitzplatzknappheit. Kein Problem für die Gäste – beim Zusammenrücken kommt man ohnehin besser ins Gespräch oder nutzt die Bewegung direkt für einen Tanz. Bei den meisten führte der erste Gang aber zu Jorissen und Wan On. Mit Umarmungen und sogar Abschiedsgeschenken wurden auch sie an diesem Abend gefeiert. Die Verbundenheit zwischen dem Wirtspaar und seinen Gästen war nicht nur während der Party, sondern auch in der Kneipe selbst spürbar. Über der Theke hing ein Präsent zum zehnjährigen Jubiläum, dazu Lebkuchen-Herzen und bunte Andenken an andere Feiern. „Wir haben hier viele tolle Partys gefeiert“, erinnert sich Jorissen. „Aber heute ist es mit Abstand die schwerste.“

Eine gute Party beendet die Ära der Phumabar in Holzwickede

Die Phumabar erlebte ihre letzte große Party: Markus Jorissen stieß ein letztes Mal mit seinen Gästen an. © Udo Hennes

In der Phumabar gab es kein „Sie“

Für die Stammgäste, aber auch für Holzwickede ist die Schließung der Phumabar schon jetzt ein Verlust. Ein lockeres, lustiges Miteinander, schnelle Kontaktaufnahme zwischen bisher Fremden und der Spaß an guter Gesellschaft bestimmten auch zur Abschiedsfeier den Abend. Schon immer hat der Wirt grundsätzlich jeden geduzt. „Die Leute, die herkommen, verbringen hier ihre Freizeit. Da ist es nicht wichtig, ob sie draußen Professor oder die Bürgermeisterin sind“, erklärt er.

Bisher kein Nachfolger

Einen Nachfolger für die hellen Räumlichkeiten gibt es bislang nicht, Interessenten aber schon. „Aber es war noch niemand dabei, der das Ganze in dieser Form als Kneipe fortführen würde“, sagt der Wirt. Es gebe eher Gedankenspiele für ein Restaurant.

„Wir haben elfeinhalb Jahre, fast zwölf Jahre, hier überleben dürfen“, so Jorissen. „Wir gehen nicht, weil wir müssen“, sagte der Wirt. „Wir sind stolz auf das, was wir hier geschaffen haben.“ Ein selbstgewählter Abschied sei schwer, aber ein Abschied in Würde. „Geh dann, wenn es gut ist und nicht wenn die Leute schon sagen: ,Da konnte man vor acht Jahren mal hingehen‘“, so Jorissen.

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