Ein Stück Deutschland per Post: Zwei Holzwickeder beweisen Gründermut

dzProduktebox für Fans

Deutschland ist im Ausland nicht als Land der Gründer bekannt. Die Stereotype sind andere. Das wiederum wollen sich zwei junge Geschäftsmänner aus Holzwickede zunutze machen. Und gründen.

Holzwickede

, 18.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gartenzwerg, Oktoberfest und feste Routinen beim Frühstück: Johannes Lammers und Lovis Kirchhoff haben klare Vorstellungen davon, wie das Ausland die Deutschen sieht. Und daraus eine Geschäftsidee entwickelt: Sie verschicken ein Sammelsurium typisch deutscher Produkte ins Ausland.

Bereits im Sommer nahm ihre Idee Gestalt an, orderten die beiden zig Pappkartons, legten Listen mit möglichen Produkten an, überlegten sich Themenboxen und wollten schließlich über eine Crowdfunding-Plattform ein Startkapital von 1500 Euro einsammeln. Das hat zwar nicht geklappt, aber für die beiden Jungunternehmer war das kein Grund, das Projekt fallenzulassen.

In der neuen Heimat ein Stück Deutschland nach Hause liefern lassen

Lammers hat mittlerweile seinen Bachelor an der International School of Management in Dortmund gemacht, Kirchhoff steht kurz davor. Über den Sommer haben die beiden BWLer weiter an ihrer Idee gearbeitet: „MyGermanBox“ soll vor allem junge Menschen im Ausland ansprechen, die vielleicht fürs Studium eine Weile im Land lebten und sich nun in der Heimat ein Stück Deutschland nach Hause liefern lassen können – sei es aus Sehnsucht oder um Freunden typisch deutsche Produkte zu präsentieren.

Ohne das Crowdfunding-Geld haben Lammers und Kirchhoff eine mittlere fünfstellige Summe selbst investiert. Am 2. November ist ihre Webseite an den Start gegangen, können die deutschen Boxen geordert werden. Bis dahin gab es viel zu tun: „Notartermine, Eintragung ins Handelsregister, Gewerbe anmelden, einen Anwalt wegen der neuen Datenschutzverordnung kontaktieren, die Marke anmelden – den bürokratischen Aufwand haben wir auch ein bisschen unterschätzt“, sagt Johannes Lammers. Allgemein mache man es jungen Gründern in Deutschland schwer: „Du bist mit dem Studium fertig, das Kindergeld fällt weg, man muss schauen, wie man sich versichert. Es gibt schon einige Hürden“, sagt Lammers.

Freunde in Großbritannien, Dänemark oder Spanien waren die ersten Kunden

Geschäftspartner Lovis Kirchhoff verbrachte zudem an die 100 Stunden damit, die Webseite an den Start zu bringen. „Bis dahin hatten wir noch keine Box verkauft und das Marketing steht jetzt erst noch an“, sagt der 21-jährige Dortmunder Kirchhoff.

Mittlerweile sind die ersten Bestellungen raus und angekommen: Freunde in Großbritannien, Dänemark oder Spanien waren die ersten Kunden. „So konnten wir testen, ob die Logistik funktioniert“, sagt Lammers.

Der 23-Jährige lagert aktuell alle Produkte, die in einer Frühstücks-, einer Oktoberfest- und einer Klischee-Box landen bei sich zu Hause in Holzwickede. „Keller und Dachboden sind voll“, sagt er und lacht. Beide packen jede einzelne Box selbst. Das finanzielle Risiko sei gering: „Um unsere Fixkosten drin zu haben, müssen wir nur zwei Boxen im Monat verkaufen. Wir starten bewusst langsam“, sagt Kirchhoff. „Für unsere Verhältnisse haben wir natürlich viel Geld investiert, wenn wir es wieder reinbekommen, wäre das schön. Im schlimmsten Fall ist es halt weg“, sagt Lammers. Auch eine Attitüde, die fürs Gründen eines Start-ups wichtig ist. Beide sehen ihre Geschäftsidee immer noch als Lernprozess. „Ich kann ja immer noch einen Master machen und einen Job finden“, sagt Lammers.

Die beiden glauben aber an ihre Idee und wollen vom anstehenden Weihnachtsgeschäft profitieren: mit Feuerzangenbowle, Glühweingewürz, Stollen, Gebäck und Bratapfelrezept in einer eigenen typisch deutschen Weihnachtsbox.

www.mygermanbox.com

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