Ein Spaziergang im Holzwickeder Süden kann die Krisen-Langeweile kurz verdrängen

dzBundeswehr-Gelände

Die Gemeinde befindet sich seit Mittwoch gewissermaßen im Stand-By-Modus. Für einen Hauch Abwechslung kann sich ein Besuch auf dem Bundeswehr-Gelände im Holzwickeder Süden lohnen.

Holzwickede

, 18.03.2020, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Menschen stehen sich auf einer Wiese gegenüber und schauen sich an. Ihr Gespräch kann man auch aus zehn Metern Entfernung gut verstehen. Dafür, dass sie an diesem sonnigen Mittwoch verhältnismäßig laut miteinander sprechen, gibt es einen speziellen Grund: Sie halten während ihres gesamten Spaziergangs auf dem Truppenübungsgelände der Bundeswehr an der Mühlenstraße zwei bis drei Meter Abstand und kommen sich nur selten ein wenig näher.

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Während die beiden Männer wie zwei gleichgepolte Magnete wirken, tollen ihre beiden Hunde um sie herum. Die Vierbeiner laufen hastig übers Gras. Zwischendurch strecken sie ihre Nasen Richtung Boden und beschnuppern sich in gewissen Abständen auch gegenseitig. Von Berührungsängsten ist bei ihnen, anders als bei ihren Herrchen, keine Spur.

Ein älteres Ehepaar geht gerne im Holzwickeder Süden spazieren. So auch am Mittwochmittag.

Ein älteres Ehepaar geht gerne im Holzwickeder Süden spazieren. So auch am Mittwochmittag. © Carlo Czichowski

In diesen Tagen kommt man an genau einem Thema kaum vorbei: Die Corona-Pandemie. Während sich spätestens seit Mittwoch viele Menschen in ihren Häusern verbarrikadieren und sich ihres üppigen Vorrates an dreilagigem Klopapier erfreuen, machten zur Mitte der Woche einige Menschen das vermutlich Simpelste, was sie bei frühlingshaftem Wetter machen konnten: Spazieren gehen und die Sonne genießen.

Die weite Sicht lädt ein, seinen Blick und die Gedanken schweifen zu lassen

Auch ich möchte mal für einen Moment aus dem derzeit ziemlich schnelllebigen Alltag entfliehen und fand auf dem Bundeswehrgelände im Holzwickeder Süden den passenden Platz dafür. Als ich das Grün betrete, schaue ich mich um. Die weite Sicht lädt ein, seinen Blick und die Gedanken ausgiebig schweifen zu lassen.

Bis auf den Zaun an der Grundstücksgrenze erinnert an der Mühlenstraße nicht viel an ein Bundeswehrgelände. Die Holzwickeder nutzen es schon lange als Ort für einen Spaziergang.

Bis auf den Zaun an der Grundstücksgrenze erinnert an der Mühlenstraße nicht viel an ein Bundeswehrgelände. Die Holzwickeder nutzen es schon lange als Ort für einen Spaziergang. © Carlo Czichowski

Etwa hundert Meter lang habe ich den Gehweg ganz für mich alleine, bis ich einem älteren Paar begegne. Sie stehen am Rand des Weges und schauen in die Ferne. In einem kurzen Gespräch verraten sie, dass sie sich ebenfalls etwas ablenken möchten. „Was soll man anderes tun? Hier kommt man auf andere Gedanken“, sagt die Frau, ehe sie zu ihrem vorangegangenen Begleiter einige Schritte aufholt.

Zwei Spaziergänger haben Angst, verurteilt zu werden

Abseits des Weges stehen zwei Männer auf der weitläufigen Wiese und halten ihre Hunde an der langen Leine. An einem Gespräch sind sie nicht interessiert. Nach den Aufrufen von Politikern nicht mehr das Haus zu verlassen, haben sie Angst für ihren Ausflug, bei dem sie offenkundig sämtliche Hygieneregeln beachten, verurteilt zu werden. Nach wenigen Augenblicken setzen sie ihren Spaziergang fort und wechseln vom Rasen auf den Gehweg.

Bis auf ein paar Vögel ist nichts zu mehr zu sehen

Ich bleibe noch ein wenig stehen und schaue mit halb verschlossenen Augen in die pralle Sonne. Bis auf ein paar Vögel, die auf der Wiese herumpicken, ist nun weit und breit nichts mehr zu sehen.

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Dass mein Handy in der Hosentasche vibriert, versuche ich auch für die restliche Zeit konsequent zu ignorieren. Um mich herum kehrt eine Zeit lang Ruhe ein. Ich schlendere weiter den Weg entlang, bis ich das Bundeswehr-Gelände schließlich wieder verlasse. Nach zwei Tagen im Home Office und ohne Termine tat der Spaziergang an der frischen Luft ziemlich gut.

Viele Menschen in Holzwickede nutzten den ersten Tag, an dem ein Großteil der Geschäfte geschlossen blieb, auch für eine Fahrradtour.

Viele Menschen in Holzwickede nutzten den ersten Tag, an dem ein Großteil der Geschäfte geschlossen blieb, auch für eine Fahrradtour. © Carlo Czichowski

Nach dem Spaziergang wieder ab in den Alltag

Dann setze ich mich ins Auto, lasse den Motor an und fahre los. Als ich in den Radio-Nachrichten die neuesten Entwicklungen über die Ausbreitung des Coronavirus höre, habe ich kurz das Bedürfnis, in der nächsten Einfahrt zu wenden. Ich halte mich aber weiter auf der Spur und bleibe voll auf Kurs in Richtung Alltag.

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