Ehrennadel der Stadt Dortmund für Holzwickeder Gerd Kolbe

dzAuszeichnung im Rathaus

Aus den Händen von Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat Gerd Kolbe am Montag die Ehrennadel der Stadt Dortmund bei einem Empfang im Rathaus entgegengenommen.

Holzwickede

, 22.06.2020, 18:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Gerd Kolbe bekommt ein Mann die Auszeichnung verliehen, der sich nicht einer speziellen Tätigkeit verschrieben hat. Über die Jahre waren es viele verschiedene Tätigkeiten, deren Kerne meist aus Dortmund sowie Borussia im Speziellen und Fußball im Allgemeinen bestanden.

„Wer Gerd Kolbe kennt, wundert sich vielleicht, warum es erst jetzt zur Ehrung kommt“, leitete Oberbürgermeister Ullrich Sierau seine Laudatio auf den Geehrten ein. Schon was Kolbe vor seiner Pensionierung im September 2006 auf die Beine stellte, würde schon die Ehrennadel rechtfertigen. Dereinst gab es für seinen Einsatz als Leiter des städtischen WM-Büros zunächst aber den City-Ring für die Organisation des Dortmunder „Sommermärchens“.

Die WM im eigenen Land und der Ruhestand waren für Kolbe im Grunde erst der Start in aufregende Jahre voller Reisen und Begegnungen mit den Großen aus Politik, Wirtschaft und Sport. „Du warst einer dieser Stadtsoldaten, die man nachts um drei Uhr wecken konnte und die sofort Ideen haben. Aber erst nach deiner Pensionierung hattest du plötzlich ein offenes Feld für dich“, so Sierau.

Schon früh über die Borussia einen Heimatbezug hergestellt

Das Wissen und die Kontakte, um das „offene Feld“ auch zu bespielen, eignete sich der heute 75-Jährige über Jahrzehnte im Dienst der Stadt an. Als Achtjähriger Anfang der 1950er-Jahre aus Mecklenburg-Vorpommern mit den Eltern nach Dortmund gezogen, identifizierte sich Kolbe schnell über die Borussia mit der neuen Heimat.

Als Verwaltungslehrling im Dortmunder Sportamt war der einstige BVB-Spieler Alfred Kelbassa sein erster Chef. 1967 wechselte Kolbe ins Presseamt der Stadt, wurde zur Jahrtausendwende ihr Sprecher. Schon zwischen 1976 und 1981 war Gerd Kolbe als Pressesprecher der Borussia aktiv, blieb dem Verein auch in der Folge eng verbunden und hat als offizieller BVB-Archivar seinen Anteil daran, dass so manches Erinnerungsstück den Weg ins Borusseum gefunden hat, statt entsorgt zu werden.

In einer kurzen Dankesrede bedachte Gerd Kolbe auch seine Ehefrau, die ob seiner Tätigkeiten oft geduldig mit ihm war.

In einer kurzen Dankesrede bedachte Gerd Kolbe auch seine Ehefrau, die ob seiner Tätigkeiten oft geduldig mit ihm war. © Greis

Nicht mehr im Dienst der Stadt unterwegs war Kolbe nach 2006 dennoch nur formell im Ruhestand. Als Berater für Großveranstaltungen war er weltweit gefragt. Ob EM in Österreich und der Schweiz oder WM in Südafrika – Kolbes Meinung war den Planern vor Ort wichtig.

Vor der WM in Russland 2018 bot sich eine Kooperation mit Dortmunds Partnerstadt Rostow am Don an. Wieder war Gerd Kolbe als Experte gefragt. „Brasilien, Kroatien, Mexiko, Belgien, Japan – wir haben damals Info-Pakete mit Texten und Fotos für die Medienvertreter der Länder, die zu Gast waren, geschnürt. Das kam sehr gut an“, sagt Kolbe.

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Die Hilfe der Deutschen wiederum honorierten schließlich trotz anfänglicher Skepsis die russischen Gastgeber. „Die Städtepartnerschaft mit Rostow wurde durch Gerd Kolbe deutlich vorangebracht“, würdigt Sierau denn auch dessen Arbeit nochmals – so wie es nach der WM in Heiko Maas und Sergei Lawrow bereits der deutsche und russische Außenminister taten.

Sport auch im kulturellen und historischen Kontext sehen

Trotz seiner nunmehr 75 Jahre sieht sich Gerd Kolbe als „junger Hüpfer“. Die Ehrennadel der Stadt Dortmund sei zwar Wertschätzung und Anerkennung für das Geschaffte, am Ende seines Engagements sieht er sich aber nicht. „Es gibt noch zwei Projekte, die mir weiterhin am Herzen liegen“, sagt Kolbe.

Zum einen arbeitet er zusammen mit Wofgang Weick, einst Leiter des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte daran, die Geschichte der jüdischen Familie Elkan und ihre Bedeutung für Dortmund aufzuarbeiten. Benno Elkan war bekannter Künstler und Fußballpionier in Dortmund – später auch in München und hier Mitbegründer des FC Bayern. Vater Salomon gründete wiederum den Dortmunder Schachverein. Und auch zum Schach hat Kolbe eine Verbindung, organisierte fast drei Jahrzehnte lang die Dortmunder Schachtage.

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Jüdisches Leben und Sport in Dortmund in Verbindung mit dem BVB – damit klärt Kolbe innerhalb der BVB-Fanabteilung als Leiter der AG Tradition seit 2016 in Schulen über Rassismus und Antisemitismus auf. „Das Schulprojekt ‚Der BVB in der NS-Zeit’ ist eine großartige Brücke, um die Thematik in den Klassenräumen zu vermitteln“, weiß Kolbe um die Anziehungskraft des BVB – gerade auch, wenn es um leidvolle Geschichte geht. Auch das Holzwickeder Clara-Schumann-Gymnasium war 2018 bereits Teil dieses Projektes.

Gerd Kolbes Engagement für Dortmund, den BVB und den Fußball – die Ehrennadel der Stadt Dortmund ist verdient, auch wenn Kolbe seit 1978 in der kleinen Nachbargemeinde lebt. Und in Holzwickede wird man den umtriebigen Senior künftig möglicherweise bremsen wollen, schloss Ullrich Sierau seine Laudatio doch schelmisch mit den Worten: „Wir sind froh, dass du zur Stadtgesellschaft gehörst. Vielleicht sollten wir deinetwegen Holzwickede doch zu unserem 13. Stadtbezirk machen.“

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