Bombenentschärfung, Unwetter, Großbrand: Droht Gefahr, rücken meist nicht nur Polizei und Feuerwehr aus, sondern auch Organisationen wie das DRK. Damit im Ernstfall alles klappt, muss auch das gemeinsame Ausrücken geübt werden.

Holzwickede

, 25.09.2019, 19:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Bild aus dem Heckfenster des Führungsfahrzeugs beeindruckt das Trio im Fond. Zugführer Nico Müller blickt mit Thorsten Grund und Anika Knutti aus dem Heckfenster auf zehn DRK-Fahrzeuge und einen Transporter der DLRG samt Anhänger mit Rettungsboot, die ihnen mit Blaulicht im Abstand von je 100 Metern folgen.

„Das sieht schon gut aus“, sagt Grund, stellvertretender DRK-Leiter im Ortsverein Holzwickede. An diesem sonnigen Samstagmorgen assistiert er zusammen mit Kreisrotkreuzleiterin Knutti dem 24-jährigen Müller bei dessen erster Kolonnenfahrt als Zugführer – oder wie es im Fachjargon heißt: Motorisierter Fahrzeugmarsch, kurz MOT-Marsch.

Mit Video: DRK-Ortsvereine üben das Fahren mit Blaulicht und Martinshorn für den Ernstfall

Zugführer Nico Müller bildet mit Thorsten Grund und Anika Knutti die Spitze des Zuges. Vom Führungsfahrzeug aus geben sie per Funk Anweisungen an die Einsatztrupps und dokumentieren die Übung. © Greis

Die Fahrt in Kolonne ist nötig, wenn das DRK als geschlossene Einheit zu einer Einsatzlage fährt. Das ist gegeben, wenn mindestens drei Fahrzeuge von einem Sammelpunkt aus gen Ziel aufbrechen. Ein Ernstfall ist der MOT-Marsch des DRK an diesem Samstag nicht. Es handelt sich um eine Übung, damit im Falle eines Falles jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat.

Das müssen an diesem Morgen die Ehrenamtlichen des DRK beweisen. Der Tag beginnt für alle Beteiligten gegen 8 Uhr mit einem Frühstück und der Teambesprechung im DRK-Pavillon neben der Dudenrothschule. Erst jetzt erfahren die Ehrenamtler, welche Route sie nehmen und wo das Ziel liegt: Das DRK-Museum in Schlangen bei Paderborn.

Video
DRK-Übung: Kolonnenfahrt über die A44

33 Ehrenamtler bilden eine DRK-Einheit

Die Größe der Einsatzeinheit ist festgelegt und umfasst 33 Personen, die sich in vier Aufgabenkategorien unterteilen. An der Spitze steht der Führungstrupp mit Zugführer Nico Müller. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Wie beispielsweise das THW als Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes kann auch ein gemeinnütziger Verein wie das DRK im Bedarfsfall zur Gefahrenabwehr angefordert werden.

Während der Übungsfahrt in Kolonne geht es für den Zugführer vor allem darum, seinen Verband zusammenzuhalten und entsprechende Anweisungen per Funk zu kommunizieren. „Blaulicht an. Martinshorn an. Wir fahren bei Rot“, geht das Kommando kurz und knapp ins Funkgerät und zwölf Fahrzeuge fahren gemeinsam von der Nordstraße gen A44 auf.

Vier Ortsvereine sind an der Übung beteiligt

Hinter dem Führungsfahrzeug leuchtet es blau und ertönen die Hörner. Der Zugspitze folgt der Sanitätsdienst mit Krankenwagen des Bundes- und des Orts-DRK. Hier haben Ehrenamtler aus Unna und Schwerte die Verantwortung.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Einsatztrupps der DRK-Kolonnenfahrt

Eine Fahrt in Kolonne haben kürzlich die Ortsvereine des DRK aus Holzwickede, Unna, Schwerte und Fröndenberg durchgeführt. Beteiligt war zudem eine Abordnung des DLRG.
25.09.2019
/
Der Führungstrupp um (v.l.) Fahrer Yannick Franken, Zugführer Nico Müller, und die Führungsassistenten bzw. -gehilfen Anika Knutti und Thorsten Grund.© Greis
Das Sanitätsteam um Truppführer Tim Rudack (blaue Weste) aus Unna und Schwerte.© Greis
Das Betreuungsteam um Truppführer Frank Mannke (blaue Weste) aus Holzwickede.© Greis
Das Technikteam aus Fröndenberg um Truppführer Ralf Quietzsch (blaue Weste).© Greis
33 Ehrenamtler waren Teil der DRK-Übungsfahrt.© DRK

Dahinter folgt der Betreuungstrupp, der sich im Ernstfall um die Verpflegung kümmert – beispielsweise, wenn Menschen vorübergehend in Notunterkünften untergebracht werden müssen. Hier sind die Holzwickeder zuständig. Den Abschluss des Zuges bildet der Techniktrupp. Im Ernstfall würde hier der DRK-Ortsverein Fröndenberg dafür sorgen, dass am Einsatzort die Logistik funktioniert.

Auf der Autobahn 44 gen Paderborn funktioniert die Kolonne des DRK ziemlich reibungslos. Aufregung kommt nur auf, wenn sich auf Höhe von Auf- und Abfahrten kurzfristig Pkws oder Lkws in die Lücken drängeln. Auf der Autobahn hält der Zug ein Tempo von 60 Stundenkilometern und einen Abstand von 100 Metern zwischen den Fahrzeugen.

„Das ist Vorgabe des DRK. Die 60 km/h erhöhen die Sicherheit und vereinfachen das Zusammenbleiben“, sagt Anika Knutti. Da die fremden Lkw etwas schneller unterwegs sind, werden sie durch das Tempo zudem quasi genötigt, wieder zügig aus dem Verband auszuscheren.

Mit Video: DRK-Ortsvereine üben das Fahren mit Blaulicht und Martinshorn für den Ernstfall

Aufgereiht stehen die DRK-Fahrzeuge auf dem Platz von Louviers zur Abfahrt bereit. © Greis

Zur Sache

Drei Monate Vorbereitung

  • Aufsatteln und losfahren – so einfach ist das nicht. Für eine Übung wie die Kolonnenfahrt müssen die DRKler um Thorsten Grund vorab zahlreiche Genehmigungen einholen, um auch Bundes- und Landesfahrzeuge des DRK nutzen zu können.
  • Auch betroffene Kreise müssen die Fahrt genehmigen und auch die Leitstelle muss informiert sein, dass eine Einsatzeinheit mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs ist.
  • „Zusammen mit Streckenplanung und -begutachtung, Rahmenprogramm etc. dauert das dann seine drei Monate“, sagt Thorsten Grund.

Einmal in Fahrt ist der Verband auf der Autobahn einfacher zu managen als innerorts. Nachdem der Zug am Morgen nach dem Sammeln auf dem Platz von Louviers zur Hauptstraße startet, reißt er zunächst auseinander. „Der Lkw ist weg. Die anderen fehlen auch. Yannick, langsamer werden. Blaulicht an. Wir halten und warten“, gibt Nico Müller das Kommando an Fahrer Yannick Franken. Auch für ihn ist die Kolonnenfahrt das erste Mal und er als Fahrer gut gewählt: Unaufgeregt und mit einer Bierruhe gibt er das Tempo vor. „Nicht schlimm. Deswegen üben wir das“, sagt Thorsten Grund.

Nach zwei Minuten und einem kurzen Halt auf der kaum befahrenen Hauptstraße sind alle Fahrzeuge wieder beisammen. Über die Nordstraße und bei Grün geht es dann Richtung A44. „Springt die Ampel um, dann Blaulicht und Martinshorn und folgen“, lautet die Ansage des Zugführers per Funk. Die Kolonne zählt im Straßenverkehr als ein Fahrzeug, entsprechend müssen andere Verkehrsteilnehmer den DRKlern den Vorrang lassen. Darauf weisen auch blaue Fahnen an den Fahrzeugen hin. Aber: Licht und Ton haben natürlich eine ganz andere Signalwirkung.

Am Ziel wartet ein Besuch im DRK-Museum

„Yannick. Rastplatz Soester Börde in fünf Kilometern. Da fahren wir ab“, sagt Nico Müller. Auch die Rast gehört zur Übung. „Ich habe mir das vorab angeschaut. Wenn wenig los ist, sollten wir Platz haben“, weiß Müller. Vor Ort rasten dann doch zu viele Lkw. Der Verband muss sich frei verteilen. Im Führungswagen sind Müller, Grund und Knutti dennoch zufrieden. Die Fahrer kontrollieren ihre Fahrzeuge. „Immer die Wolke. Wasser, Öl, Luft, Kraftstoff, Energie“, sagt Dastin Rüschhoff, der als Lkw-Fahrer den Zug abschließt.

Nach 15 Minuten Pause satteln die DRKler wieder auf, setzen gegen 10.30 Uhr ihre Fahrt nach Paderborn fort. Dort pausiert die Übung dann, dürfen alle beim Besuch des DRK-Museums entspannen. Auch auf dem Rückweg wird die Übung reibungslos verlaufen und darf der Samstag schließlich beim gemeinsamen Grillen beim DRK Unna an der Krautstraße ausklingen. „Das Gemeinschaftliche, das soll ja schließlich auch dazugehören“, sagt Ehrenamtler Thorsten Grund.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger „Huhn on Tour“

Miet-Hühner: Gefiederte Gäste begeistern die Kinder im Familienzentrum Löwenzahn

Hellweger Anzeiger Nach Kanalschäden

Pause beendet: Kreis Unna nimmt die Arbeiten auf der Landskroner Straße wieder auf

Hellweger Anzeiger Mit Video-Beweis

Nächste Runde im Mülltonnen-Ärger: Anwohner der Friedhofstraße fühlt sich belogen

Meistgelesen