Drastische Töne bei Anwohner-Protest gegen Baupläne: „...werde Holzwickede dann verlassen“

dzWohnen in Holzwickede

Anwohner der Bahnhofstraße und Jahnstraße haben am Freitag gegen ein geplantes Bauprojekt protestiert – und möchten damit den Druck auf die Politik erhöhen. Am Dienstag wird entschieden.

Holzwickede

, 19.06.2020, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Anwohner der Bahnhofstraße 57 und der umliegenden Häuser, die hinter ihren Wohnhäusern Gärten angelegt haben, geht es in der kommenden Woche um viel: Gibt die Politik in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am Dienstag dem Bauverein Holzwickede für sein geplantes Neubaugebiet grünes Licht, könnten jene Flächen überplant werden, auf denen sich momentan die von ihnen genutzten Gärten und Garagen befinden.

Schon nach Bekanntwerden der Pläne hatte sich unter der Anwohnerschaft, allesamt Mieter des Bauvereins, ein großer Widerstand gebildet: Sie sehen ihr grünes Idyll bedroht, fürchten dass ihnen durch eine Bebauung an dieser Stelle ein großes Stück Lebensqualität wegbricht.

Wollen ihre Gärten – und damit aus ihrer Sicht auch mehr Lebensqualität – behalten (von links): Bärbel Kretzschmar, Britta Marten und Uwe Calovini.

Wollen ihre Gärten – und damit aus ihrer Sicht auch mehr Lebensqualität – behalten (von links): Bärbel Kretzschmar, Britta Marten und Uwe Calovini. © Carlo Czichowski

Anwohner der Bahnhofstraße stellen sich gegen Neubaupläne

Am Freitag versammelten sich wieder einige von ihnen an ihren Wohnhäusern. Sie haben Dachziegel gestaltet, die sie mit Protest-Parolen in grellen Farben bemalt haben. Bis heute – so erzählen die Anwohner – sei kein Vertreter des Bauvereins auf sie zugekommen und habe in dieser Sache signalisiert, dass man über mögliche Lösungen mit ihnen diskutieren möchte.

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Einer der Knackpunkte in dem Sachverhalt: Einige Anwohner haben in ihrem Mietvertrag einen Zusatz stehen, in dem ihnen eine Gartennutzung garantiert wird, manche von ihnen aber auch nicht. Vereinzelte juristische Beratungen, so erzählen sie, waren bisher wenig aufschlussreich.

Bewohner verweisen auf einen Zusatz im Mietvertrag

Ob im Falle der Realisierung des Bauvorhabens für jene Mieter des Bauvereins, die einen entsprechenden Zusatz in ihrem Mietvertrag haben, etwa ein Anspruch auf eine Gartenparzelle woanders entsteht, sei nicht sicher.

Sollte das Projekt wie vom Bauverein angedacht umgesetzt werden, dürften in jedem Fall die Mieter ohne schriftlich garantierte Gartennutzung, so scheint es jedenfalls, in die Röhre schauen. Die anderen könnten einen Anspruch darauf haben, dass der Bauverein ihnen einen Garten – etwa in einer nahe liegenden Kleingartenanlage – erwerben muss.

Wohnhäuser sollen nach den ersten Plänen des Bauvereins in drei Abschnitten zwischen Montanhydraulikstraße und Bahnhofstraße entstehen. Einen Teil der Fläche müsste der Bauverein der Gemeinde abkaufen.

Wohnhäuser sollen nach den ersten Plänen des Bauvereins in drei Abschnitten zwischen Montanhydraulikstraße und Bahnhofstraße entstehen. Einen Teil der Fläche müsste der Bauverein der Gemeinde abkaufen. © Bornemann Architekten

Zur Einordnung: Neben der Frage, ob das Neubaugebiet mit bis zu 64 neuen Wohnungen entstehen wird, steht auch die Frage im Raum, in welcher Größe das Projekt umgesetzt werden könnte. Ein Teil der Fläche, die der Bauverein ins Auge gefasst hat, gehört der Gemeinde oder ist privates Eigentum. Ein erheblicher Teil der Anwohner-Gärten befindet sich jedenfalls auf dem Grund des Bauvereins.

Argumenten der Mieter steht Bedarf an neuem Wohnraum gegenüber

Den Argumenten der Mieter, die neben der Wahrung ihrer Lebensqualität auch den Umweltaspekt anführen, steht der Bedarf an neuem Wohnraum gegenüber. Bei besagter Fläche handelt es um eine der wenigen Möglichkeiten, diesen Bedarf in zentraler Lage zu decken.

Die Anwohner beurteilen den Sachverhalt so: Sie sehen für das Bauvorhaben keine Notwendigkeit, befürchten dass die geplanten Mehrfamilienhäuser zu einem sozialen Brennpunkt werden könnten. Von politischer Seite haben sie dafür zumindest aus der Grünen-Fraktion Zustimmung signalisiert bekommen.

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Wenn das so kommen wird, dann werde ich Holzwickede verlassen“, kündigte Daniela Klöwer am Freitag an. Sie sei vor sechs Jahren mit ihrer Familie bewusst in ihre Wohnung gezogen, weil sie einen Garten haben wollte. Uwe Calovini pflichtet ihr bei und ist sich sicher: „Es wird noch ein langer Kampf werden. Wir haben einmal angefangen, so schnell hören wir jetzt nicht mehr auf.“

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