Ante Perry reist als DJ um die ganze Welt

dzErste Schritte im Treffpunkt Villa

Die Anfänge führen in den Treffpunkt Villa, heute ist der international bekannte DJ Ante Perry weltweit unterwegs. Im August hat er sein erstes, eigenständiges Album veröffentlicht.

von Lena Zschirpe

Holzwickede

, 21.10.2018, 15:47 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kapstadt, Berlin und der Treffpunkt Villa mitten in Holzwickede: Der international bekannte House-DJ Ante Perry ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und erinnert sich noch gerne an seine musikalischen Anfänge in der Heimat.

Im August dieses Jahres ist sein erstes, eigenes Album „Welcome to Perrydise“ erschienen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Ante Perry erleichtert. „Das Album ist sehr vielfältig geworden und lässt sich stilistisch in keine Schublade stecken. Das war mir sehr wichtig.“

Perry macht seit vielen Jahren elektronische House-Musik, auf seinem Album wirken aber auch Künstlerinnen und Künstler aus anderen Genres mit. „Mir war es wichtig, mit vielen Leuten zusammen zu arbeiten. Denn wenn man ins Paradies reist, macht man das gerne mit Freunden.“ So wie Tobitob, der in den 1990er-Jahren als Teil der HipHop-Gruppe „Fünf Sterne deluxe“ bekannt wurde. „Was ich dabei gar nicht bedacht habe: Tobi hatte zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre weder etwas gerappt noch Zeilen geschrieben. Deswegen ist es erst recht eine große Ehre für mich, dass er auf dem Album ist“, sagt Perry.

Durch die verschiedenen Einflüsse des Albums, hat sich auch die Reichweite von Perrys Musik verändert. „Die Single mit Tobi ist beispielsweise in den „Black Charts“ vertreten. Für mich als Künstler der elektronischen Musik ist das sehr ungewöhnlich, mit Leuten wie Justin Timberlake und Drake in einer Liste aufzutauchen.“ Hinter seinen Glücksgefühlen liegt auch eine turbulente Zeit. Auf dem Weg zu „Welcome to Perrydise“, sei nicht immer alles glatt gelaufen. „Eigentlich waren im März bereits einige Songs fertig, aber dann wurde meine Festplatte geklaut. Dort war mein ganzes Album drauf und ich musste den Großteil reproduzieren, das hat noch mal sechs Wochen gedauert“, sagt Perry. Das geistliche Eigentum kam bei dem Diebstahl zum Glück nicht in falsche Hände. „Sonst würden wir nicht hier sitzen und darüber reden.“

„Versuch macht kluch“

Perry veranstaltet auch Partys und hat vor fünf Jahren sein eigenes Label „Be an ape“ gegründet. „Ich wollte schon immer unabhängig sein. Und das hat irgendwie dazu geführt, dass ich da bin, wo ich jetzt bin“, sagt der DJ, der früh in der Karriere mit Rückschlägen Erfahrung machte. So hat er sich zur Dortmunder Love Parade 2008 ordentlich verkalkuliert:. „Das war einer der schlimmsten Tage meines Lebens“, sagt Perry. Rund um die Route des Umzugs fanden Partys statt, der Holzwickeder hatte ebenfalls eine in einem Autohaus geplant, das auf der Umzugsstrecke lag. Dann wurde die Strecke gekürzt, Besucher fanden den Ort nur über Umwege und es regnete auch noch. „Ich habe damals alles auf eine Karte gesetzt und eine Party in einem Autohaus veranstaltet und am Ende dabei doppelt und dreifach verloren“, sagt Perry. Heute weiß er: „Am Ende war es auch einfach ein zu großes Projekt. Aber Versuch macht kluch! Ich bin im Nachhinein sehr dankbar für diese Erfahrung, denn es war der richtige Dämpfer, zur richtigen Zeit in der richtigen Größe.“

Zu diesem Zeitpunkt sei nämlich vieles in Perrys DJ-Karriere schnell ins Rollen gekommen. „Das entscheidende in dieser Szene ist, dass man gute Freunde hat, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren.“ Ehrlichkeit finde man in der Party-Branche nur selten. „Es kommt niemand zu dir und sagt: ‚Das war kacke.‘ Alle sagen: ‚Du hast super aufgelegt, das war geil‘. Ich habe zum Glück sehr gute Freunde und die hätten mir dann schon lange in die Beine gegrätscht.“

Die Wurzeln von Perrys DJ-Karriere liegen in seiner Heimat Holzwickede. Das damalige Jugendzentrum, heute besser bekannt als Villa Pfiffikus oder Treffpunkt Villa, war Ende der 1980er-Jahre ein Anlaufpunkt für Musikfans aus ganz NRW. „Natürlich gab es dann auch viel Ärger und Schlägereien, deswegen wurde es zunächst geschlossen. 1991 wurde dann neu eröffnet“, erinnert sich Perry. Von 18 bis 21 Uhr sei damals Disco gewesen. Eintritt: eine Mark. Damals waren junge Leute gefragt, die auflegen wollten. „Weil ich damals immer schon beim Bauspielplatz dabei war, habe ich das mitbekommen und direkt mitgemacht. Am Ende habe ich jeden Freitag gespielt. Wir sind einmal die Woche losgefahren, haben Maxi-CDs gekauft und dann aufgelegt“, sagt der DJ. Mit seiner Heimat verbindet Perry vor allem seine Jugenderinnerungen.

Traum vom Profifußball

Einer der Orte, die ihm wichtig waren: das damalige Emscherstadion. „So im Alter von vier Jahren habe ich immer hinter der Tribüne gespielt und dann meine Eltern gedrängt: ‚Ich muss Fußball spielen!“ Das Hobby hatte einige Jahre Priorität, mit Fußball hat Perry sein erstes Geld verdient. „Ich wollte immer Profi werden. Als ich nach meinem Abi verletzt war, musste ich sonntags nicht mehr früh aufstehen und habe Clubs für mich entdeckt“, sagt der Musiker. Statt nach auskurierter Verletzung wieder zu trainieren, zog er los und kaufte einen Plattenspieler. Musikalisch prägen den DJ bis heute seine Idole aus den 90er-Jahren: „Meine erste eigene Maxi-CD war Michael Jackson mit ‚Black or White“, ein dementsprechend großer Einfluss war er also.“ Im Jugendzentrum habe er dann vor allem aufgelegt, was gerade beliebt und in den Charts war, später kam deutscher HipHop hinzu: Freundeskreis, Absolute Beginner und eben Fünf Sterne Deluxe.

Perry ist beruflich in der Welt viel rumgekommen. „Die Energie, die in Kapstadt herrscht, ist unbeschreiblich. Aber auch in Berlin zu performen, das ist immer etwas besonderes. Da spielt man teilweise zur Uhrzeiten, bei denen meine Mutter verwundert fragt: ‚Wie? Montagmorgens um 10 Uhr?“ Viele Reisen stehen für Perry auch nach der Veröffentlichung seines Albums an. Eine Tour durch Deutschland und Auftritte in der Türkei, der Schweiz und Österreich sind geplant. Perry sieht viel von der Welt. „Es ist ein sehr priviligierter Job.“ Oft trifft er aber gerade deswegen auf Unverständnis. „Ganz viele Leute verstehen einfach nicht, dass es auch harte Arbeit ist.“ Zeit sei in der Musikbranche ein kostbares Gut, wenn man ständig unterwegs ist. „Wie viele Geburtstage verpasse ich? Wie viele Hochzeiten? Man verzichtet auch auf sein Privatleben“, sagt Perry. Seine Mutter wohnt noch immer in Holzwickede. „Manchmal bin zu Besuch. Sie sagt zwar immer, ich sei zu viel zu selten da, aber das sagen glaube ich alle Mütter ihren Kindern.“

Das Album „Welcome to Perrydise“ ist im Handel und auf den einschlägigen Musikplattformen im Internet erhältlich. Zur Webseite und den sozialen Kanälen von DJ Ante Perry geht es hier.
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