Die Volksbank-Filialen in Holzwickede werden im neuen Jahr zusammengelegt. Die Geschäftsstelle an der Nordstraße fällt weg, dafür wird der Sitz an der Hauptstraße umgebaut.

Holzwickede

, 20.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Pläne zur Zusammenlegung der beiden Filialen liegen schon seit Jahren in der Schublade. Nun werden sie konkret. Im ersten oder zweiten Quartal 2019 soll der Umbau der Filiale an der Hauptstraße beginnen. Dann steht vorübergehend nur die Filiale an der Nordstraße zur Verfügung. Ist der Umbau beendet, schließt die Geschäftsstelle im Norden der Gemeinde ihre Pforten.

Bereits Mitte der 2000er-Jahre war eine Zusammenlegung beider Filialen im Gespräch. „Damals stand ein Neubau an der Hauptstraße im Raum, wo sich heute der Netto-Supermarkt befindet“, sagt Roland Schüttfort, Filialleiter Holzwickede Nord. Diese Pläne sind zwar überholt, die der Zusammenlegung hatten die Verantwortlichen aber immer im Hinterkopf.

Dass nun die Filiale an der Nordstraße schließt, hat laut Peter Zahmel, Leiter der Niederlassung Unna, vier Gründe. „Das Zinsniveau ist nach der Finanzkrise zusammengebrochen. Wir bekommen vom Sparer Geld und geben dafür wieder Kredite aus. Das ist das Hauptgeschäft für uns als Regionalbank. Vor 2008 hat sich das Geschäft gerechnet. Wenn der Zins aber über zehn Jahre auf Niedrigniveau bleibt, wird es problematisch“, sagt Zahmel. Aktuell liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 0 Prozent und der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, bei minus 0,4 Prozent. 2008 lag der Zins noch bei rund 4 Prozent.

Die Volksbank-Filiale an der Hauptstraße wird umgebaut und modernisiert

Die Umbauarbeiten der Volksbank beziehen sich vor allem auf den Innenbereich der Filiale an der Hauptstraße, der komplett neu gestaltet werden soll. © Greis

Die Digitalisierung führe indes dazu, dass Kunden für manche Bankgeschäfte keine Filiale mehr benötigen, ihre Bank über Apps auf dem Smartphone dabei haben oder zu Hause den Computer nutzen. Auch der demografische Wandel mache sich bemerkbar und strengere Regeln für den Bankensektor hätten in Folge der Finanzkrise Aufwand und Kosten erhöht. „Die demografische Entwicklung und die Digitalisierung haben wir auch vor 2008 schon gespürt, konnten uns aber bis dato mehr Filialen erlauben“, sagt Zahmel.

Seit 1990, als es noch rund 3000 eigenständige Volksbankinstitute gab, ist die Zahl mittlerweile unter 1000 gefallen. Die Zahlen beziehen sich dabei nicht auf einzelne Geschäftsstellen, sondern auf Volksbankfusionen – so wie zwischen den Volksbanken Unna und Schwerte mit der Dortmunder Niederlassung Mitte der 2000er Jahre. 2013 kam die Volksbank Hamm dazu, auch Castrop-Rauxel gehört zum Verbund. Die Dortmunder Genossenschaftsbank mit seinen Niederlassungen ist damit die größte Volksbank in NRW. „In den Jahren 2015 und 2016 haben wir das Projekt 2020 aufgesetzt. Da wurden 30 Standorte im Geschäftsgebiet zusammengeführt. Da gewinnt man nicht immer einen Schönheitspreis mit“, ist sich Zahmel bewusst, dass Filialschließungen beim Kunden nicht gut ankommen.

Filialen der Volksbank Unna

Noch ist Holzwickede zweifach vertreten

Die Volksbank Unna betreibt aktuell neun Filialen: fünf in Unna, eine in Kamen, eine in Fröndenberg und zwei in Holzwickede. Hinzu kommen sieben Geldautomaten im Niederlassungsbereich. In Holzwickede steht ein Automat an der Massener Straße in Hengsen.

Auch für Holzwickede habe es damals Überlegungen gegeben, ob man überhaupt noch eine Geschäftsstelle vor Ort brauche. „Bleiben wir so, verändern wir was oder verschwinden wir? Das haben wir uns gefragt. Die letzte Frage fiel zuerst weg“, sagt Zahmel. Holzwickede biete eine interessante Entwicklungsperspektive, eine Zusammenlegung der Filialen sei aber aus genannten Gründen unausweichlich. Einst war im Gespräch, dass die Volksbank neben die Filiale der Sparkasse ziehen könnte, wenn auf der abgebrochenen Fläche der ehemaligen Galerie Baltes ein Neubau entsteht. Konkret sei das aber nie gewesen und es war laut dem Unnaer Niederlassungsleiter auch nicht das einzige Projekt, mit dem man sich befasst habe. „Der zeitliche, räumliche und finanzielle Rahmen hat nirgends gepasst“, sagt Peter Zahmel. Schließlich sei man zu dem Schluss gekommen, die Geschäftsstelle an der Hauptstraße umzubauen.

Das soll nun im ersten oder zweiten Quartal 2019 passieren. Die rund 6100 Kunden (4200 davon Genossenschaftsbank-Mitglieder) müssen dann zunächst für einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten mit der Geschäftsstelle an der Nordstraße vorlieb nehmen. Auch die Mitarbeiter wechseln dann den Arbeitsplatz. „Das wird eng, aber wir haben dann weiterhin eine funktionierende feste Stelle. Das ist der Vorteil“, sagt Zahmel. Personal soll nicht abgebaut werden, nach dem Umbau wechselt die Belegschaft komplett in die gut 330 Quadratmeter großen Räumlichkeiten an der Hauptstraße. Auch wie die Aufgabenverteilung der Filialleiter, Roland Schüttfort im Norden und Christoph Kopec in Mitte, künftig aussieht, sei noch offen. Ebenso, was mit dem Gebäude an der Nordstraße passiert. Es gehört der Bank. An der Hauptstraße ist man indes Mieter, sich aber mit dem Eigentümer über den Umbau einig.

Die Volksbank-Filiale an der Hauptstraße wird umgebaut und modernisiert

Mit Modellen wurde zusammen mit Raumplanern durchgespielt, welche Wände innerhalb der Filiale entfallen könnten, wo Büros und Automaten künftig platziert werden könnten. Das Foto zeigt nur ein Beispiel dieser Gedankenspiele, nicht den finalen Entwurf. © Volksbank Unna

In den vergangenen Monaten hat man mit Architekten und Raumplanern diverse Lösungen durchgespielt, welche Wände weichen können, wie Schalter und Automaten stehen könnten. Noch steht das Raumkonzept nicht ganz, es soll sich aber an aktuelle und künftige Anforderungen der Kunden orientieren. „Emotionalität ist uns wichtig. Der Kunde und die Mitarbeiter müssen sich wie in einem Zuhause fühlen“, sagt Kopec. Das soll sich vor allem in Geschäften spiegeln, in denen Beratung wichtig ist. Hier wolle man sich an der Hauptfilialie in Unna orientieren, wo Kunden für Termine in Büros namens Kamin- oder Wohnzimmer geladen werden. Auch Flächen für Präsentationen von Mitgliedern oder Wanderausstellungen sollen geschaffen werden. Zudem sollen sich Emscherquellgemeinde und die Natur in den Räumlichkeiten wiederfinden – durch begrünte Wände zum Beispiel. „Auch das Fahrrad spielt an der Stelle eine Rolle. Dafür wollen wir den Kunden schon am Eingang Platz bieten“, sagt Zahmel. Eine Ladestation für E-Bikes soll dann zum Standard gehören. Wann genau die Filiale an der Hauptstraße übergangsweise schließt, will die Volksbank Unna rechtzeitig bekanntgeben.

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